Wer sich seit jeher als Kritiker der Sprintrennen bezeichnet, der dürfte jenes in Austin mit einem leicht verschmitzten Lächeln verfolgt haben. Denn am Samstag herrschte beim Großen Preis der USA größtenteils Langeweile, so hatte das auf rund 100 Kilometer verkürzte Format rückblickend wieder einmal keinen besonderen Mehrwert.
Formel 1: Gibt es bald radikale Änderungen in der F1? Verstappen kritisiert die Sprintrennen scharf
Radikale Änderung in der Formel 1?
Auch Seriensieger Max Verstappen, der am Ende abermals die Nase vorne hatte, konnte sich einen sarkastischen Kommentar nicht verkneifen. „Ich liebe es. Es ist fantastisch“, sagte der Niederländer, längst als Gegner dieser Mini-Grand-Prix bekannt, nach der Zieldurchfahrt: „Wenn Sie meine ehrliche Meinung zu den Sprintwochenenden hören wollen, dann bin ich nicht wirklich begeistert davon.“
In Austin hat sich daran nichts geändert, schließlich sei der Sprint für ihn in erster Linie ein Spannungskiller für das Hauptevent. „Alle wissen nach diesem Rennen mehr oder weniger, was morgen (am Sonntag; Anm. d. Red.) zwischen den Autos in Bezug auf die Pace passieren wird, und das nimmt ein wenig die Spannung weg“, betonte Verstappen. Daraufhin mischte sich der zweiplatzierte Lewis Hamilton ein, witzelte in seine Richtung: „Hört sich an, als wärst du ein wenig gelangweilt?“
Doch Verstappen führte seine Meinung aus: „Ich bin nicht gelangweilt, aber wenn ich ein Fan wäre, wäre ich einfach enttäuscht, weil man dann mehr oder weniger weiß, wie der Film ausgeht. Wenn nichts Verrücktes passiert, weiß man, was morgen passieren wird. Ich finde, das nimmt ein bisschen den Zauber weg, an einem Sonntagmorgen oder Sonntagnachmittag aufzuwachen und den Fernseher einzuschalten.“
Wird das Sprint-Format schon nächste Saison geändert?
Im Prinzip halten sich Diskussionen dieser Art, seit es die Kurzrennen gibt. Neben den Fahrern blieb das natürlich auch deren Teamchefs nicht verborgen. Das 2021 eingeführte Format wird längst auf den Prüfstand gestellt. Weil die Formel 1 den Sprint aber zunehmend als festen Bestandteil etablieren will, sollen nicht nur Feinjustierungen vorgenommen, sondern grundlegende Dinge überarbeitet werden.
Offizielle Vorschläge für mögliche Änderungen lassen zwar noch auf sich warten, trotzdem könnte es bereits 2024 zu weitreichenden Änderungen des Sprint kommen. Nach Informationen von Autosport gebe es diesbezüglich informelle Gespräche im Fahrerlager. Eine Idee: Eine gesonderte Sprintmeisterschaft. Dann würden die Punkte aus den Kurzrennen nicht mehr für die WM-Wertung zählen.
Dadurch könnten die Piloten dazu ermutigt werden, das Risiko bei den Sprints zu erhöhen. Auch ein Szenario wie in diesem Jahr, als Verstappen in Katar schon am Samstag den Gewinn der Weltmeisterschaft feierte, würde das verhindern. Zudem kursiert laut Medienberichten die Idee, einen Sponsor an Land zu ziehen und ein hohes Preisgeld für die Sieger auszuloben.
Zu guter Letzt ist gar eine umgekehrte Startaufstellung wie bei den Sprintrennen der Formel 2 im Gespräch. Und das in unterschiedlichen Varianten. Einerseits könnten die ersten zehn Plätze oder die gesamte Startreihenfolge umgedreht werden. Andererseits wäre es auch möglich, die Fahrer in solchen Sprintrennen in umgekehrter Reihenfolge des Meisterschaftstandes starten zu lassen.
Wolff ist kein Fan von radikalen Änderungen
Solche mutigen Veränderungen hätten im Paddock durchaus Befürworter. „Ich denke, man muss das Ganze ein bisschen unberechenbarer machen“, betonte auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner am vergangenen Samstag nach dem Sprint in Austin: „Ob man die Top-Ten umdreht oder etwas anderes macht, man muss genug Punkte hinzufügen, damit es sich für die Fahrer wirklich lohnt, es zu versuchen.“
Allerdings traf dieser Vorschlag, wie es bei radikalen Ideen so oft der Fall ist, bei manch anderem nur bedingt auf Gegenliebe. „Ich bin im Motorsport konservativ. Mir wäre es lieber, es gäbe keine Sprintrennen, als dass man damit herumspielt“, konterte wiederum Mercedes-Boss Toto Wolff, der sich mit dem Gedanken einer umgekehrten Startaufstellung nicht im Geringsten anfreunden konnte.
„Mit den Reverse-Grid-Rennen gehen wir noch mehr in die Richtung von Nachwuchsformeln, bei denen der Sport der Unterhaltung folgt, obwohl die Unterhaltung dem Sport folgen sollte“, ergänzte Wolff. Dennoch ist sich der Österreicher bewusst: „Alle Teams müssen zusammen mit Stefano (Domenicali, Anm. d. Red.) darüber nachdenken, was das Beste ist.“