Die zweimalige Hochsprung-Olympiasiegerin Ulrike Nasse-Meyfarth trauert um ihren ehemaligen Mentor, Leichtathletik-Trainer-Legende Gerd Osenberg.
Deutsche Leichtathletik-Legende trauert um ihren Trainer
Deutsche Legende trauert um Trainer
Osenberg war im Alter von 89 Jahren verstorben. „Mit Osenberg hatten wir alle – seine Athletinnen, auch einige Athleten haben bei ihm trainiert – eine wunderbare Zeit. Die möchte ich nicht missen“, erinnert sich Nasse-Meyfarth im Gespräch mit SPORT1 zurück.
Elf olympische Medaillen unter Osenberg
Der Meistertrainer formte unter anderem Heide Ecker-Rosendahl, Heike Henkel und eben Nasse-Meyfarth zu absoluten Topstars. Osenbergs Athletinnen und Athleten gewannen insgesamt elf olympische Medaillen. Für seine Verdienste wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz sowie dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.
Nasse-Meyfarth gewann zweimal olympisches Gold. Nach ihrem Überraschungstriumph 1972 in München sprang die Frankfurterin 1984 in Los Angeles erneut zu Gold. „Der Olympiasieg 1984 ist für mich viel wertvoller als der Sieg bei den Olympischen Spielen in München 1972, welcher mir so unerwartet passiert war. Den Sieg in Los Angeles habe ich mir mithilfe von Gerd Osenberg hart erarbeitet“, sagt Nasse-Meyfarth.
„Nach meinem ersten Olympiasieg konnte ich jahrelang nicht mehr annähernd an meine olympische Leistung herankommen. Ich habe damals einen neuen Trainer gesucht – und Gerd Osenberg hat mich mit viel Einfühlsamkeit wieder aufgebaut“, so die siebenmalige deutsche Meisterin.
„Osi war immer gut für einen witzigen Spruch“
Bei all den täglichen Trainingseinheiten und Wettkämpfen habe man sich immer besser kennengelernt. „Osi war immer gut für einen witzigen, aufmunternden Spruch. Er hat mit seinem Humor die Stimmung in der Gruppe hochgehalten“, erinnert sich Nasse-Meyfarth: „Andererseits hat jede Athletin von sich aus das harte Training durchgeführt, mit dem gebührenden Ehrgeiz und der Bereitschaft, nach Osenbergs Vorgaben zu trainieren.“
Am Montag hatte der TSV Bayer 04 Leverkusen den Tod von Osenberg offiziell vermeldet. „Ich habe Osi dieses Frühjahr noch einmal kurz besucht. Da sah er schon nicht mehr gut aus. Es ist traurig, dass er so lange leiden musste. Seine Frau tut mir sehr leid, aber die Familie hält gut zusammen – seine drei Söhne, die Schwiegertöchter und die Enkel“, sagt Nasse-Meyfarth.
Osenberg kam 1965 nach Leverkusen und formte den Verein zu einer internationalen Hochburg der Leichtathletik. Nach 37 Jahren ging Osenberg 2002 zwar offiziell in den Ruhestand, aber auch nach seinem Rücktritt gab er selbst im hohen Alter seine Erfahrung weiter – doch das passte offenbar nicht jedem.
Nasse-Meyfarth und der Fosbury-Flop
„Der damalige Geschäftsführer (Jörg Elberding, Anm. d. Red.) der Leichtathletikabteilung des TSV Bayer 04 Leverkusen hatte Gerd Osenberg Hallenverbot erteilt, weil er dort noch freiwillig und aus Spaß einige Leichtathleten, die ihn darum gebeten hatten, trainierte. Das war schlimm. Er tat das ja nicht, um irgendjemandem etwas wegzunehmen, sondern weil ihm die Arbeit als Trainer in der Leichtathletik immer noch Spaß macht. Das hat Osi wirklich nicht verdient“, erzählt die Europameisterin von 1982.
Osenberg war auch für seine ungewöhnlichen Trainingsmethoden bekannt. Nasse-Meyfarth war die erste Schülerin, mit der er den Fosbury-Flop trainierte: „Der Fosbury-Flop hat ja normalerweise einen gebogenen Anlauf. Ich bin aber eine Zeit lang gerade angelaufen und habe vor den letzten drei Schritten sogar noch einen Zwischensprung gemacht. Damit bin ich 1,95 Meter gesprungen. Viele Fachleute haben etwas verwundert geschaut, weil es ungewöhnlich war – aber ich kam damit gut zurecht. Und Gerd hat mich solche Dinge ausprobieren lassen, wenn sie für mich funktioniert haben.“