Noch halten Angelique Kerber, Andrea Petkovic und Co. die Fahnen hoch - doch das deutsche Damen-Tennis braucht dringend Nachfolgerinnen.
Tennis-Talent Jule Niemeier über Rafael Nadal, Grand-Slam-Regeln, BVB und ihre Karriere
Tennis-Hoffnung erklärt Nachwuchsproblem
Mit Jule Niemeier kommt eine talentierte Spielerin an, die nach ihrem Abitur und überstandenen Verletzungsproblemen jetzt auf der WTA-Tour angreift. Die 22-Jährige schnuppert inzwischen sogar an den Top 100.
Jule Niemeier: Tennis-Hoffnung schnuppert an Top 100
Zuletzt scheiterte die Dortmunderin zwar knapp in der Qualifikation der großen WTA-Turniere in Indian Wells und Miami, doch ihr Weg zeigt eindeutig nach oben. Als Belohnung berief Teamkapitän Rainer Schüttler Niemeier für das Qualifikations-Duell im Billie-Jean-King-Cup gegen Kasachstan.
- Der Tennis-Podcast „Cross Court“: auf podcast.sport1.de, in der SPORT1 App, auf Spotify, Apple Podcasts, Podigee und überall, wo es Podcasts gibt
Mit SPORT1 sprach Niemeier unter anderem über ihre ersten Erfolge, die Lücke im deutschen Damentennis, ihr Idol Rafael Nadal und die Tennis-Revolution bezüglich der Tiebreaks bei Grand Slams.
Hier ein Ausschnitt daraus - das komplette Gespräch über viele weitere Themen gibt es in der jüngsten Folge des Tennis-Podcasts „Cross Court“ auf podcast.sport1.de und auf allen gängigen Plattformen zu hören, neben Nadal sind auch Alexander Zverev, Angelique Kerber und Roger Federer Thema.
SPORT1: Für Aufsehen haben Sie 2021 in Straßburg gesorgt, als Sie erst im Halbfinale 4:6 im 3. Satz gegen Barbora Krejcikova verloren. Diese gewann kurz darauf die French Open. Auch auf Rasen in Berlin brachten sie die spätere Olympiasiegerin Belinda Bencic an den Rande einer Niederlage. Haben diese Partien gezeigt, dass Sie mit den größten Stars mithalten können?
Jule Niemeier: Auf jeden Fall hat es mir das gezeigt. Dass ich das Level und das Niveau habe, das weiß ich. Jetzt geht es aber eben darum, dass man es sich selbst auch mit Ergebnissen beweist. Da hoffe ich, dass ich demnächst den nächsten Schritt machen kann. Aber ich war in Indian Wells und Miami das erste Mal dabei, da muss man natürlich vieles erst einmal kennenlernen, Erfahrungen sammeln. Und sich an die größeren Turniere gewöhnen.
French Open mit Niemeier im Hauptfeld?
SPORT1: Das Australian-Open-Hauptfeld verpassten sie denkbar knapp in der finalen Quali-Runde. Ich vermute mal stark, das nächste Ziel lautet, direkt ins Hauptfeld der French Open zu kommen. Die ersten 104 sind direkt dabei - Sie sind aktuell auf 109, also quasi in Reichweite.
Niemeier: Das sagt sich so einfach (lacht). Wir haben uns kein großes Ziel gesteckt, langfristig will man natürlich die Hauptfelder bei Grand Slams spielen. Ich bin davon überzeugt, dass es auch relativ zeitnah passieren wird. Aber es bringt nichts, zu sehr über das Ranking oder irgendwelche Punkte nachzudenken. Wichtig ist, dass ich in Matches bestmöglich umsetze, woran wir im Training arbeiten. Dann sind wir da auf einem guten Weg.
SPORT1: Im Damentennis ist aus verschiedenen Gründen eine große Alterslücke hinter der Goldenen Generation um Kerber entstanden. Nehmen Sie das auch wahr und denken sich, bitte macht noch weiter, damit ich mich in Ruhe entwickeln kann - oder ist man da viel zu sehr in seiner eigenen Blase?
Niemeier: Man nimmt das Gerede drumherum schon wahr, aber ich lasse das nicht an mich ran. Ich genieße es, dass ich das Turnier mit ihnen - Laura (Siegemund, Anm. d. Red.) ist ja auch wieder zurück - spielen kann, das hat was Positives. Man muss den deutschen Spielerinnen Zeit geben. Die machen hier ihr Abitur - und in anderen Ländern hören sie mit 14, 15 auf in die Schule zu gehen und trainieren tagtäglich. Von daher ist es etwas anderes und man kann es nicht vergleichen. Man sollte sich die Spielerinnen in Ruhe entwickeln lassen, dann bin ich mir sicher, dass wieder einiges nachkommt - denn das Potenzial ist auf jeden Fall da.
Das fasziniert Niemeier an Rafael Nadal
SPORT1: Rafael Nadal ist ihr großes Idol. Was fasziniert Sie so an ihm und wie haben Sie sein Australian-Open-Finale verfolgt?
Niemeier: Seine Art und Weise, wie er neben dem Platz auftritt - aber auch, wie er sich auf dem Platz verhält. Neben dem Platz kommt er sehr ruhig, zurückhaltend und bodenständig rüber. In Indian Wells habe ich den 3. Satz gegen Korda live gesehen - das war schon sehr beeindruckend, dass er bei 2:5 mit Doppelbreak hinten noch zurückkommt. Das schaffen nicht viele. Das Australian-Open-Finale habe ich in Regensburg zu Hause geschaut. Ich war überzeugt, dass er das gewinnt. Selbst, als er 0:2-Sätze hinten war, hatte ich die Hoffnung nicht aufgegeben - und er hat gewonnen, was soll ich mehr dazu sagen? (lacht)
SPORT1: Was sind ihre sonstigen Hobbie? Sie kommen ja aus Dortmund und sind auch BVB-Fan ...
Niemeier: Ja, ich bin in Dortmund geboren, daher ist es relativ schwierig, nicht Dortmund zu supporten. Ansonsten habe ich nicht so viel Zeit, da ich extrem viel unterwegs bin. Aber ich schaue generell sehr gerne Fußball, nicht nur Dortmund. Ansonsten versuche ich, viel Zeit mit engen Freunden und der Familie zu verbringen.
SPORT1: Die vier Grand Slams haben beschlossen, dass in den nächsten 12 Monaten probeweise alle Grand Slams im Entscheidungssatz bei 6:6 einen Tiebreak bis 10 spielen. Wie bewerten Sie das?
Niemeier: Ich finde es gut, dass es bei allen Grand Slams die gleiche Regel gibt. Davor war es schon ein bisschen verwirrend. Aber es geht auch ein wenig die Spannung weg. Klar ist der Match-Tiebreak bei 6:6 für die Zuschauer auch schön, aber ich finde, es hat einfach was, wenn man es ausspielt. Oder wenn man es bis 10:10 ausspielt und dann einen Match-Tiebreak spielt, fände ich das auch besser.
Das komplette Gespräch mit Jule Niemeier, Analysen zu Indian Wells sowie viele weitere Themen gibt es ab sofort auf podcast.sport1.de, in der SPORT1 App sowie auf den gängigen Streaming-Plattformen Spotify, Apple Podcasts, Google Podcast, Amazon Music, Deezer und Podigee.