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Draisaitl ärgert Olympia-Erwartung: "Es wurden Sachen rausgehauen, die nicht ganz verständlich sind"

„Glaube, dass zu viel erwartet wurde“

Leon Draisaitl erklärt im SPORT1-Interview die Gründe für das Olympia-Aus und macht deutlich, warum die Erwartungshaltung in Deutschland überzogen war. Außerdem spricht der Deutsche über seinen speziellsten Olympia-Moment und blickt auf die restliche NHL-Saison.
Die Edmonton Oilers um Leon Draisaitl gewinnen haushoch gegen den Los Angeles Kings. Der Deutsche verbucht dabei 4 Scorerpunkte.
Leon Draisaitl erklärt im SPORT1-Interview die Gründe für das Olympia-Aus und macht deutlich, warum die Erwartungshaltung in Deutschland überzogen war. Außerdem spricht der Deutsche über seinen speziellsten Olympia-Moment und blickt auf die restliche NHL-Saison.

Leon Draisaitl steht nach dem enttäuschenden Aus mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei den Olympischen Winterspielen bereits wieder mitten im Liga-Alltag in der NHL. Das Olympia-Aus muss jedoch erst noch verdaut werden.

Im exklusiven Interview mit SPORT1 erläutert der deutsche Kapitän mit einigen Tagen Abstand die Gründe für das Viertelfinal-Aus gegen die Slowakei. Außerdem macht der Superstar der Edmonton Oilers deutlich, dass die Erwartungen aus Deutschland seiner Meinung nach unverhältnismäßig hoch waren und spricht über den für ihn speziellsten Moment seiner Zeit in Italien.

Inzwischen ist der Fokus jedoch wieder auf die NHL gerückt. Nach vier Niederlagen in Serie gelang gegen die L.A. Kings ein Befreiungsschlag, bei dem sich der Deutsche mit vier Scorerpunkten regelrecht Frust von der Seele ballerte. Doch Draisaitl und Co. erwartet auch aufgrund der Olympia-Abstellung eine herausfordernde und eng getaktete Endphase der Saison.

Olympia? „Haben zu lange gebraucht“

SPORT1: Die Edmonton Oilers gewinnen 8:1 bei den Los Angeles Kings. Viele in Deutschland werden das Spiel nicht gesehen haben und sich fragen, was da passiert ist. Was ist Ihre Antwort?

Leon Draisaitl: Ich glaube, dass wir heute über vier Reihen konstant einfach gut gespielt haben, das so gespielt haben, wie man das gegen L.A. spielen muss. Und manchmal erwischt man Mannschaften nicht an ihrem besten Tag und das war wahrscheinlich heute nicht L.A.‘s bester Tag, aber die Spiele muss man auch gewinnen.

SPORT1: Ein Tor, drei Vorlagen. Sind Sie zufrieden mit der Ausbeute?

Draisaitl: Ja, war okay (lacht).

SPORT1: Sie hatten ein paar Tage Zeit, um das Olympia-Aus zu analysieren. Wie fällt Ihr Fazit mit ein bisschen Abstand aus?

Draisaitl: Ich glaube, dass wir zu lange gebraucht haben, um so wirklich zu finden, was wir sind als Mannschaft und wie wir spielen wollen. Ich glaube, auf dem Niveau ist das zu schwer, wenn nicht alle auf der gleichen Seite sind und alle wissen, wie wir spielen wollen. Es ist sehr, sehr schwer, Spiele zu gewinnen und ich glaube, dass wir dann leider nicht an das Beste herangekommen sind.

Kritik? „Das geht auf unsere Kappe“

SPORT1: Wer muss sich da Kritik gefallen lassen?

Draisaitl: Alle. Das geht über Spieler... Trainer hätten mit Sicherheit auch mehr machen können, aber im Endeffekt sind wir Spieler die, die draußen sind und wir müssen als Mannschaft das aufs Eis bringen, was unsere beste Leistung ist. Und das haben wir als Spieler einfach nicht geschafft und das geht auf unsere Kappe.

SPORT1: Dennoch waren das die ersten Olympischen Spiele für Sie. Können Sie denn das Sportliche vom persönlichen Erlebnis trennen?

Draisaitl: Ja, absolut. Es war eine super Erfahrung, etwas ganz, ganz Besonderes. Ich freue mich total, mal sagen zu können, dass ich bei Olympia dabei war und das miterleben durfte. Hoffentlich klappt es dann in vier Jahren nochmal und wird vielleicht ein bisschen erfolgreicher für uns.

SPORT1: Welcher Moment bleibt in Erinnerung?

Draisaitl: Die Zeit mit den Jungs zu verbringen. Ich habe viele Freunde dabei gehabt, mit denen ich, seitdem wir Kinder sind, zusammen spiele. Und dann natürlich der erste Abend: Die Eröffnungsfeier, das war was ganz, ganz Besonderes.

SPORT1: Mit den anderen NHL-Profis Moritz Seider, Tim Stützle und Co. haben Sie jetzt zum ersten Mal in einer Mannschaft gespielt. Hat sich Ihre Wahrnehmung der Kollegen dadurch verändert?

Draisaitl: Nein, das alles sind wirklich ganz feine Eishockey-Spieler. Super Typen, super Jungs, es hat total Spaß gemacht, mit denen zusammen für Deutschland aufzulaufen. Ich bin überhaupt nicht überrascht, was das für gute Eishockey-Spieler sind.

„Es wurden Sachen rausgehauen, die nicht ganz verständlich sind“

SPORT1: Diese Vielzahl an NHL-Spielern bei Olympia hat für diese hohe Erwartungshaltung in Deutschland gesorgt. Weil es das beste deutsche Team aller Zeiten war. Glauben Sie, dass die Erwartungshaltung zu groß war?

Draisaitl: Ja, absolut. Da wurden ja Sachen teilweise rausgehauen, die nicht so ganz verständlich sind. Wir haben in der Konstellation noch nie zusammengespielt und wir hatten sechs NHL-Spieler dabei. Es ist jetzt nicht so, dass wir eine Mannschaft voll von Superstars hatten. Das kam manchmal so ein bisschen so rüber. Ich glaube, dass da vielleicht ein bisschen zu viel erwartet wurde, aber die Erwartungen von uns selbst waren auch sehr hoch, weil wir eine sehr, sehr gute Mannschaft mit sehr, sehr viel Potenzial waren. Das haben wir aber leider nicht so abrufen können.

SPORT1: Dass NHL-Spieler alle Kapitänsämter übertragen bekommen haben und dieses alte Mannschaftsgefüge dadurch aufgebrochen wurde, war das schlau im Nachhinein?

Draisaitl: Das kann ich nicht beantworten.

SPORT1: Von wem kam diese Idee, dass man das so machen muss? Man kann ja davon ausgehen, dass alle NHL-Spieler natürliche Autorität haben und man das gar nicht unbedingt braucht.

Draisaitl: Keine Ahnung. Da fragen Sie den Falschen.

SPORT1: Der internationale Kalender ist so, wie er ist. Dadurch wird es schwierig für die NHL-Spieler, in dieser Konstellation nochmal ein Turnier zu spielen. Wünschen Sie sich da eine Veränderung?

Draisaitl: Ja, hoffentlich gibt es in zwei Jahren nochmal einen World Cup oder in vier Jahren dann wieder eine Olympiade, wo wir das nochmal so zusammenstellen können und nochmal so zeigen können. Das würde mich auf jeden Fall sehr freuen.

Draisaitl: „Jeder Punkt zählt“

SPORT1: Wie groß ist die Herausforderung, dass der NHL-Spielplan jetzt so knackig ist wegen dieser Pause?

Draisaitl: Es war schon die ganze Saison so. Es ist nichts wirklich Neues. Dieses Jahr ist einfach alles ein bisschen enger zusammen. Es ist aber für jeden das Gleiche.

SPORT1: Für Edmonton war dieses 8:1 der erste Sieg nach vier Niederlagen. Wie wichtig war das?

Draisaitl: Ja, sehr. Es ist eine sehr, sehr enge Division bei uns. Wir brauchen Punkte und jeder Punkt zählt. Wir müssen jetzt anfangen, Spiele zu gewinnen und so viele wie möglich davon.