Anzeige
Home>Poker>

Wenn die Bubble platzt

Poker>

Wenn die Bubble platzt

Anzeige
Anzeige

Wenn die Bubble platzt

Wenn die Bubble platzt

Wenn beim Poker die Bubble platzt, dann gehen die Preise nicht etwa in den Keller, sondern steigen. Ex-Profi Martin Pott über den übelsten Moment in einem Pokerturnier.
Bubble
© Unsplash

Pokerspieler wissen Bescheid, wenn man von der „Bubble“ spricht. Nicht-Pokerspieler denken bei Bubble vermutlich eher an den Immobilien- oder den Kryptomarkt und das die Blase eventuell irgendwann zu platzen droht. Oder an Kaugummi. Beim Pokern ist mit der Bubble auf jeden Fall die Phase gemeint, wenn exakt der Spieler bei einem Turnier gesucht wird, der von den verbliebenen Teilnehmern als Einziger kein Preisgeld mehr bekommt.

Bubble Boy

Der oder die Unglückliche ist dann der sogenannte Bubble-Boy, respektive das Bubble Girl. Jeder, der lange genug gepokert hat, wird bei irgendeinem Turnier schon einmal Bubble-Boy geworden sein. Falls wirklich noch nicht, dann herzlichen Glückwunsch! Der Tag wird allerdings irgendwann kommen. Spielt man zu Hause mit seinen Kumpels, ist es ganz gut zu verschmerzen. Kein Drama. Auch bei Turnieren mit kleineren Startgeldern kommt man ganz gut drüber weg. Einer muss es ja sein. Bei Turnieren der WSOP mit riesengroßen Teilnehmerfeldern und sehr hohen Buy-Ins sieht es hingegen schon etwas anders aus. Da kann es zuweilen recht weh tun. Nicht nur, dass man selbst das Preisgeld haarscharf verpasst hat. Hinzu kommt noch der Moment, wenn sich alle um einen herum in den Armen liegen und abklatschen. Das schießt den Stachel nochmals ein Stückchen tiefer in die Wunde. Es schmerzt doppelt.

Main Event Bubble

Der Deutsche Pokerprofi Jonas Lauck kann ein Lied davon singen. Er hat so einen bitteren Moment erlebt. 2015 beim Main-Event der World Series of Poker. 6.420 Spieler hatten $10.000 Startgebühr bezahlt. Der Preispool bei diesem Event lag bei über 60 Millionen Dollar. 1.001 Teilnehmer waren noch im Rennen. 1.000 würden ins Preisgeld kommen und jeder bereits mindestens $15.000 mit nach Hause nehmen. Der Sieger sogar knapp $7.683.346. Aber eben einer dieser 1.001 Teilnehmer würde eben auch komplett leer ausgehen. Nach drei harten, sehr langen und emotionalen langen Tagen mit jeweils zehn Stunden Nettospielzeit. Jonas Lauck hatte seine Chips in der entscheidenden Hand mit AQ gut rein bekommen gegen QJ seines Gegners. Auf einem Board von K54T drehte der Dealer jedoch ein Ass am River um und Jonas Gegner bastelte sich eine Straight. Während an über 100 anderen Tischen große Erleichterung und Freude herrschte, hatte ausgerechnet Jonas die Arschkarte gezogen. Er wurde Bubble-Boy beim prestigeträchtigsten Pokerturnier des Jahres. Ich fühlte seinerzeit wirklich mit ihm. War direkt vor Ort, als es passierte. Vier Jahre später gewann Jonas dann ein Bracelet bei einem $1.500 Super Turbo Turnier.

Jonas Lauck gewann 2019 ein Bracelet bei der WSOP
Jonas Lauck.jpg

Noch schlimmer - zumindest finanziell betrachtet - traf es dieses Jahr den US-Amerikaner Nick Petrangelo. 56 Akteure hatten sich bei Event#50 zusammen gefunden. Ein $250.000 Super High Roller No-Limit Holdem Turnier. Ja korrekt – Startgeld eine Viertelmillion Dollar! 9 Spieler sollten ins Preisgeld kommen und für Platz 9 gab es zumindest schon einmal satte $414.815. Aber auch bei solchen Events muss es einen Bubble-Boy geben. Einen Loser, der zumindest schon einmal am Preisgeld riecht, dann aber doch in die Röhre schaut. Und es traf besagten Nick Petrangelo, der den entscheidenden Coinflip mit AK gegen das 4er Pärchen des späteren Siegers Alex Foxen (USA) nicht gewinnen konnte und leer ausging.

Nick Petrangelo
Nick Petrangelo

Auch unser Main Event Champion Koray Aldemir war bei der diesjährigen WSOP schon einmal der Bubble Boy. Im $100.000 Super Highroller wurden die ersten zehn Plätze bezahlt. Koray wurde Elfter..... Und hatte dazu zweimal das Turnier Buy-In bezahlt.

Wenn ihr also das nächste Mal nach einem verlorenen Coinflip aus dem Turnier ausscheidet und mit dem Schicksal hadert, dann versucht euch an obige Geschichten zu erinnern. Es gibt immer Pokerspieler, die es noch härter getroffen hat. Und ein kleiner Tipp darf zum Abschluss natürlich auch nicht fehlen. Wenn ihr in der Bubble-Phase mit reichlich Chips unterwegs seid, dann übt ordentlich Druck auf eure Konkurrenten aus. Speziell auf die, die nicht so viele Chips vor sich stehen haben und genau eines vermeiden möchten: Bubble-Boy zu werden. Good game, wir sehen uns an den Tischen.

MEHR DAZU