Anzeige
Home>Poker>

Kurioses aus der WSOP Geschichte

Poker>

Kurioses aus der WSOP Geschichte

Anzeige
Anzeige

Kurioses aus der WSOP-Geschichte

Kurioses aus der WSOP-Geschichte

Wenn sich einmal pro Jahr etliche Tausend Pokerspieler zur Weltmeisterschaft in Las Vegas treffen, dann gibt es zwangsläufig auch etliche kuriose Vorfälle. Ob lustig, peinlich oder dramatisch. Ex-Profi Martin Pott präsentiert uns seine Lieblingsgeschichten der letzten Jahre.
WSOP Paris Event Center
WSOP Paris Event Center
© PokerGO

Den 1-Outer bringen, wenn es zählt

Jeder, der bereits lange genug pokert, hat ihn irgendwann bereits über sich ergehen lassen müssen. Vermutlich aber auch schon selbst einmal ausgeteilt: Den berühmt berüchtigten 1-Outer. Am River tut er besonders weh. Wenn dies irgendwo in einer kleinen Home-Game-Runde passiert, dann kann man es irgendwie noch verdauen. Wenn es aber am Final Table einer Poker-WM passiert, dann schmerzt es richtig. Ob Anthony Ruberto das beim Event #26 im Jahre 2011 Erlebte heute immer noch Albträume beschert, kann ich nicht beantworten. Am Finaltisch dieses Events jedenfalls war er Chipleader, als er gegen den Zweitplatzierten in Chips, Oleksil Kovalchuk aus der Ukraine, in eine Hand verwickelt wurde. Beim Flop von AJ4 gingen beide All-IN und es entstand der zu diesem Zeitpunkt mit Abstand größte Pott des Turniers. Fast 80% aller im Turnier befindlichen Chips lagen in der Mitte. Ruberto hielt Pocket Jacks, Kovalchuk Pocket Vieren. Set over Set. Turnkarte eine nichts verändernde Zehn, Riverkarte dann die Herz 4 - Vierling für den Ukrainer. Beide Spieler konnten ihr Schicksal kaum fassen und starrten noch Minuten später ungläubig und kopfschüttelnd ins Leere. Während Ruberto sich von diesem Rückschlag nicht mehr erholte und kurz danach auf Platz sechs ausschied, nutzte Kovalchuk das Momentum und stand nur ein paar Runden später als Sieger des Events #26 fest. Und war nicht nur stolzer Träger eines Bracelets, sondern auch um knapp $700.000 reicher. Ruberto erhielt für seinen sechsten Platz $84.549. Dieses Geld dürfte jedoch für die nachhaltige psychologische Betreuung relativ schnell ausgegeben worden sein.

World Series of Poker
WSOP

Matt Perrins & Youtube

Matt Perrins ist ein junger und recht erfolgreicher Turnierspieler aus England. Seine absolute Spezialdisziplin ist No-Limit Holdem. Andere Pokerformate spielt er eigentlich auch gar nicht. Eigentlich. Vor einigen Jahren stand Event#9, das 2-7 Draw Lowball No-Limit Event, auf dem Programm. Perrins hatte diese Variante noch nie zuvor in seinem Leben gespielt. Höhere Mächte müssen ihm aber wohl zugeflüstert haben, sich für dieses Turnier anzumelden. Auf Youtube schaute er sich kurz vor Turnierbeginn eine halbe Stunde lang ein Lehrvideo an und von Freunden ließ er sich zudem noch den einen oder anderen Tipp geben, bevor er dann seine allererste Hand in dieser Disziplin spielte. Später befragt, gab er sogar zu, dass er in den ersten Stunden überhaupt nicht wusste, was er da überhaupt am Tisch tat und seinen Gegnern mehr oder weniger komplett ausgeliefert gewesen sei. Perrins besitzt jedoch eine recht schnelle Auffassungsgabe und ihr könnt euch denken, wie die Geschichte ausgegangen ist. Zwei Tage später gewann der junge Brite das Turnier und somit nicht nur sein erstes Bracelet, sondern er war auch um $102.000 reicher!

Das teuerste Kaugummi der Welt

Diverse Geschichten erlebt man einfach nur in der Pokerszene! Tag 3 des $50.000 Championship-Events. So langsam geht es ans Eingemachte. Immerhin befinden sich über 6 Millionen Dollar im Preispool, allein für den Sieger gab es 1,7 Million Dollar. Ob der US-Amerikaner David Oppenheim gegen Ende des dritten Tages insgeheim gar nicht damit gerechnet hatte soweit zu kommen, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber gegen Abend gingen ihm jedenfalls seine Lieblings-Kaugummis aus. Und ohne diese Kaugummis kann er nicht spielen. Er wendete sich an die zahlreich um den Tisch versammelten Zuschauer und fragte, ob jemand bereit sei, für $40 Belohnung sein favorisiertes Kaugummi (Wert 50 Cent) von einer Tankstelle zu besorgen. Ein Zuschauer bot sich sofort an. Da es die spezielle Sorte jedoch nur an bestimmten Tankstellen gibt und der Zuschauer erklärte, dass er kein Auto habe, gab Oppenheim ihm noch weitere $20 für das Taxi. Eine halbe Stunde später erfolgte die Übergabe der Packung und Oppenheim konnte endlich wieder sein A-Game spielen. Das Ende des Tages erreichte er zwar, für das Preisgeld reichte es im weiteren Verlauf des Turniers letztendlich dann doch nicht.

91-Jährige Ellen Deeb stinksauer

Die 91-Jährige US-Amerikanerin Ellen Deeb war die älteste Teilnehmerin beim WSOP Main-Event 2011. Sie startete am Tag 1c. Kurz vor Ende des zweiten Breaks lief sie mit Q6 suited und zwei geflopten Paaren bei einem Flop von Q86 in das Set 8er ihres Kontrahenten. Dieser machte dann eine massive Overbet und die Großmutter von Pokerchampion Shaun Deeb stand vor einer sehr wichtigen Entscheidung. Ihr Turnierleben stand auf dem Spiel. Sie machte den mutigen Call, aber die Hand ihres Gegners hielt und Ellen Deeb war ausgeschieden. Die 91-Jährige griff in ihre Handtasche, holte Einhundert 100-Dollar-Scheine heraus und wendete dich an den Dealer mit den Worten: „ReBuy please!“ Daraufhin machte man ihr klar, dass es sich um Freezeout-Event handele und hierbei generell keine ReBuys möglich seien. Die Grand Madame zog enttäuscht, aber auch reichlich angesäuert von dannen. Ob es im Hause Deeb anschließend Ärger gab, da Enkelsohn Shaun seiner Omi im Vorfeld offenkundig nicht mitgeteilt hat, dass sie kein Re-Buy machen darf, entzieht sich meiner Kenntnis.

Georgii Belianin mit völligem Black-Out

Main-Event der WSOP 2019. Der Russe Georgii Belianin gewinnt einen kleinen Pott und der Dealer schiebt ihm die gewonnenen Chips zu. Was nach der Hand in Belianins Kopf vorging, wird nur er selbst beantworten können. Ob ihm der gewonnene Pott nicht groß genug oder was auch immer. Auf jeden Fall vergriff er sich am Stack seines (nicht anwesenden) Sitznachbarn, stibitzte all dessen Chips und stellte diese zu seinem Stack. Und tat so, als wenn es keiner mitbekommen hat. Der Chip-Diebstahl wurde jedoch beobachtet. Einige Zeugen informierten den Dealer, dieser dann die Turnierleitung. Und es kam, was kommen musste. Belianin - laut Aussagen von Beobachtern auch unter Alkoholeinfluss - wurde disqualifiziert und aus dem Turnier genommen. Game over.

Je oller desto doller

Und dann ist da noch Pierre Neuville. Ich hatte schon viele Male das Vergnügen, den belgischen Unternehmer bei EPT-Events kommentieren zu dürfen. Und kenne ihn auch privat. Und ich weiß, dass er es faustdick hinter den Ohren hat. Er blufft, dass sich die Balken biegen. Eigentlich nichts Außergewöhnliches für einen Pokerspieler. Und doch ist es hier etwas anders. Pierre Neuville ist nämlich 79 Jahre alt. Damit zwar lange nicht der älteste Teilnehmer beim WSOP Main-Event. Aber der ehemalige Geschäftsmann ist der älteste Spieler, dem es je gelang beim WSOP Main-Event den Final Table zu erreichen. Im Jahr 2015 gelang ihm dies, als er bei 6.420 Teilnehmern die Final 9 erreichte. Hierfür musste Pierre 8 harte & lange Tage mit jeweils 10 Nettostunden Spielzeit am Tisch überstehen. Dazu noch viele Interviews geben. Nachts dann kaum Schlaf durch die Aufregung. Recht anstrengend für einen Rentner, dessen Gegner an den Tischen vom Alter her gut seine Enkel hätten sein können. Letztendlich landete der smarte Belgier auf Platz 7 für knapp über 1,2 Million Dollar. Den Rekord für den ältesten Final Table Teilnehmer beim WSOP Main-Event wird er jedoch vermutlich noch recht lange Zeit behalten.

Martin Pott ist ehemaliger Poker-Profi, der etliche Jahre in Las Vegas gelebt & dort professionell gepokert hat. Erfahrene Spieler kennen die Stimme von Martin Pott zudem aus vielen Pokersendungen im TV, wo er seit Jahren von großen Turnieren aus der ganzen Welt berichtet. Weitere Infos zu unserem Autor findest du auch auf www.plus-ev.eu

MEHR DAZU