Irritierende Szenen nach 100-m-Rekord

Irritierende Szenen nach 100-m-Rekord

Elaine Thompson-Herah gewinnt bei Olympia in Tokio triumphal das große Sprint-Finale über 100 m. Ihre Teamkolleginnen reagieren auf verwunderliche Weise.
Elaine Thompson-Herah bejubelte ihr Gold über 100 Meter lang allein
Elaine Thompson-Herah bejubelte ihr Gold über 100 Meter lang allein
© Imago
. SPORT1
von SPORT1
am 31. Juli

Jamaikanischer Dreifach-Sieg wie vor fünf Jahren in Rio - und hinterher irritierende Szenen.

Sprinterin Elaine Thompson-Herah hat in triumphaler Manier Gold über 100 Meter der Frauen gewonnen. Sie siegte bei 0,6 m/s Gegenwind mit einer Fabelzeit vor 10,61 Sekunden vor ihren Landsfrauen Shelly-Ann Fraser-Pryce (10,74) und Shericka Jackson (10,76).

Thompson-Herah erzielte mit die zweitbeste je gelaufene Zeit auf dieser Strecke. Erst im Juni hatte Fraser-Pryce mit einem Lauf über 10,63 verblüfft, der sie zur zwischenzeitlich zweitschnellsten Frau der Geschichte gemacht hatte - hinter der früh verstorbenen und durch Doping-Indizien ins Zwielicht gerückten Florence Griffith-Joyner.

Griffith-Joyners bisher gültiger Olympia-Rekord von 10,62 - ihre Viertelfinalzeit von Seoul 1988 - ist nun bereits gefallen, es steht noch ihre Weltrekordzeit von 10,49.

Thompson-Herah wird nach 100-Meter-Rekord geschnitten

Das Siegertrio sorgte nach dem Lauf für einen bemerkenswerten Anblick: Thompson-Herah jubelte lang, emotional und ausgiebig, während Fraser-Pryce und Jackson sie zunächst mit eisiger Miene ignorierten.

Der Grund für die offensichtlichen atmosphärischen Störungen im jamaikanischen Team blieb unklar. Die beiden unterlegenen Jamaikanerinnen gingen nach Thompson-Herahs erstem Jubel immerhin zur Siegerin und tätschelten ihr kurz den Kopf.

Fraser-Pryce ließ sich danach ebenso wie die neue Olympiasiegerin eine Jamaika-Flagge geben und posierte mit gequält wirkendem Lächeln neben ihrer Konkurrentin, später kam auch Jackson noch dazu. Mit etwas Abstand stellte sich das Trio dann doch noch für die Fotografen auf.

Nach den ersten Irritationen posierten Shelly-Ann Fraser-Pryce, Elaine Thompson-Herah und Shericka Jackson doch noch gemeinsam für die Fotografen
Nach den ersten Irritationen posierten Shelly-Ann Fraser-Pryce, Elaine Thompson-Herah und Shericka Jackson doch noch gemeinsam für die Fotografen

Fraser-Pryce spricht über Tränen

Im TV-Interview mit der BBC nach ihrer schmerzvollen Niederlage zeigte sich Fraser-Pryce, die Olympiasiegerin von 2008 und 2012, allerdings schon wieder stolz auf ihre Leistung, als Mutter erneut auf dem olympischen Podium zu stehen.

“Ich bin sicher, dass ich jetzt zu Hause auch ein paar Tränen vergießen werde. Ich habe so etwas schon einige Male mitgemacht. Ich bin einfach froh über das, was ich heute erreicht habe”, meinte die 34-Jährige und wollte sich, was ihre Zukunft angeht, nicht festlegen: “Ich weiß es nicht, wir werden sehen.”

Die Topfavoritin verpasste mit Silber ein historisches Gold-Triple: Die 34-Jährige hatte die Chance, nach ihren Siegen 2008 und 2012 als erste Leichtathletin der Geschichte zum dritten Mal Gold in einer Einzel-Disziplin zu holen. Am Ende musste sie froh sein, knapp vor Jackson (10,76) Rang zwei gerettet zu haben.

Doping-Schatten um Mitfavoritin Okagbare

Die ebenfalls hoch gehandelte, schillernde US-Amerikanerin Sha’Carri Richardson durfte wegen eines Positivtests auf Marihuana nicht zu Olympia, während Olympia legte sich ein Doping-Schatten der klassischen Art über die Konkurrenz.

Mitfavoritin Blessing Okagbare war am Morgen nach einem positiven Dopingtest gesperrt worden, die Nigerianerin hatte in diesem Jahr einen erstaunlichen Leistungssprung hingelegt und hatte sich Thompson-Herahs Rekordzeit ebenfalls angenähert.

Die deutschen Starterinnen Alexandra Burghardt und Tatjana Pinto waren im Halbfinale ausgeschieden.

“Ich bin schon irgendwie zufrieden, aber das Finale war greifbar”, sagte Burghardt nach Rang vier in ihrem Lauf. Letzte Deutsche in einem Olympia-Finale war Heike Drechsler, die 1988 in Seoul Bronze gewann.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)


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