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Formel 1: Villeneuve giftet nach McLaren-Desaster: Wie kann man so Mist bauen?

McLaren am Boden

Für McLaren wird der Formel-1-Saisonstart in Bahrain zum Desaster. Legende Jacques Villeneuve watscht den Rennstall ab, Teamchef Seidl wirkt ratlos, Youngster Lando Norris stellt sich für einige Zeit auf Schmerzen ein.
Daniel Ricciardo und McLaren erlebten beim Saisonstart in Bahrain ein Desaster
Daniel Ricciardo und McLaren erlebten beim Saisonstart in Bahrain ein Desaster
© Imago
Für McLaren wird der Formel-1-Saisonstart in Bahrain zum Desaster. Legende Jacques Villeneuve watscht den Rennstall ab, Teamchef Seidl wirkt ratlos, Youngster Lando Norris stellt sich für einige Zeit auf Schmerzen ein.

Es ist wie verhext.

Nach Platz vier im Vorjahr wollte McLaren eigentlich den nächsten Schritt machen. Doch während der Dauergegner von 2021, Ferrari, in Bahrain gleich einen Doppelsieg abstaubte, stürzte McLaren regelrecht ab. (BERICHT: Insider enthüllt! So verheerend ist die Lage beim Vettel-Team)

Lando Norris und Daniel Ricciardo belegten die Plätze 13 und 18 im Qualifying (Rückstand: 1,5 Sekunden!) und kamen im Rennen auf den Rängen 14 und 15 ins Ziel. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Villeneuve attackiert McLaren: „Mist gebaut“

Von Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve hagelt es deshalb Kritik fürs Traditionsteam. „All diese Erfahrung, dieses Wissen und Können im Autodesign; es ist unglaublich, dass sie so Mist gebaut haben“, sagte er in der niederländischen Zeitschrift Formule 1. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

„Ich hatte weniger Erwartungen an Aston Martin, die Mercedes so viele Jahre kopiert haben, weil sie vielleicht vergessen haben, wie man ihr eigenes Auto entwirft“, schimpfte der Kanadier mit Blick auf McLaren und bohrte den Finger verbal ganz tief in die Wunde: „Um an der Spitze zu konkurrieren, braucht es mehr als Ehrgeiz und Geld. Die Formel 1 ist ein besonderer Sport. Es geht nicht nur um Marketing und Branding.“

Was Villeneuve meint: Gerade erst vor Saisonbeginn hatte McLaren einen Sponsorendeal mit Google abgeschlossen.

Abgezeichnet hat sich das Drama schon bei den Testfahrten. Da kämpfte McLaren mit überhitzenden Vorderbremsen. Deswegen legte der Rennstall mit nur rund 200 Runden die wenigsten Testkilometer aller Teams zurück. (BERICHT: Audi-Hammer? Das sagt McLaren)

Das McLaren-Desaster - wo sind die Gründe?

Eine eilig zusammengezimmerte Zwischenlösung versprach Besserung. Doch das Desaster setzte sich am GP-Wochenende fort. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Der deutsche Teamchef Andreas Seidl muss jetzt den Erklärbär spielen, warum es plötzlich nicht mehr läuft. Ob er es selbst weiß? Der Bayer zuckt mit den Schultern: „Zusätzlich zu den Problemen, die wir sowieso schon hatten, mussten wir im Rennen auch noch verschiedene Parameter managen, um die Temperaturen zu kühlen. Das hat uns noch mehr Performance gekostet.“

Aber es ist nicht nur die Hitze, die den MCL 36 einbremst. Offenbar mangelt es dem Auto auch an der richtigen Balance. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Norris und Ricciardo im Teufelskreis

„Uns fehlt einfach eine Menge Abtrieb“, verrät Youngster Lando Norris, „und darum ist das Handling ziemlich schlecht. Und wenn du keinen Abtrieb hast, dann funktionieren auch die Reifen nicht gut. Du hast Untersteuern, du hast Übersteuern, und es passieren noch viele andere Dinge.“ Klingt fast nach dem Dilemma, in dem auch Aston Martin steckt.

Norris klingt bereits ziemlich ernüchtert: „Wir sind weit, weit weg. Nicht nur ein bisschen, sondern weit weg. Daran müssen wir uns gewöhnen.“

Teamkollege Daniel Ricciardo, der den Bahrain-Test auch noch wegen einer Corona-Infektion verpasste, erklärt den Teufelskreis, in dem er und Norris nun gefangen sind: „Die Autos sind langsamer als im vergangenen Jahr. Sie entwickeln weniger Grip. Das macht es einfacher, Fehler zu begehen, denn die Autos sind schwieriger zu fahren.“

Norris stellt sich auch „Schmerzen“ bei McLaren ein

Und nun? Eine schnelle Lösung des Gesamtproblems scheint nicht in Sicht, auch wenn Teamchef Seidl hofft, dass der Stop-and-Go-Kurs in Bahrain dem McLaren einfach nicht entgegenkam.

„Wir müssen jetzt sehen, wie das Auto auf verschiedenen Streckenlayouts funktioniert“, sagt der Deutsche: „Es sieht so aus, als hätte die Strecke in Bahrain uns den Schwächen unseres Autos besonders ausgesetzt.“

Norris warnt indes schon mal vor einer harten Zeit: „Jeder muss wissen, dass es vermutlich ein paar Schmerzen geben wird. McLaren und ich erwarten deutlich mehr, aber das ist im Moment nicht drin“, betont er und spannt den Zeitschirm weit auf: „In den kommenden Monaten müssen wir verstehen, was los ist und wie es besser werden kann.“

Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Technikchef James Key. Der hochgelobte Brite muss jetzt zeigen, was er kann.

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