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Absurdes Zehnkampf-Chaos bei EM: "Absolute Wettbewerbsverzerrung!"

Zehnkampf-Chaos: Trainer tobt

Beim Zehnkampf kommt es zu skandalösen Szenen. Leo Neugebauer ist zentral betroffen von völlig überforderten Veranstaltern.
Leo Neugebauer führt auf seiner Mission Gold bei der Leichtathletik-EM in Birmingham den Zehnkampf-Wettbewerb an. Auch Niklas Kaul will eine Medaille.
Beim Zehnkampf kommt es zu skandalösen Szenen. Leo Neugebauer ist zentral betroffen von völlig überforderten Veranstaltern.

Massives Nachsitzen für Leo Neugebauer! Eine grobe Panne und völlig überforderte Veranstalter haben den Zehnkampf-Stabhochsprung bei der Leichtathletik-EM in Birmingham heftig beeinflusst. Auf einer der beiden Anlagen war die Latte bei den Versuchen über 4,80 m nicht in der richtigen Höhe aufgelegt worden, sondern erneut bei 4,70 m. Erst nach einer Weile fiel der Irrtum auf, sieben Springer mussten noch einmal antreten, darunter der führende Weltmeister Neugebauer und der junge Deutsche Amadeus Gräber. Doch es folgten weitere grobe Verfehlungen der Organisatoren.

„Bei den Witterungsbedingungen ist das natürlich fatal und eine absolute Wettkampfverzerrung meiner Meinung nach“, sagte Bundestrainer Jörg Roos im ZDF. Kommentator Fabian Meseberg wütete am Mikrofon bereits zu diesem Zeitpunkt: „Der Ärger ist völlig verständlich. Das ist ein peinlicher Fehler der Kampfrichter, dass das nicht auffällt. Sieben Springer haben hier einen Sprung für die Galerie gemacht.“

Und auch der frühere Zehnkampf-Weltrekordler Jürgen Hingsen wütete: „Die Organisation ist eine absolute Katastrophe, so etwas habe ich noch nicht erlebt.“

Neugebauer massiv benachteiligt

Neugebauer sagte im ZDF später: „Das Problem war: Es war so ein Durcheinander da unten. Durch das Chaos, dass hier etwas und dort etwas nicht gestimmt hat, muss man dennoch fokussiert bleiben, um die Höhe zu schaffen. So etwas habe ich noch nie erlebt, das war echt verrückt. Aber am Ende habe ich es dennoch drüber geschafft.  Mit 4,9 Metern kann ich super zufrieden sein bei einem so chaotischen Stabhochsprung-Wettkampf.“

Zum Zeitpunkt des ersten groben Fehlers der Jury lief der Stabhochsprung bei Temperaturen über 30 Grad schon rund eine Stunde. Ex-Weltmeister Niklas Kaul, der auf Medaillenkurs lag, war nicht betroffen. Auch die weiteren Verfolger Neugebauers wie der Niederländer Jeff Tesselaar und der norwegische Vize-Europameister Sander Skotheim mussten nicht doppelt ran.

Doch damit nicht genug! Gerade, als Neugebauer und sein Konkurrent Makeson Gletty aus Frankreich die 4,80 Meter wiederholten, unterlief der nächste peinliche Fehler. Die nun überforderten Veranstalter vergaßen bei diesen Versuchen, die richtigen Abstände der Stabhochsprungständer zum Einstichkasten einzustellen, die je nach Sportler variieren.

Fast hätte es fatale Folgen gehabt. Neugebauer merkte bei einem dieser Sprünge, dass der Abstand nicht stimmte, brach in der Luft ab und landete fast im Kasten. Die Wade machte sich danach bemerkbar.

„Jeder Athlet hat da seine individuelle Einstellung. Das wird vor dem Versuch korrigiert und man hat das bei Gletti und Leo einfach vergessen. Die springen auf einer Ständerentfernung, die sie gar nicht springen können. Da kommen sie nicht drüber, klar. Sowas darf in solch einer Veranstaltung überhaupt nicht passieren“, haderte Trainer Roos.

Neugebauer schlägt fulminant zurück

Dieser Fehler fiel jedoch erst vor dem dritten Versuch des Duos auf. Danach rissen beide noch einmal die Latte und wären raus gewesen. Doch dann wurde ihnen nach einem Protest ein zusätzlicher Versuch unter Vorbehalt genehmigt – und Neugebauer überquerte die Latte! ZDF-Moderatorin Anja Fröhlich bezeichnete es dennoch als „Witzveranstaltung“.

Ob der Versuch wirklich zählt, entscheidet sich erst nach Ende der Disziplin. Neugebauer zeigte derweil die Mentalität eines Champions. Direkt nach dem turbulenten Chaos übersprang er die 4,90 Meter im ersten Versuch und kam dem Titel damit einen Schritt näher. Bei 5,00 Meter schied der Favorit schließlich trotz guter Versuche knapp aus und er blieb knapp unter der Saisonbestleistung von 5,00 Meter.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)