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Formel 1: Was ist Haas' "größtes Update der Geschichte" wert?

Viel Lärm um nichts?

Haas-Boss Günther Steiner tönt mal wieder forsch umher, verspricht das größte Update der Teamgeschichte. Nach dem ersten Einsatz der neuen Teile bleiben jedoch eher Frage- als Ausrufezeichen hängen.
Nico Hülkenberg ist mit dem Haas-Update vorsichtig optimistisch
Nico Hülkenberg ist mit dem Haas-Update vorsichtig optimistisch
© Imago
Haas-Boss Günther Steiner tönt mal wieder forsch umher, verspricht das größte Update der Teamgeschichte. Nach dem ersten Einsatz der neuen Teile bleiben jedoch eher Frage- als Ausrufezeichen hängen.

Es kommt nicht selten vor, dass sich Günther Steiner, Boss des kriselnden Formel-1-Rennstalls Haas, in Superlativen verstrickt. Diesmal kündigte der Südtiroler das „größte Update der Teamgeschichte“ an. Und das war im Grunde genommen auch bitter nötig. Bisher hatte die US-Mannschaft kaum neue Teile an den Boliden geschraubt. Vor allem Nico Hülkenberg kritisierte die Update-Flaute immer wieder.

Hatte der Deutsche zu Saisonbeginn noch halbwegs regelmäßig um Punkte kämpfen können, ist beim Low-Budget-Rennstall seit geraumer Zeit der Rückwärtsgang drin. Das Hauptproblem: Haas bekam den Reifenverschleiß nie in den Griff. Weil die Gummiwalzen durch die enorme Beanspruchung des Autos so schnell an Performance einbüßten, waren sowohl Hülkenberg als auch sein dänischer Teamkollege Kevin Magnussen im Mittelfeld oft hoffnungslos unterlegen.

Doch pünktlich zum Heimrennen in Austin gab es den langersehnten Hoffnungsschimmer. Haas brachte ein riesiges Update mit, nicht weniger als ein Paket im Red-Bull-Style sollte es werden. Von einem neuen Wagen wollte Steiner zwar nicht sprechen, da lediglich die Aerodynamik angepasst worden sei. Trotz allem waren die Erwartungen groß. Aber: In Texas reichte es wieder einmal nicht für Zählbares. Auch mit neuen Teilen erzielte Haas alte Ergebnisse.

Hülkenberg schrammte als Elfter knapp an den Punkten vorbei. Magnussen kam nicht über den 14. Rang hinaus. Dabei sei erinnert: Lews Hamilton und Charles Leclerc wurden nachträglich disqualifiziert. Esteban Ocon, Oscar Piastri und Fernando Alonso, eigentlich Stammgäste in den Top-Ten, schieden aus. So rückten die Haas-Piloten eher zufällig nach vorne. Waren Steiners große Ankündigungen also nur heiße Luft oder ist es zu früh, um eine angemessene Bewertung vorzunehmen?

Wurde Haas das Sprint-Format zum Verhängnis?

Klar ist: Austin verlangt den Formel-1-Autos alles ab, wäre im Prinzip die perfekte Teststrecke für Updates. Schnelle, flüssige Kurven in Sektor eins, eine ewig lange Gerade in Sektor zwei, langsame Kurven in Sektor drei. Gäbe es da nicht einen Haken - das Wochenendformat.

Erstmals fand auf dem Circuit of the Americas auch ein Sprint statt. So ging es nach nur einem Training in den Parc-ferme, womit das Setup gemäß dem Regelwerk schnell eingefroren war. Der Knackpunkt: Haas hatte zu Beginn des Wochenendes auf einen zu kleinen Heckflügel gesetzt. Dieser war gar nicht Teil des Updates, sondern schlichtweg eine Fehleinschätzung. Im Zusammenspiel mit all den neuen Komponenten bemerkte das Team den Irrtum allerdings zu spät.

Weil sowohl das Qualifying als auch der Sprint dermaßen in die Hose gingen, sah das Team keinen anderen Ausweg, als die Parc-ferme-Regeln zu brechen und mit beiden Boliden aus der Box zu starten. Mit mehr Abtrieb ausgestattet, ließ Hülkenberg dann im Rennen tatsächlich aufhorchen, arbeitete sich konstant vor. Zumindest „ein paar positive Anzeichen“ nahm der Routinier daher aus dem Wochenende mit und bestätigte, dass die Set-up-Änderung nach dem Sprint „die richtige Entscheidung“ gewesen sei.

„Es lief damit viel besser als am Samstag“, erklärte Hülkenberg. „Wir waren deutlich konkurrenzfähiger, aber natürlich bezahlt man den Preis, wenn man von ganz hinten kommt.“ Auch der Reifenverschleiß, bisher die Achillesferse des VF-23, sei nicht so dramatisch wie bei vorherigen Rennen gewesen. Mit vorsichtigem Optimismus stellte der 36-Jährige fest: „Es ist lange her, dass ich wirklich jemanden überholt habe und nicht selbst überholt wurde. Das fühlte sich gut an.“

Haas-Update ist „keine magische Lösung“

Ärgern konnte sich Hülkenberg in Austin so nur über die knapp verpassten WM-Zähler. Gerade einmal 1,9 Sekunden fehlten nach 56 Rennrunden auf den anvisierten zehnten Platz. „Hätten wir ein halbwegs ordentliches Qualifying gehabt und wären im Mittelfeld losgefahren, dann hätten wir vielleicht um Punkte kämpfen können“, sagte der gebürtige Emmericher.

Teamchef Steiner mahnte währenddessen zur Geduld und betonte, dass all die neuen Teile „keine magische Lösung“ seien. Immerhin habe das Team jetzt aber bessere Kenntnisse über das Update und wolle nach der Datenauswertung „für Mexiko nochmal etwas zulegen“, meinte der 58-Jährige. „Hoffen wir, dass wir mehr in die Richtung kommen, was mit dem Auto möglich ist. Einige Aussagen von Kevin und Nico waren ermutigend.“

Bereits am kommenden Wochenende trifft sich die Formel 1 in Mexiko-Stadt, dann wird es für Haas richtig ernst. Nachdem der Rennstall in Katar von Alfa Romeo überholt wurde, wackelt nun auch Rang neun in der Konstrukteurswertung. Denn AlphaTauri staubte in Austin fünf Punkte ab und liegt nur noch zwei Zähler hinter dem US-Rennstall. Geht es nicht schleunigst bergauf, droht ein bitterer Fall auf den letzten Platz.