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"Vielleicht war heute der Tag, an dem ich es akzeptiert habe"

Shiffrin wird sehr emotional

Mikaela Shiffrin beendet eindrucksvoll ihre Durststrecke bei den Olympischen Spielen. Im Slalom fährt die Ski-Königin überlegen zu Gold.
Lena Dürr geht mit Medaillenchancen in den finalen Lauf im Slalom. Sie fädelt jedoch am ersten Tor ein und zerstört damit ihre Medaillenträume.
Mikaela Shiffrin beendet eindrucksvoll ihre Durststrecke bei den Olympischen Spielen. Im Slalom fährt die Ski-Königin überlegen zu Gold.

Der Druck war immens, doch Ski-Königin Mikaela Shiffrin hat ihre Medaillenflaute bei den Olympischen Spielen in eindrucksvoller Manier beendet. Die US-Amerikanerin fuhr im Slalom in Cortina d’Ampezzo mit einem Vorsprung von 1,50 Sekunden zu Gold.

Auf der Pressekonferenz wurde Shiffrin emotional und erinnerte an ihren Vater, der 2020 verstorben ist. „Von diesem Moment habe ich geträumt, aber ich hatte auch Angst“, begann die 30-Jährige ihr emotionales Statement.

Olympia: Shiffrin trauert um ihren Vater

Sie führte weiter aus: „Immer wenn du jemanden in deinem Leben verlierst, den du liebst, ist es wie eine neue Erfahrung, als würde man neu geboren werden.“

Shiffrin sagte, dass sie es sich gar nicht vorstellen konnte, ohne ihren Vater zu leben und meinte, dass sich der Gewinn der Goldmedaille wie ein Neuanfang anfühle: „Vielleicht war heute der Tag, an dem ich es akzeptiert habe.“ Die US-Amerikanerin ergänzte, dass der Triumph für sie ein Moment des Schweigens sowie des Gedenkens an ihren Vater sei.

„Ich habe alles hinterfragt“

Auf Instagram veröffentlichte Shiffrin ebenfalls einen emotionalen Post, in dem sie unter anderem schrieb: „Ich habe es geschafft, trotz meiner Angst, trotz des Adrenalins und trotz der möglichen Kritik und Gegenreaktionen von Menschen, die nichts wissen und nicht einmal versuchen, zu verstehen.“

Sie berichtete, dass sie am Starttor stand, auf den Berg und die vor ihr liegende Strecke schaute und ihr Herz fast bis zum Hals schlug. „Ich habe alles, was ich im Leben gelernt habe, diese Woche mehrfach infrage gestellt“, gestand die 30-Jährige. Dennoch sei sie an den Start gegangen und habe letztlich gewonnen.

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Emotionen übermannen Shiffrin

Kurz nach dem Triumph erklärte Shiffrin bei Eurosport: „Es ist ziemlich verrückt.“ Im Ziel hatte sie zunächst einen ungläubigen Gesichtsausdruck, bevor sie ihrer Mutter Eileen in die Arme fiel: „In dem Moment, in dem man die Ziellinie überquert, gibt es Emotionen, aber irgendwie ist es schwer zu verarbeiten. Ich bin immer ein bisschen langsam.“

Für die beste Slalomfahrerin der Geschichte mit 71 Weltcupsiegen ist es zwölf Jahre nach ihrem ersten Olympia-Gold (Slalom) und acht nach dem Triumph im Riesenslalom der dritte Olympiasieg. Hinzu kommt eine Silbermedaille vor acht Jahren in der Kombination.

Olympia: Shiffrin beendet ihre Durststrecke

2022 in China war Shiffrin überraschend leer ausgegangen. „Vielleicht habe ich erst heute realisiert, was in Sotschi passiert ist“, meinte die Skirennläuferin.

Auch bei den laufenden Spielen war Shiffrin eine Medaille bislang verwehrt geblieben. Zunächst erlebte sie in der Team-Kombination ein Desaster: Als Führende startend, fuhr Shiffrin nur die 15. Laufzeit und so landeten die haushohen Favoritinnen aus den USA nur auf Platz vier. Im Riesenslalom lief es ebenfalls nicht rund, dort reichte es nur zu Platz elf.

Es drängte sich der Verdacht auf, dass Shiffrin der mentalen Belastung bei Olympia nicht standhalten kann, da ihre Ausbeute im Vergleich zum Weltcup überschaubar ist.

Doch im Slalom unterstrich die 30-Jährige ihren Status als Dominatorin: Schon nach Lauf eins hatte Shiffrin komfortable 0,82 Sekunden Vorsprung auf die Konkurrenz. Im Finale ließ sie nichts mehr anbrennen, fuhr kontrolliert, aber mit gewohnt aggressiver Linienwahl und setzte im Zielraum die klare Bestzeit.

Shiffrin: „Habe alles, was ich brauche, in mir“

„Das ist etwas sehr Wichtiges, woran ich auch mit meinem Team gearbeitet habe, mit meinem Psychologen, der hier ist. Es ist so, als hätte man alles, was man braucht, in sich. Das kann ich beim Riesenslalom noch nicht sagen“, erklärte Shiffrin und meinte weiter: „Aber heute konnte ich am Start sagen, dass ich alles, was ich brauche, in mir habe.“

Silber ging an Weltmeisterin Camille Rast aus der Schweiz. Bronze holte bei perfekten Bedingungen die Schwedin Anna Swenn Larsson (+1,71). Emma Aicher, in Cortina d’Ampezzo schon mit zweimal Silber (Abfahrt und Team-Kombination) dekoriert, wurde Neunte (2,49).

Lena Dürr scheiterte als Zweitplatzierte nach dem ersten Lauf auf bittere Art und Weise, als sie im Finaldurchgang am ersten Tor einfädelte.

Für Shiffrin, mit 108 Rennsiegen im Weltcup Rekordhalterin, ist der Olympia-Sieg ein weiteres Highlight ihrer ruhmreichen Karriere. Obwohl sie keine Speedrennen mehr fährt, ist sie auf dem besten Weg, in diesem Jahr ihre sechste große Kristallkugel zu gewinnen.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)