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Olympia: Er zahlt Unsummen für ein paar Sekunden

Er zieht nun noch mehr Blicke auf sich

Sebastian Samuelsson zählt seit Jahren zu den besten Biathleten der Welt – doch ein großes Ziel bleibt ihm bisher verwehrt. Aufgetauchte Aussagen sorgen jüngst für Aufsehen. Bei SPORT1 spricht er über seine Motivation, seine mutigen Investitionen und warum er bei Olympia ein großes Duell mit Deutschland erwartet.
Die Olympischen Winterspiele 2026 finden in Mailand und Cortina statt. Aber auch andere Orte in Italien werden zum Schauplatz der Wettkämpfe. Hier gibt's alle Austragungsorte im Überblick.
Sebastian Samuelsson zählt seit Jahren zu den besten Biathleten der Welt – doch ein großes Ziel bleibt ihm bisher verwehrt. Aufgetauchte Aussagen sorgen jüngst für Aufsehen. Bei SPORT1 spricht er über seine Motivation, seine mutigen Investitionen und warum er bei Olympia ein großes Duell mit Deutschland erwartet.

Vom historischen Sieg zum „vielleicht schlechtesten Rennen meiner Karriere“: Höhenflüge und Tiefpunkte liegen im Biathlon oft sehr eng beieinander, was zuletzt auch Sebastian Samuelsson zu spüren bekam. Zunächst der Glücksmoment in Ruhpolding, als er nach vier Jahren Durststrecke wieder einen Sprint gewann und mit seinem achten Weltcup-Sieg Schwedens erfolgreichster männlicher Biathlet wurde.

Doch nur fünf Tage später lief beim Einzelrennen in Nove Mesto nichts mehr. Samuelsson verfehlte achtmal die Scheibe und belegte Platz 73. Lediglich zweimal in seiner Karriere war er noch schlechter, damals war der inzwischen 28-Jährige jedoch noch ein Youngster, der sich im Biathlon zurechtfinden musste.

Für Samuelsson, dessen schlechtestes Ergebnis in dieser Saison zuvor ein zwölfter Platz war, ein unerwarteter Rückschlag, nachdem er sonst sehr beständig unterwegs gewesen war. „Ich bin sehr stolz auf meine Konstanz. Immer um das Podium und um Siege zu kämpfen und meistens auch unter den Top 6 zu sein, bedeutet mir sehr viel“, sagt er im exklusiven SPORT1-Interview in Ruhpolding.

Samuelsson und sein großes Ziel: Bö war lange Stolperstein

Samuelsson zählt seit Jahren zu den Top 10, oft sogar Top 5, im Weltcup und gewann bereits elf WM-Medaillen sowie einmal Gold und einmal Silber bei den Olympischen Spielen. Eine starke Ausbeute - doch nicht genug für einen, der seit jeher vom Gewinn des Gesamtweltcups träumt.

Daher würde er sich auch für diesen entscheiden, wenn er zwischen Gesamtweltcup und Olympiasieg wählen dürfte. „Ich denke, das ist eine größere Leistung. Es gibt viel mehr Leute, die die olympische Goldmedaille gewinnen, als den Gesamtweltcup“, erklärt der Schwede.

Tatsächlich gewannen seit der Saison 2011/2012 nur vier männliche Biathleten den Gesamtweltcup, gleich 17 Männer (inklusive Herren- und Mixed-Staffel) dürfen sich im gleichen Zeitraum aber Olympiasieger nennen.

Dass Samuelsson seinen großen Traum nicht verwirklichen konnte, lag unter anderem an einem Mann. „Mit Johannes Thingnes Bö haben wir in den letzten Jahren den vermutlich besten Biathleten aller Zeiten gehabt. Das ist schwer, ihn zu schlagen“, sagt Schwedens Nationaltrainer Johannes Lukas im SPORT1-Interview, fügt jedoch auch an, dass sein Team es an perfekten Tagen bereits schaffte.

Auch Samuelsson adelt den für ihn „besten Biathleten aller Zeiten“, den er nur zu gerne nicht nur an einem Tag, sondern über die Dauer einer Saison geschlagen hätte - dennoch richtet er nach dessen Karriereende den Blick nach vorne: „Es ist an der Zeit, neue Geschichten für neue Leute zu schreiben - und die Wettkämpfe sind jetzt sicherlich offener als früher.“

Vor Olympia 2026: Doping-Vorwürfe sorgen für Aufsehen

Das betrifft nicht nur den Gesamtweltcup, in dem Samuelsson als Dritter trotz des Nove-Mesto-Ausrutschers noch alle Chancen hat, sondern auch die Olympischen Spiele. Wenige Tage vor dem Beginn des Megaevents rückte er aber nicht wegen sportlicher Leistungen, sondern wegen einer bereits im Oktober getroffenen, aber erst jetzt verbreiteten Aussage in den Mittelpunkt.

Samuelsson, der dafür bekannt ist, klare Meinungen zu vertreten, hatte dem schwedischen Sender SVT Sport gesagt: „Ich bin überzeugt, dass ich gegen gedopte Athleten antrete.“ Hintergrund waren Umfrage-Ergebnisse der Sender NRK aus Norwegen, YLE aus Finnland, DR aus Dänemark sowie SVT. Diese zeigten auf, dass fast die Hälfte der an der Umfrage teilnehmenden Wintersportler im Zeitraum eines Jahres nicht außerhalb von Wettkämpfen auf Doping getestet worden waren.

Beunruhigende Zahlen – speziell für einen Athleten, der sich nicht davor scheut, mögliche Missstände im Anti-Doping-Kampf zu benennen und für seine Überzeugung sogar auf Weltcup-Rennen verzichtet, wie in Russland 2018, da „Nationen ohne funktionierende Anti-Doping-Organisation“ für ihn keine Wettbewerbe auf internationaler Ebene veranstalten sollten. Dafür erhielt er sogar Morddrohungen.

Biathlon: Samuelsson investiert viel Geld in sein Training

Zwar muss sich von seinen jüngsten Aussagen niemand direkt angegriffen fühlen - für Aufsehen sorgen sie in der Biathlon-Welt kurz vor Olympia dennoch. Vom Weg will er sich davon aber nicht abbringen lassen. Weder im Kampf gegen Doping noch von seinen sportlichen Zielen, für die Samuelsson viel tut und auch nicht davor zurückschreckt, viel Geld in die Hand zu nehmen.

Um jederzeit trainieren zu können, hat sich Samuelsson vor Jahren zu Hause sein eigenes Trainingscenter errichtet – mit einem riesigen Laufband für das Rollerski-Training inklusive. Laut schwedischen Berichten hatte Samuelsson bis 2024 bereits 1,5 Millionen Kronen (circa 140.000 Euro) in seine Ausstattung in Östersund investiert – für Biathleten ist dies auch heute noch sehr viel Geld.

Er selbst könne nicht sicher sagen, dass sich finanziell alles gelohnt hat, da er unmöglich wissen kann, wie gut er ohne diese Investitionen abgeschnitten hätte. Er betont bei SPORT1 aber auch: „Ich bin dadurch auf jeden Fall ein besserer Läufer. Sieht man sich die Ergebnisliste an, wie viel 10 Sekunden ausmachen und denkt an das Preisgeld und alles – dann verliere ich rein wirtschaftlich kein Geld.“

Zudem sei es für ihn wichtig zu wissen, dass er alles tue, um erfolgreich zu sein. Deshalb zählt er auch zu den Biathleten, die die das vor der Olympia-Saison heiß diskutierte Hitzetraining nutzen - und das sogar schon seit zwei Jahren. „Ich sehe es als gute Ergänzung. Es ist sicher nicht das Wichtigste, aber ich denke, es bringt einen zusätzlichen Vorteil“, schätzt Samuelsson die Vorteile des Trainings ein.

„Dürfte Kampf zwischen Schweden und Deutschland werden“

Alles, um bei Olympia in Topform an den Start zu gehen. Dort hat Samuelsson nicht nur im Einzel, sondern auch in der Staffel gute Medaillenchancen. Zwar ist Schwedens Team nicht so tief besetzt wie Norwegen oder Frankreich – doch mit ihm und dem ähnlich starken Läufer Martin Ponsiluoma gelten die Staffel-Olympiasieger von 2022 dennoch als Medaillenanwärter.

Beim Kampf um die Medaillen schaut Samuelsson vor allem auf ein Land: „Es dürfte ein Kampf zwischen Schweden und Deutschland um Bronze werden. Vielleicht kommen noch andere Teams hinzu. Wir können auch Norwegen und Frankreich schlagen - aber dafür müssen sie Fehler machen und wir müssen wirklich gut sein.“

Dass er selbst immer noch wirklich gut ist und an einem Tag alle schlagen kann, hat er mit seinem Sprint-Sieg in Ruhpolding bewiesen. Samuelsson hätte sicher nichts dagegen, wenn sein nächster Triumph nur gut 120 Kilometer südlich stattfindet und ihm anschließend eine olympische Goldmedaille um den Hals gehängt wird.