Klopps Neuling könnte die DFB-Sorgen beseitigen
So erfrischend erzählen die DFB-Neulinge von Klopps Anruf
Philipp Treu steht zum ersten Mal im Kader der A-Nationalmannschaft. Der Rechtsverteidiger ist dabei mehr als nur eine lose Fantasie von Jürgen Klopp. Denn der Freiburger hat gute Chancen, sein Idol zu beerben und schon zum Auftakt in die Startelf zu rutschen.
Als Philipp Treu vergangenen Sonntag den Anruf erhielt, musste er sich erst einmal kneifen. Jürgen Klopp? Der Bundestrainer? Der Freiburger schaute sich gerade die Zweitligakonferenz an, als ihn der Bundestrainer mit der Nominierung überraschte. Es sei ein „geiles Gefühl“, „eine große Ehre“, der FaceTime von Klopp „war schon ein Stück weit surreal für mich“, grinste der sympathische 25-Jährige am Dienstagmittag in Herzogenaurach über beide Ohren. „Von klein auf hat man immer diesen großen Traum.“
Die Rechtsverteidiger-Position gilt seit Jahren, genauer gesagt seit dem Rücktritt von Philipp Lahm, als Achillesferse des DFB-Teams. Klopp sieht das, auch wegen Spielern wie Treu, anders. „Wir reden in Deutschland, dass wir keine Rechtsverteidiger haben. Philipp Treu muss sich zum Beispiel fragen: ‚Hä, worüber reden die?‘“, wunderte sich der 59-Jährige auf der Nominierungs-PK.
Der gebürtige Heidelberger ist dabei mehr als nur eine lose Fantasie von Klopp. Treu könnte als DFB-Startelfspieler sogar in die Fußstapfen seines großen Vorbilds treten.
Treu wie im Traum: „Will zeigen, was ich kann“
Noch im März 2025 träumte Treu, damals noch Spieler des FC St. Pauli, im Interview mit SPORT1 vom DFB-Team: „Noch bin ich nicht so weit, aber wenn ich weiter hart an mir arbeite, ist es vielleicht irgendwann mal möglich. Aber jetzt kurzfristig noch nicht. Da bin ich auch ehrlich“, schätzte Treu seine Chancen damals realistisch ein, sagte aber auch: „Irgendwann könnte die Tür aber mal aufgehen und das ist schon ein Ziel. Ich werde Tag für Tag alles geben, um das vielleicht mal zu erreichen.“
Dass dieser Traum gerade einmal eineinhalb Jahre später tatsächlich Realität wird, hätten wohl nur wenige erwartet. Denn viele hatten den extrem fleißigen und lautstarken Rechtsverteidiger nicht auf dem Schirm. Dabei überzeugt er beim Team der Stunde, dem SC Freiburg, auf ganzer Linie und zog mit den Breisgauern in der vergangenen Saison ins Finale der Europa League ein. „Ich will jetzt zeigen, was ich drauf hab“, gab er sich motiviert.
Auf den Spuren von Kimmich und Lahm?
Wie er sich selbst beschreiben würde? „Mit einem unfassbaren Kämpferherz, der nie aufgibt, der mit einer unfassbaren Intensität jeden Tag ins Training reingeht und der die Mitspieler auch mitziehen kann“, so Treu auf SPORT1-Nachfrage. Attribute, die Spielern wie ihm in der Freiburger Fußballschule eingeimpft werden.
Genau diese DNA verkörpern auch Treus große Vorbilder. Als Kind war es Philipp Lahm. Auch weil Treu nie im Sturm, sondern in jeder Mannschaft als Verteidiger auflief. Heute ist es DFB-Kapitän Joshua Kimmich, der in Zukunft auch im DFB-Team fest für das defensive Mittelfeld eingeplant ist. Besonders „seine Mentalität und Arbeitshaltung“ imponieren Treu. Damit steht er seinem Idol allerdings in wenig nach.
„Ich bin direkt in den Kraftraum“
Nach dem WM-Aus des DFB-Teams gegen Paraguay witterte Treu, der bereits zweimal für die deutsche U19 auflief, seine große Chance: „Ich bin direkt in den Kraftraum und habe mir gesagt: ‚Ey, ich arbeite jetzt, damit ich vielleicht die nächsten Monate oder Jahre, ich habe mir keine Deadline gesetzt, den Anruf bekommen kann.“
Die Mühen haben sich schon jetzt gelohnt. Und es könnte noch besser kommen: Gegen die Niederlande in Amsterdam hat Treu gute Chancen, direkt von Beginn an aufzulaufen und sich zeigen zu dürfen. Und wer weiß: Vielleicht tritt er auch langfristig in die Fußstapfen seiner großen Vorbilder.