Marco Rose dominiert in England und Europa: Das steckt dahinter

Rose über Carricks schwere Lage: "Habe Mitgefühl"
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Rose über Carricks schwere Lage: "Habe Mitgefühl"

Marco Rose marschiert in England und Europa von Erfolg zu Erfolg - dabei erlebte er einen richtig miesen Start auf der Insel. Was steckt hinter dem erstaunlichen Aufschwung von Underdog AFC Bournemouth?

Der Saisonstart ließ für Marco Rose nichts Gutes erahnen. Nach sechs Spielen in England stand der neue Trainer mit dem Überraschungsteam der Vorsaison noch ohne Sieg da. Nach dem Höhenflug hieß die Realität für den AFC Bournemouth schnell Abstiegskampf.

Und natürlich stand Rose sofort im Fokus. Er hatte sein Team zu Saisonbeginn zwar als das „gallische Dorf der Premier League“ bezeichnet. Als den maximalen Underdog im Kampf der Giganten.

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8d7a9b3ab1552987424c4e9fcaddd04c39100859Marco Rose legt mit © IMAGO/Shutterstock

Doch zur Wahrheit gehörte auch: Roses Vorgänger, der heutige Liverpool-Coach Andoni Iraola, hatte die „Cherries“ als Architekt des Erfolges zuletzt zu einer historisch guten Saison geführt. Nie hatte das Team aus dem Urlaubsort an der Südküste Englands in der Tabelle besser abgeschnitten. Platz sechs und guter Fußball, die Ansprüche sind extrem gestiegen.

Marco Rose erhielt volle Rückendeckung

Und trotzdem wackelte der ehemalige Bundesliga-Trainer Rose nie wirklich, was sich nun auszahlt. Sieben Siege reihte das Team des einstigen Bundesliga-Trainers in drei verschiedenen Wettbewerben mittlerweile aneinander. Das erste und einzige Gegentor fiel dabei jüngst beim 3:1 gegen Sparta Prag in der Europa League.

Doch was steckt hinter dem Lauf der Mannschaft, die in England nicht zuletzt medial meist unter dem Radar fliegt?

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Der große Wendepunkt war wohl eine empfindliche Klatsche. Anfang Oktober setzte es ein 1:5 gegen den FC Chelsea. Bei einem anderen Verein wäre Rose womöglich angezählt worden, doch beim AFC erkannte man die guten Ansätze. Das gallische Dorf schlug zurück.

„Wir haben einen guten Ball gespielt, ich musste mich nie im Verein erklären, alle waren überzeugt von unserem Weg“, erklärte der Coach dem kicker. Dennoch zog Rose seine Schlüsse. Taktische Anpassungen führten zu größerer defensiver Stabilität. Auch wenn der 50-Jährige seine spielerische Idee, die im englischen Powerfußball zunächst an ihre Grenzen stieß, nie aufgeben wollte: „Diesen Spagat haben wir hinbekommen.“

Nach „Slapstick und individuellen Fehlern“ wurden die „letzten fünf Prozent“ draufgepackt. Und die Siege folgten. Der Guardian titelte: „Marco Roses Taktik beflügelt Bournemouth – er hat für eine defensive Stabilität gesorgt, die zu Iraolas Zeiten nicht immer gegeben war.“

Bournemouth-Trainer kann sich auf Top-Stürmer verlassen

Ein weiterer wichtiger Baustein: Bournemouth ist mittlerweile auch unter Rose eine gefestigte Einheit. Der ungewohnte Rückstand in Prag ließ das Team kalt: „Wir waren bereit. Die Antwort war wirklich gut. Eine wirklich gute Mannschaftsleistung und ein wirklich guter Abend für Bournemouth“, sagte ein erkennbar zufriedener Coach.

Dabei konnten sich die Gegner durchaus sehen lassen. Sowohl die AC Milan als auch Manchester United (und das im Old Trafford!) wurden mit 3:0 weggefegt, im League Cup ließ das Rose-Team das identische Ergebnis gegen Europa-League-Sieger Aston Villa folgen. Die Gesamtbilanz: 19:1 Treffer in sieben Partien.

Für so manches Tor war dabei zuletzt der Brasilianer Evanilson verantwortlich. Seit dem Chelsea-Spiel (bei dem er ebenfalls traf) ließ der 27-Jährige fünf Tore und zwei Assists in sechs Partien folgen.

Evanilson (vorne.) trifft aktuell fast nach Belieben
Evanilson (vorne.) trifft aktuell fast nach BeliebenEvanilson (vorne.) trifft aktuell fast nach Belieben© IMAGO/Shutterstock

„Alle wissen, wie wichtig er für uns ist“, schwärmte Rose: „Er kann auf der Neun spielen, auf der Zehn, er arbeitet hart gegen den Ball, er findet den richtigen Moment bei Pressing-Situationen. Er ist immer verfügbar, macht gute Tiefenläufe, findet die Lücken. Und jetzt schießt er in jedem Spiel Tore. Es macht Spaß, ihn dabeizuhaben und ihm zuzuschauen.“

„Jetzt wissen wir, was Rose wirklich von uns erwartet“

Der Stürmer wiederum weiß, bei wem er sich bedanken muss. „Der Trainer hat uns gut in diese Mannschaft geformt, und jetzt wissen wir, was er wirklich von uns erwartet“, erklärte der Angreifer der Daily Mail: „Er will Beweglichkeit im Angriff, er will, dass wir hoch pressen.“ Die Siegesserie sei kein Zufall. Und das hinten fast immer die Null stehe, auch nicht.

Gerade in der Offensive hat Rose, der in Deutschland Gladbach, Dortmund und Leipzig trainierte, einige interessante Optionen. Neben Evanilson zum Beispiel dessen Landsmann Rayan, einen 20 Jahre alten Nationalspieler, der nach seinem Wechsel von Vasco da Gama im Sommer auch schon bei fünf Saisontoren steht.

Im offensiven Mittelfeld glänzt Marcus Tavernier mit sechs Treffern, der ehemalige Leverkusen-Profi Amine Adli kommt nach einer Verletzung zu Saisonbeginn ebenfalls immer besser in Schwung (drei Tore in 140 Einsatzminuten). Und zuletzt meldete sich auch der teuerste Spieler des Kaders – Junior Kroupis Marktwert wird auf 70 Millionen Euro geschätzt – zurück.

So eine Mannschaft gab es in England seit 2018 nicht mehr

„Wenn du diese Art von Spieler bringen kannst, diese Qualität, dann bist du ein glücklicher Trainer“, sagte Rose, der am liebsten aber die Leistungen seiner gesamten Mannschaft hervorhebt – und mit dem Teamgedanken offensichtlich auch seine Spieler überzeugt hat.

„Wir verteidigen als gesamte Mannschaft wirklich gut“, lobte Abwehrspieler James Hill zuletzt: Selbst wenn der Trainer rotiere, um Einsatzminuten zu verteilen, „war jeder einzelne für diesen Moment bereit.“

Bleibt die Frage: Wo kann die Reise hingehen? Sieben Siege in Folge gab es wettbewerbsübergreifend in England schon seit Jahren nicht mehr, zuletzt war der FC Arsenal 2018 so erfolgreich.

In der Premier League grüßt das Rose-Team entsprechend schon von Rang sieben, zu Chelsea und Platz vier fehlen vier Punkte. Noch besser ist die Bilanz in der Europa League.

Titeltriumph in der Europa League? Rose winkt ab

Als erst zweites englisches Team gewann Bournemouth seine ersten vier Spiele im Europacup. Zuletzt gelang das Liverpool im Europapokal der Landesmeister 1964. Vor 62 Jahren also.

Vom Titeltriumph will Rose trotzdem noch lange nichts wissen. „Unser Ziel ist es, nach einem guten Start ohne die Zwischenrunde ins Achtelfinale einzuziehen, weil uns jedes Match weniger in dieser Saison hilft“, meinte er beim kicker.

Weitere Siege könnten durchaus folgen, in der aktuellen Form müssen Rose und Co. keinen der kommenden Gegner fürchten. Ipswich, Nottingham und Fulham liegen in der Tabelle allesamt hinter Bournemouth. Das spanische Celta Vigo ist ebenfalls schlagbar.

„Die Jungs haben Selbstvertrauen, sind mutig“, sagte Rose zuletzt. Mittlerweile ist klar: Nach einem schwachen Saisonstart verheißen diese Worte für den Gegner nichts Gutes.