Schwimm-Drama bei Olympia-Quali

Schwimm-Drama bei Olympia-Quali

Ramon Klenz erleidet zwei Tage vor der finalen Olympia-Qualifkation der Schwimmer ein Schleudertrauma. Dennoch startet er - und scheitert unter dramatischen Umständen.
Ramon Klenz scheiterte dramatisch an der Olympia-Norm
Ramon Klenz scheiterte dramatisch an der Olympia-Norm
© Imago
Tobias Wiltschek
von T. Wiltschek
am 19. Apr

Noch weiß niemand, ob und in welchem Rahmen die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio überhaupt ausgetragen werden.

Für das erste Drama im deutschen Schwimmsport aber hat Olympia schon gesorgt.

Es geht um Ramon Klenz: 22 Jahre alt, gebürtig in Leipzig und bis vor Kurzem deutscher Rekordhalter über 200 Meter Schmetterling.

Im Juli 2018 knackte er die damals 32 Jahre alte Bestmarke von Schwimm-Legende Michael Groß. Die Zeit von 1:55,76 Minuten hätte locker auch für die Olympia-Qualifikation gereicht.

Normalerweise hat Klenz die auch in diesem Jahr drauf. Doch es sind eben keine normalen Zeiten, und in seinem Fall kommt auch noch großes Pech dazu.

Klenz erleidet bei Unfall Schleudertrauma

Nur zwei Tage vor der finalen Olympia-Ausscheidung der Schwimmer im Berliner Europasportpark am vergangenen Wochenende hatte er einen schweren, unverschuldeten Autounfall und zog sich dabei ein Schleudertrauma zu.

"Ich merke das schon sehr am Hals", sagte Klenz dem DSV-Portal Road to Tokyo. Deshalb aber zurückzuziehen und die letzte Olympia-Chance verstreichen zu lassen, kam für ihn nicht in Frage. (Alles Wichtige zu Olympia)

Denn er hat nicht nur ein großes Kämpferherz, sondern auch Olympia im Blut. Schon seine Großeltern, seine Mutter und sein Onkel haben bei den Spielen teilgenommen. So ist es nur konsequent, dass er die Familien-Tradition fortsetzen wollte.

Doch im Berliner Becken musste Klenz, der auch ein sehr guter Lagenschwimmer ist, mit einem weiteren Handicap fertig werden.

Wegen der Corona-Pandemie war das Teilnehmerfeld stark geschrumpft. Entsprechend wenige Schwimmer traten gleichzeitig auf mehreren Bahnen, wie es im Normalfall üblich ist, gegeneinander an.

Klenz verpasst Olympia um 34 Hundertstelsekunden

Im Fall von Klenz war es sogar so, dass er ganz allein im Wasser schwamm – ohne Gegner, an denen er sich orientieren, durch die er sich pushen konnte. Nur die Uhr lief mit, und sie lief erbarmungslos gegen Klenz.

Als er nach 200 Metern anschlug, zeigte sie 1:56,64 Minuten an - und damit 34 Hundertstel zu viel.

"Einige hatten danach tatsächlich Tränen in den Augen, dass er die Norm so knapp verpasst hat", zitiert die Welt Sarah Köhler, die bei den Europameisterschaften 2018 in Glasgow über die Langstrecke drei Medaillen gewann.

Aufgrund der besonderen Umstände entschieden sich die Verantwortlichen im Verband dafür, Klenz am Sonntag noch einmal starten zu lassen. Diesmal aber ging er das Rennen zu schnell an und scheiterte klar an der Norm.

Und so gehen die Schwimmwettbewerbe der Olympischen Spiele ohne Klenz über die Bühne, wenn sie denn überhaupt über die Bühne gehen.

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