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Heftiger Bad Beat

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Heftiger Bad Beat

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Heftiger Bad Beat!

Heftiger Bad Beat!

Erst hat man kein Glück, dann kam noch Pech dazu. Geschichten über unglücklich verlaufene Pokerhände gehören zum Alltag am Pokertisch. Ex-Profi Martin Pott über Bad Beats.
Poker-Alltag: Bad Beats
Poker-Alltag: Bad Beats
© PokerGO

Bad Beats gehören zum Poker wie das Salz zur Suppe. Ohne Bad Beats wäre Poker längst nicht so populär. Die stärkere Hand am Flop, Turn oder vor dem River gewinnt nun mal nicht zu 100%, sondern eben nur zu 90% oder manchmal auch weniger. Und jeder Pokerspieler, der schon lange genug dabei ist, hat in seiner Laufbahn nicht nur etliche Bad Beats kassiert, sondern auch ausgeteilt.

Glücksfaktor hilft schwächeren Spielern

Gute Pokerspieler sollten übrigens wesentlich mehr dieser Bad Beats kassiert haben als ausgeteilt, denn sie kriegen die Chips der Gegner vor/nach dem Flop, am Turn oder River eben rein, wenn sie mit ihrer Hand vorn liegen und nicht hinten. Aber dann passiert es häufig! Der Gegner trifft seine Wunderkarte - das ist eben der beim Poker involvierte Glücksfaktor - und obwohl man eigentlich alles richtig gemacht hat, gehen die Chips an den Kontrahenten. Der Stachel sitzt meist sehr tief. Es fügt Leid zu. Und wie sagt man so schön: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Also erzählt man sein Leid. Jedem, der einem gerade über wen Weg läuft. Egal, ob derjenige es hören will oder nicht. Meist gehen die Geschichten so oder zumindest so ähnlich. „Ich habe TOP Set gefloppt und der Big Blind callt meine Einsätze am Flop & Turn. Und dann trifft der Clown am River seine Traumkarte zum Bauchschuss für die Straße und nimmt mich aus dem Turnier“. Dass der Gegner neben der Option zur Straße auch noch einen Flush-Draw hatte oder auch andere kleine Details werden bei diesen Bad Beat Stories gern auch mal geschickt verschwiegen. Das macht die Story dramatischer und der Zuhörer entwickelt noch mehr Mitleid.

Mitgefühl? Nicht mehr...

Vielleicht bin ich schon zu lange dabei. Aber ich kann irgendwie kein richtiges Mitgefühl mehr aufbringen, wenn mir mein Gegenüber erzählt, dass er am River einen 3-Outer kassiert hat. Vielleicht habe ich in all den Jahren diese Geschichten einfach zu oft gehört, sie aber auch selbst durchlaufen. Dabei Dutzende von 1-Outern ausgeteilt und Hunderte von 1-Outern kassiert. Es gibt glaube ich keine Konstellation, die ich nicht entweder selbst durchlaufen oder zumindest gesehen oder kommentiert habe. Und doch… als ich 2015 beim Main-Event der World Series of Poker in einer recht unglücklichen Situation kurz vor Ende von Tag 2 - recht knapp vor dem Erreichen des Preisgeldes - ausgeschieden bin, da habe ich den Ablauf der Hand auch jedem erzählt, der mir gerade über den Weg lief. Egal, ob dieser die Story hören wollte oder nicht. Geteiltes Leid ist nun mal halbes Leid! Ich könnte die Geschichte auch hier erzählen, denn ich weiß noch jedes Detail. Aber ich erspare es euch ☺

Der Ultra-Bad Beat

Eine meiner absoluten Lieblings Bad-Beat-Storys möchte ich euch allerdings nicht vorenthalten. Ich habe sie von einem Las Vegas Buddy, der mit am Tisch saß, als sich Folgendes ereignet hat. Schauplatz:  Las Vegas - wo sonst ☺ Game: 5/10 NL Holdem Cashgame im Bellagio Casino

Pocket Zehner Spieler 1 raised aus UTG Position auf 40 $. Er hat knapp 500$ vor sich stehen. Mein Kumpel sitzt direkt neben dem UTG-Raiser und passt seine Hand. Spieler 2 in mittlerer Position reraised nun auf 110 $. Er hat ca. 1.100 $ vor sich liegen. Spieler 3 dahinter geht nun nochmalig drüber mit einem Re-Re-Raise auf 250$...er hat einen Stack von 600$. Der Rest am Tisch hält sich raus. Die Aktion kommt zurück zum ersten Raiser aus UTG (Under The Gun). Der überlegt kurz, legt dann aber Pocket-Zehner - er zeigt sie meinem Kumpel, ohne dass es die anderen sehen - schweren Herzens ab. Spieler 2 überlegt kurz und geht anschließend All-IN für seine 1.100$. Spieler 3 called innerhalb einer Millisekunde und deckt parallel ein Paar Asse auf. Stößt dabei ein lautes „YES“ raus. Nun ist es so, dass im Cashgame nicht alle Personen, die All-in sind, ihre Karten zeigen müssen. Spieler 2 hält seine Karten zunächst verdeckt an sich. Offenkundig benötigt er Hilfe gegen die Asse seines Gegners.

Der Flop wird aufgedeckt. 832 rainbow. Die Miene von Spieler 2 bleibt weiter pessimistisch.  Die Asse seines Gegners bleiben vorn. Turnkarte ist eine offsuit 4. Weiterhin keine Regung bei Spieler 2. Als der Dealer die Riverkarte aufdeckt (einen Buben) und den Rest des Decks zu den gemuckten Karten legt, fällt gleich mehreren am Tisch sitzenden Spielern auf, dass der Croupier vor dem River keine Karte „gebrannt“ hatte. Also nimmt der Croupier alle auf dem Tisch befindlichen Karten wieder auf, mischt sie nochmals durch, hebt ab und deckt eine neue Riverkarte auf. Vielleicht kann sich der eine oder andere bereits denken, was dann passiert ist? Der River ist eine Zehn! Im gleichen Moment knallt Spieler 2 seine Pocket Zehner auf den Tisch und schreit: „Ship it, Baby - I never lose with Pocket Tens!“

Wie in etwa würdet ihr die Wahrscheinlichkeit einschätzen, dass Spieler 2 diese Hand vor dem Aufdecken des Rivers noch gewinnt? Die wirklich einzig theoretische Option zum Sieg für Spieler 2 war, dass der Dealer ein Fehler machen musste, so dass die gepassten Karten der anderen Mitspieler (die zum Sieg benötigten 10er waren ja bereits aus dem Spiel) wieder zurück ins Deck kommen würden. Und dann müsste der Croupier auch noch einer der beiden Zehner „finden“. Da besagter Kartendealer eher einer der besseren Croupiers im Casino war und dies ihm pro Jahr vielleicht 1 einziges Mal passiert, würde ich die Chancen auf den obigen Ausgang bei ca. 500.000:1 einschätzen. Denkt an diese Geschichte, wenn ihr das nächste Mal mit AK gegen AJ verliert und der Dealer am Turn oder River einen Buben umdreht. Es gibt immer noch jemanden, der wesentlich mehr Pech hat.

Good game, wir sehen uns an den Tischen. Martin Pott ist ehemaliger Poker-Profi, der etliche Jahre in Las Vegas gelebt & dort professionell gepokert hat. Erfahrene Spieler kennen die Stimme von Martin Pott zudem aus vielen Pokersendungen im TV, wo er seit Jahren von großen Turnieren aus der ganzen Welt berichtet. Weitere Infos zu unserem Autor findest du auch auf www.plus-ev.eu

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