US-Superstar Oksana Masters hat ihre paralympische Erfolgsgeschichte weitergeschrieben. Die 36 Jahre alte Para-Biathletin gewann bei den Paralympischen Winterspielen 2026 in Mailand und Cortina d‘Ampezzo ihre 20. paralympische Medaille im Biathlon-Sprint.
Die bewegende Lebensgeschichte einer Ausnahmeathletin
Top-Athletin mit bewegender Geschichte
Die gebürtige Ukrainerin kam mit schweren Fehlbildungen zur Welt, die möglicherweise mit der radioaktiven Strahlung infolge der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zusammenhängen. Trotz dieser schweren Voraussetzungen entwickelte sich Masters zu einer sportlichen Ausnahmeathletin. Bereits an acht Paralympischen Spielen nahm sie teil und überzeugte dabei als echte Allrounderin.
Denn nicht nur bei den Winterspielen im Skilanglauf und Biathlon feierte sie große Erfolge – auch bei den Sommer-Paralympics gewann sie zunächst im Rudersport und dann im Radsport insgesamt fünf Medaillen, darunter viermal Gold.
Vom Waisenhaus zum paralympischen Superstar
Die ersten sieben Jahre ihres Lebens verbrachte Masters in einem ukrainischen Waisenhaus, bevor sie von der US-amerikanischen Sprachtherapeutin Gay Masters adoptiert wurde. Der Umzug in die USA bedeutete für sie eine neue Chance und deutlich bessere Lebensbedingungen. Dennoch musste sie sich im Alter von jeweils neun und 14 Jahren Amputationen beider Beine oberhalb der Knie unterziehen.
Mit 13 Jahren entdeckte sie den Rudersport und begann vier Jahre später mit ersten Wettkämpfen. „Mir hat der Sport geholfen, mich zu retten, und er hat mich darin bestärkt, mich selbst zu lieben. Zu lieben, was ich im Spiegel sehe“, erzählte Masters bei den Paralympics 2024 in Paris.
Im Rudern nahm sie allerdings „nur“ einmal an Paralympischen Spielen teil, da sie die Sportart aufgrund von Rückenproblemen aufgeben musste. Anschließend konzentrierte sie sich auf den Wintersport mit Skilanglauf und Biathlon, während sie im Sommer im Para-Radsport startete.
Masters unterstrich damit einmal mehr, welch außergewöhnliche Kämpferin und sportliches Ausnahmetalent sie ist. Schon bei ihren ersten Paralympischen Winterspielen gewann Masters im Ski-Langlauf Silber und Bronze.
Masters als Fahnenträgerin
Ihre ersten Biathlon-Medaillen folgten vier Jahre später bei den Paralympischen Winterspielen 2018 im südkoreanischen Pyeongchang. Dort gewann sie insgesamt vier Medaillen, darunter zwei Goldene und wurde damit zur erfolgreichsten Athletin des US-Teams. Als Anerkennung durfte sie ihr Team zudem als Fahnenträgerin bei der Schlusszeremonie anführen.
Doch die Kämpferin hatte noch lange nicht genug, wartete nicht wie üblich vier Jahre auf die nächsten Paralympischen Spiele, sondern qualifizierte sich in der Radsportdisziplin für die Sommerspiele in Tokio 2020 und gewann zweimal Gold.
Bei den folgenden Winter-Paralympics in Peking triumphierte sie schließlich auch im Biathlon und gewann über sechs Kilometer ihr erstes paralympisches Gold in dieser Disziplin. Den Sieg widmete sie unter anderem den Menschen in ihrer Heimat Ukraine, die unter dem russischen Angriffskrieg leiden.
„Ich kann das kaum in Worte fassen“
Wie stark sie sich ihrem Herkunftsland weiterhin verbunden fühlt, zeigte sich bereits 2015. Damals reiste Masters mit 26 Jahren erstmals seit ihrer Kindheit zurück in die Ukraine und besuchte mehrere Waisenhäuser. Vor Ort sprach sie offen über ihre eigene Geschichte und ihre Erfahrungen mit Behinderung.
„Ich kann das kaum in Worte fassen. So lange habe ich darauf gewartet - und jetzt meine Geschichte teilen und vielleicht helfen zu können, ist etwas ganz Besonderes“, erklärte sie damals.
Auch bei den Paralympischen Winterspielen 2026 ist die Erfolgsgeschichte noch nicht beendet.
Am vorletzten Wettkampftag kämpft Masters erneut um Edelmetall: Am Freitag geht sie im Biathlon-Sprint an den Start.