Rotschopf aus Alaska stellt Schwimm-Welt auf den Kopf

Rotschopf aus Alaska stellt Schwimm-Welt auf den Kopf

Die 17-Jährige Lydia Jacoby triumphiert bei Olympia über 100 Meter Brust. Dabei waren die Rahmenbedingungen für eine Weltkarriere alles andere als einfach.
Die Besten der Besten gehen bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio an den Start. In ihren Sportarten sind sie absolute Superstars.
Die Stars der Olympischen Spiele in Tokio
03:09
Maximilian Schwoch
von Maximilian Schwoch
am 27. Juli

Damit hatte niemand gerechnet.

Lydia Jacoby schwamm bei den Olympischen Spielen über 100 Meter Brust sensationell zu Gold. Das überraschte nicht nur Zuschauer und Experten: Auch die Siegerin selbst hatte ihren Coup nicht kommen sehen.

Als sie nach dem Anschlag ihren Kopf aus dem Wasser hob und in Richtung Anzeigetafel blickte, blieb ihr der Mund offen stehen. Ungläubiges Staunen machte sich bei der 17 Jahre alten US-Amerikanerin breit. Was für eine Leistung Jacoby gelungen war, wird sie wohl erst einige Zeit später begreifen.

Olympia: Jacoby besiegt Rio-Siegerin King

Sie ließ nicht nur die Südafrikanerin Tatjana Schoenmaker hinter sich, Weltrekordlerin Lilly King musste sich sogar mit Bronze begnügen. Zum ersten Mal seit über vier Jahren verlor Topfavoritin und Rio-Goldmedaillengewinnerin King ein Finale über 100 Meter Brust.

Eine Medaille habe sich Jacoby schon zugetraut, erklärte sie, ergänzte aber: „Eine Goldmedaille habe ich nicht wirklich erwartet. Als ich nach oben auf die Anzeigetafel schaute – es war großartig“, beschrieb die überwältigte Siegerin ihre Gefühle im Augenblick des Triumphes.

Die geschlagene Landsfrau war voll des Lobes für Jacoby. „Ich wusste definitiv, dass sie eine Bedrohung ist. Ich habe viel von mir selbst in ihr gesehen und ich wusste, dass etwas Besonderes passieren würde“, erklärte King.

Jacoby erste Olympia-Schwimmerin aus Alaska

Mit ihrem Sensationsauftritt schrieb Jacoby gleich mehrfach Geschichte. Sie ist eine der jüngsten US-Schwimmerinnen überhaupt, die eine olympische Goldmedaille gewonnen hat. Nur zwei Schwimmerinnen aus den USA waren in den vergangenen 20 Jahren bei ihrem Gold-Triumph noch jünger: Katie Ledecky und Missy Franklin.

Lydia Jacoby (Mitte) bei der Siegerehrung
Lydia Jacoby (Mitte) bei der Siegerehrung

Noch besonderer wird diese Leistung mit Blick auf Jacobys Herkunft. Sie ist die erste Schwimmerin und überhaupt erst der zehnte Olympiateilnehmer aus dem Bundesstaat Alaska bei Sommerspielen. Der größte und am dünnsten besiedelte Bundesstaat nordwestlich von Kanada hat etwas mehr als 700.000 Einwohner – und ist nicht gerade als Schwimmhochburg bekannt. Noch nie gewann ein Athlet aus Alaska Gold bei Olympischen Sommerspielen.

„Viele bekannte Schwimmer kommen aus großen Vereinen, aber aus einem kleinen Verein und einem Staat mit einer so kleinen Bevölkerung zu kommen, zeigt, dass man es schaffen kann, egal woher man kommt“, sagte die strahlende Siegerin.

Olympiasiegerin auch musikalisch begabt

In ganz Alaska gibt es nur ein einziges 50-Meter-Becken zum Trainieren. Dieses steht in Anchorage. Jacoby stammt aus Seward, einem 2.700-Einwohner-Dorf mit Hafen. Ihre Eltern sind Seefahrer. Jacoby selbst macht im kommenden Jahr ihren Highschool-Abschluss.

Neben dem Schwimmen ist Musik ihre große Leidenschaft. Vor einigen Jahren trat sie in einer Band auf dem „Anchorage Folk Festival“ auf, zupfte den Bass und sang dazu. Anchorage ist die größte Stadt Alaskas.

Dorthin verschlug es sie auch Anfang des Jahres. Während der Pandemie schloss das 25-Meter-Schwimmbecken in ihrer Heimat, so zog es sie in die Stadt, die zweieinhalb Autostunden von Seward entfernt liegt.

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Eindrucksvoll ist auch, welche Entwicklung Jacobys Zeiten in den vergangenen Jahren und Monaten genommen haben. 2018 schwamm sie in einem Meeting in Kalifornien 1:11,05 Minuten, im Juni dieses Jahres verbesserte sie die Zeit bei den US-Trials auf 1:05,28 Minuten. Die Siegerzeit in Tokio war mit 1:04,95 sogar noch einen Tick schneller.

Nach ihrem Highschool-Abschluss will Jacoby an der Universität in Texas Schwimmen. Dort dürften die Bedingungen deutlich besser als in Alaska sein. Aber Jacoby hat ja bereits bewiesen, dass sie auch widrige Trainingsbedingungen nicht von Höchstleistungen abhalten können.

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