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Olympia 2026: Viel mehr als ein geplatzter Traum für Vonn | Kommentar

Viel mehr als ein geplatzter Traum

Lindsey Vonn stürzt schwer, es dürfte das tragische Ende ihrer schillernden Karriere sein. War ihr Start fahrlässig? Hat sie sich überschätzt? Ein Kommentar.
Trotz Kreuzbandriss ging die US-Amerikanerin Lindsey Vonn am Sonntag bei der Abfahrt an den Start. Doch nach wenigen Sekunden dann der Riesen-Schock.
Lindsey Vonn stürzt schwer, es dürfte das tragische Ende ihrer schillernden Karriere sein. War ihr Start fahrlässig? Hat sie sich überschätzt? Ein Kommentar.

Es war eine gespenstische Stimmung unten im Ziel der berüchtigten Tofana. Die Zuschauer hielten den Atem an, die Konkurrentinnen schlugen die Hände vor das Gesicht. Oben war Lindsey Vonn gerade schwer gestürzt. Die Bilder waren schrecklich. Mit dem Gesicht voran schlug sie auf der Piste auf, überschlug sich, blieb mit verdrehten Beinen liegen und schrie vor Schmerzen.

Nach 14 Sekunden war Vonns Traum von einem letzten Husarenritt bei ihren fünften Olympischen Spielen geplatzt. Doch viel mehr als das: Um 12 Uhr mittags an diesem 8. Februar dürfte eine der schillerndsten Ski-Karrieren auf tragische Weise endgültig ihr Ende genommen haben. An jenem Ort, an dem vor 22 Jahren mit dem ersten Podestplatz im Weltcup alles begonnen hatte.

Schnell kommt Kritik auf

Kritische Stimmen wurden schnell laut. Bei ihrem Start habe Vonn zu viel riskiert, meinte unter anderem ihre frühere Rivalin Tina Maze.

Das kann man so sehen. Schon Vonns Comeback nach sechsjähriger Auszeit mit einer Teilprothese aus Titan und Kunststoff für das rechte Knie hatte für gemischte Gefühle gesorgt. Doch die heute 41-Jährige hatte es noch einmal allen gezeigt.

Als sie Ende Januar in Crans Montana stürzte und sich im linken Knie das Kreuzband riss, hielt die Olympiasiegerin von 2010 und zweimalige Weltmeisterin trotzdem verbissen an ihrem Olympia-Plan fest.

Eine fahrlässige Entscheidung? Ja, es mag sein, dass Vonn zu viel wollte – auch an diesem Sonntag in Cortina, an dem sie das Tor viel zu eng anfuhr. Ja, es mag sein, dass sie den Sprung wegen ihres verletzten Knies nicht richtig abfedern konnte.

Jetzt zählt nur noch Vonns Gesundheit

Und natürlich hat die Entscheidung letztlich dramatische Folgen, nach einer Fraktur im linken Bein musste sie einmal mehr unters Messer.

Doch alle Besserwisser sollten still sein! Es gab schon andere Skiläuferinnen, die nach einem Kreuzbandriss noch zu Großtaten fähig waren – wenn auch nicht so schnell nach einer solchen Verletzung. Trotzdem gilt: Vonn konnte ihren Körper bei allem Ehrgeiz immer sehr gewissenhaft einschätzen, ebenso wie ihr professionelles Umfeld die Risiken.

Deshalb gilt: Ein Nachtreten ist fehl am Platz. Ohnehin zählt jetzt ausschließlich Vonns Gesundheit.