Am Ende dieses Abends war Carlos Alcaraz überraschend ehrlich. „Ich konnte keine Lösungen finden. Ich dachte, dass ich jetzt ein besserer Spieler bin, um Lösungen zu finden, wenn das Match nicht in die richtige Richtung läuft. Nach diesem Match werde ich meine Meinung ändern“, erklärte der Spanier nach dem Aus in New York gegen den Russen Daniil Medwedew.
Bitteres Alcaraz-Aus: "Ich bin nicht reif genug" - kein Traum-Finale gegen Djokovic bei US Open
Alcaraz: „Ich bin nicht reif genug“
Denn: „Ich bin nicht reif genug, um mit dieser Art von Matches umzugehen“, schloss Alcaraz und zeigte damit ein hohes Maß an Selbstreflektion. Sein Kontrahent setzte sich nach einer beeindruckenden Vorstellung 7:6 (7:3), 6:1, 3:6, 6:3 durch und spielt nun gegen Grand-Slam-Rekordsieger Novak Djokovic um seinen zweiten Titel in Flushing Meadows nach 2021.
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Das Finale, von dem viele bereits geträumt hatten und das im Juli in Wimbledon seinen Höhepunkt gefunden hatte, ist also geplatzt. Djokovic gegen Alcaraz wird es in diesem Jahr in New York nicht geben.
Alcaraz verpasst Chance - Djokovic will 24. Titel
Medwedew hingegen zeigte sich hochzufrieden: “Einen Spieler wie Carlos zu schlagen ist großartig, er ist nicht umsonst die Nummer eins. Ich wusste, dass ich vom Niveau her 11 von 10 spielen muss, um heute zu bestehen - und ich habe 12 von 10 gespielt. Gegen Novak muss das aber nochmal besser sein.“
Djokovic hatte zuvor 6:3, 6:2, 7:6 (7:4) gegen Youngster Ben Shelton aus den USA gewonnen und nimmt am Sonntag in seinem zehnten US-Open-Endspiel seinen 24. Majortitel ins Visier. Der Serbe, der nun die Gelegenheit zur Revanche für das vor zwei Jahren gegen Medwedew glatt verlorene Finale erhält, wird nach dem Turnier Alcaraz als Nummer eins ablösen. Im Vorjahr hatte Djokovic wegen einer fehlenden Corona-Impfung nicht in New York antreten können.
Medwedew (27), der Wiedergutmachung für die klare Niederlage gegen den sieben Jahre jüngeren Alcaraz im Halbfinale von Wimbledon leistete, verwandelte nach 3:18 Stunden des besten Turnierspiels seinen vierten Matchball. Alcaraz, der im Viertelfinale den angeschlagenen Olympiasieger Alexander Zverev deutlich bezwungen hatte, verpasste damit die Chance, zum jüngsten zweimaligen Champion der US Open zu werden.
Alcaraz mit leichten Fehlern
Nach nervösem Beginn nahm das Match schnell an Fahrt auf, in der entscheidenden Phase des ersten Satzes zeigten beide begeisterndes Tennis. Alcaraz spielte sensationelle Stopps, leistete sich im Tiebreak aber leichte Fehler.
Nach dem Satzverlust wirkte der Spanier angeknockt, verlor sein erstes Aufschlagspiel im zweiten Durchgang und kassierte gegen den nun entfesselt agierenden Medwedew auch ein zweites Break zum vorentscheidenden 1:5.
Alcaraz, der noch nie in seiner jungen Karriere einen 0:2-Satzrückstand wettgemacht hatte, biss sich zurück ins Spiel, breakte zum ersten Mal im Match zum 3:1 - plötzlich war die alte Sicherheit zurück und mit dem Satzgewinn auch der Glaube an ein Comeback.
In Durchgang vier vergab Alcaraz bei 1:1 drei Breakbälle, das rächte sich: Medwedew nahm dem Favoriten den Aufschlag zum 4:2 ab - und unter den 23.000 Zuschauern im größten Tennisstadion der Welt herrschte auf einmal Stille.
Medwedew servierte bei 5:3 zum Sieg, doch das Aufschlagspiel wurde vogelwild: Drei Breakbälle wehrte Medwedew ab, drei Matchbälle vergab er, den ersten per Doppelfehler. Doch mit einem Kraftakt kämpfte sich Medwedew ins Ziel.
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Mit SID (Sport-Informations-Dienst)