Der König von Bormio saß entspannt auf dem roten Thron des Führenden und lächelte. Zwei goldene Medaillen hatte Franjo von Allmen ja schon eingesammelt auf der Stelvio, entsprechend frei von allen Zwängen war er im Super-G zu Tal gerast. Und keiner, der ihn noch hätte entthronen können, kam dem 24-Jährigen nahe: Nicht der Italiener Giovanni Franzoni, der in der Abfahrt Silber gewonnen hatte, kein Österreicher - und auch nicht Weltmeister Marco Odermatt.
Ski Alpin: Das gab es bei Olympia seit 58 Jahren nicht!
Das gab es seit 58 Jahren nicht
„Es fühlt sich an wie im Traum, drei Mal, absoluter Wahnsinn“, bekannte von Allem in der ARD und betonte, es wären ja nur zwei statt nun drei Goldmedaillen geworden, wenn ihn in der Team-Kombination nicht der „Slalom-Typ“ gerettet hätte. Der Schweizer Blick jubelte sogleich über den „dritten Streich“ des „Gold-Giganten“.
Olympia: Von Allmen tut es zwei Ikonen gleich
Mit seiner historischen Fahrt stieg von Allmen, der zuvor die Abfahrt und mit Tanguy Nef die Team-Kombi gewonnen hatte, in den Olymp der größten Skirennläufer auf. Dreimal alpines Gold bei ein- und denselben Winterspielen, das hatten zuvor nur zwei Legenden gewonnen: Der bereits 2009 verstorbene Österreicher Toni Sailer 1956 in Cortina d’Ampezzo und Frankreichs Jean-Claude Killy 1968 in Grenoble. Beide triumphierten zu einer Zeit, als lediglich in drei Disziplinen Olympia-Medaillen vergeben wurden: Abfahrt, Riesenslalom und Slalom.
Des einen Freud, des anderen Leid: „Ich wollte schon Gold holen, ist ja klar“, sagte der zum dritten Mal etwas enttäuschte Odermatt, dem nach Rang vier in der Abfahrt und Silber in der Team-Kombi diesmal Bronze (+0,28 Sekunden) blieb. Neben die beiden Schweizer drängelte sich mit einer sehr geschmeidigen Fahrt noch Ryan Cochran-Siegle aus den USA (+0,13) aufs Siegerfoto, Zweiter bereits vor vier Jahren in Peking. Simon Jocher wurde 17., Olympia-Debütant Anton Grammel kam auf Rang 29.
Odermatt erneut geschlagen - und geknickt
Während Cochran-Siegle und von Allmen das Glück geradezu aus dem Gesicht sprang, wirkte der faire Verlierer Odermatt geknickt. Der Dominator des Weltcups, in der Team-Kombi nur Zweiter, weil dort Weltmeister Loic Meillard der Slalom missriet, hat noch eine Chance auf sein zweites Gold bei Olympia: Im Riesenslalom am Samstag kann er seinen Triumph von Peking wiederholen.
Von Allmen dagegen vergaß auch diesmal nicht, all jenen zu danken, die seinen „absoluten Wahnsinn“ erst möglich gemacht hatten nach harten Zeiten. Als er 17 Jahre alt war, verstarb unerwartet sein Vater - das Geld, das nun für den Skirennsport fehlte, ergatterte er durch eine Crowdfunding-Kampagne. Dazwischen absolvierte er eine Ausbildung zum Zimmermann. Diese Medaillen, sagte er, „sind auch für alle die Leute, die hinter mir stehen“, sie seien „ein Dank für die ganze Arbeit und das ganze Umfeld, das ist wunderschön“. Und historisch.