109 Wochen Nummer 1 der Weltrangliste, fünf Siege in Wimbledon, sechs bei den French Open, eine denkwürdige Rivalität mit John McEnroe.
Das Comeback-Fiasko einer Tennis-Ikone
Das Comeback-Fiasko einer Ikone
Sieben Jahre lang dominierte der schwedische Ausnahmespieler Björn Borg die Tennis-Szene – bis seine Karriere eine unvermutete Wendung nahm: Mit 26 Jahren, in einem Alter, in dem viele große Karrieren im Sport erst richtig Fahrt aufnehmen, stieg Borg 1983 plötzlich aus.
Der Hochleistungsdruck hatte den nur scheinbar über allen Dingen schwebenden „Ice-Borg“ zermürbt. Die Probleme, unter denen er litt – chronische Schlafstörungen, ein Weinkrampf in der Wimbledon-Kabine 1980 – deuteten auf das hin, für das sich inzwischen das Wort Burn-out-Syndrom eingebürgert hat.
Nachdem Borg acht Jahre von der Bildfläche verschwunden war, war die Neugier groß, als er am 23. April 1991 – heute vor 35 Jahren – wieder auf die Bühne trat. Doch der späte Comeback-Versuch des Mythos aus Stockholm blieb als seltsame Episode in Erinnerung.
Björn Borg plötzlich wieder wie in alten Zeiten
In Monte Carlo, wo er acht Jahre zuvor sein vermeintlich letztes Match bestritten hatte, stellte Borg sich auf dem Centre Court dem Spanier Jordi Arrese.
Borg hatte sich die zwischenzeitlich abgeschnittenen langen Haare wieder wachsen lassen und seinen Holzschläger von einst wieder mitgebracht – obwohl er bei Schauturnieren eigentlich längst auf ein moderneres Modell aus Graphit umgestiegen war.
Nun allerdings schien Borg daran gelegen zu sein, die vergangene Zeit wieder heraufzubeschwören; der seltsame Eindruck wurde durch den Trainer, den er sich ausgesucht hatte, abgerundet: Den damals 79 Jahre alten Waliser Ron Thatcher, der sich Tia Honsai nannte und als Kampfsport- und Motivations-Guru auftrat. Erfahrung beim Thema Tennis hatte er keine.
Borg verlor sein Match gegen Arrese 2:6, 3:6. „Die Logik hat heute gesiegt im Monte-Carlo Country Club“, notierte die New York Times: „Björn Borg hat heute nicht besser gespielt als man erwartet hätte von jemandem, der acht Jahre weg war.“
Kein einziger Sieg bei Rückkehr auf die ATP-Tour
Borg machte sich anfangs noch Hoffnung, sein Niveau mit mehr Matchpraxis wieder steigern zu können. Immer wieder tauchte er in den folgenden Jahren bei Turnieren auf, fast nie aber konnte er auch nur annähernd an seine goldenen Jahre anknüpfen. Er verlor auf der ATP-Tour jedes einzelne Match, gewann lange nicht mal einen Satz.
Was Borg noch antrieb, gab lange Rätsel auf, nach knapp zweieinhalb Jahren fand die Rückkehr ein halb-versöhnliches Ende: Bei einem Turnier in Moskau im November 1993 lieferte die Legende dem 2019 verstorbenen Russen Alexander Volkov – damals Nummer 17 der Welt – ein Duell auf Augenhöhe. Borg erspielte sich im Tiebreak des dritten Satzes einen Matchball.
Borg verlor am Ende 6:4, 3:6, 6:7 (7), ging aber trotzdem mit einem guten Gefühl aus der Partie. „Heute war das erste Mal, dass ich seit dem Comeback Spaß hatte“, sagt er: „Ich bin einfach froh, dass ich ein gutes Match auf der Tour gespielt habe.“
Der Mann, den der gigantische Erfolg von einst am Ende nicht mehr froh gemacht hatte, war nach einer endlosen Niederlagenserie nun glücklich über einen kleinen Schritt. Wenig später trat der damals 37-Jährige endgültig zurück.
Zweite Karriere in der Mode-Branche
Borg machte vor und nach seinem Tennis-Comeback eine zweite Karriere in der Modebranche, hielt seinen großen Namen durch das nach ihm benannte Label „Björn Borg“ präsent.
https://www.sport1.de/news/tennis/2025/09/bericht-tennis-legende-an-krebs-erkranktSeit 2002 ist Borg, der im Juni 70 wird, in dritter Ehe mit Patricia Östfeld verheiratet, der gemeinsame Sohn Leo Borg ist dem Vater auf dem Tennisplatz gefolgt. Im vergangenen Jahr machte Björn Borg eine überstandene Prostatakrebs-Erkrankung öffentlich.