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Fall Nick Woltemade zeigt die Brutalität der Premier League

Woltemade noch nicht gescheitert

Der Wechsel von Nick Woltemade zu Juventus Turin wirkt auf den ersten Blick wie ein Rückschritt. Der DFB-Star hat es bei Newcastle nicht geschafft, unverzichtbar zu werden. Gescheitert ist er deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil: Die Leihe nach Turin ist für Woltemade der einzig richtige Ausweg, zeigt allerdings die Perversität der Premier League. Ein Kommentar.
Nick Woltemade hat sich am Deadline Day auf Leihbasis Juventus Turin angeschlossen. Nur ein Jahr nach seinem vielbeachteten Wechsel zu Newcastle United braucht der Nationalspieler einen Neustart.
Der Wechsel von Nick Woltemade zu Juventus Turin wirkt auf den ersten Blick wie ein Rückschritt. Der DFB-Star hat es bei Newcastle nicht geschafft, unverzichtbar zu werden. Gescheitert ist er deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil: Die Leihe nach Turin ist für Woltemade der einzig richtige Ausweg, zeigt allerdings die Perversität der Premier League. Ein Kommentar.

Woltemade ist in England gescheitert! So lautet an vielen Stellen das Echo auf den Wechsel des DFB-Stars – zunächst für ein Jahr auf Leihbasis – von Newcastle nach Turin. Doch bei genauerem Hinsehen ist das schlicht falsch. Nick Woltemade ist vielmehr ein Opfer des Haifischbeckens Premier League. Die Flucht nach Italien ist deshalb kein Rückschritt, sondern vor allem eines: eine neue und vielversprechendere Chance.

Für 75 Millionen Euro und mit riesigen Erwartungen wechselte der 24-Jährige im vergangenen Sommer auf die Insel. Und „Big Nick“ schoss sich mit vier Toren in den ersten fünf Ligaspielen sofort in die Herzen der Fans. Bis Weihnachten lieferte er regelmäßig ab, doch dann kam der Knacks.

Weil Trainer Eddie Howe Mittelstürmer Yoane Wissa unbedingt auf dem Platz haben wollte, war Woltemade plötzlich nicht mehr so gefragt und kam zunehmend auf ungewohnten Positionen zum Einsatz. Seine Leistungen – und vor allem sein Selbstbewusstsein – erlitten einen Rückschlag. Ein Sinnbild für die Performance der „Magpies“.

Und dennoch: Die Zahlen sind besser, als es die negativen Schlagzeilen vermuten lassen. In der abgelaufenen Spielzeit kam Woltemade in 51 Spielen zum Einsatz, schoss elf Tore und legte fünf weitere vor.

Woltemade spielt durch Wechsel international

Trotzdem bekam Woltemade in der Vorbereitung und gerade in den vergangenen Wochen unmissverständlich signalisiert, dass seine Aussichten auf regelmäßige Spielzeit in dieser Saison nicht gerade besser werden würden.

Auch, weil der neue Trainer Matthias Jaissle in seinem Spielsystem nicht zwingend einen Spielertypen wie Woltemade benötigt.

Doch genau das braucht Woltemade jetzt: einen Trainer, ein System und einen Verein, bei dem er Vertrauen spürt und seine Stärken ausspielen kann. Nur so kann er wieder ein wichtiger Faktor auch in der Nationalmannschaft werden. Deshalb war der Schritt nach Turin nur logisch.

Und wir sprechen hier immer noch von Juventus Turin – einem Klub mit deutlich mehr Strahlkraft, Tradition und Geschichte als das neureiche Newcastle.

Auch sportlich macht der Wechsel Sinn: Newcastle wurde in der abgelaufenen Spielzeit nur Zwölfter und spielt damit nicht international. Anders Juventus: Zwar fehlt die „alte Dame“ in dieser Saison ungewöhnlicherweise in der Königsklasse, Woltemade spielt künftig aber immerhin europäisch – in der Europa League.

Ein Opfer des Haifischbeckens

Der Wechsel von Nick Woltemade zeigt die Brutalität der Premier League. Sie ist ein unfassbares Haifischbecken, in dem Geduld ein rares Gut geworden ist. Woltemade ist davon Opfer geworden, wurde davon ausgespuckt.

Im Profifußball lebt vieles von Momenten, Phasen und kurzfristigem Erfolg. Die Premier League ist dabei die Endstufe dieser Entwicklung. Das hat auch mit einer noch ungeduldigeren Presse und Öffentlichkeit zu tun.

Vor allem aber mit dem Geld, das den Vereinen in schier unendlichem Ausmaß zur Verfügung steht.

Hat ein Spieler eine schwächere Phase, wird er eben ausgetauscht. Im Fall Newcastle heißt das: Woltemade weg, Matias Fernandez-Pardo für 60 Millionen Euro plus Boni her. Sorgen um Wirtschaftlichkeit? Rationale, langfristige Planung? Fehlanzeige.

Einen Spieler auch einmal durch eine schwierige Phase zu begleiten und ihn wieder aufzubauen? Wunschdenken!

Der einzig sinnvolle Ausweg für Woltemade

Leicht dürfte es für Woltemade in Italien trotzdem nicht werden. Auch die Serie A ist für ihre Robustheit bekannt, Defensivstärke ist dort ein hohes Gut. Heißt für Woltemade: viele Duelle mit Verteidigern, bei denen es auch einmal wehtun wird.

Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied zu Newcastle: In Turin wollten sie ihn unbedingt haben. Sie sind überzeugt, dass sein Spielertyp gebraucht wird und dass er der Mannschaft helfen kann.

Deshalb ist Juventus Turin für Woltemade in vielerlei Hinsicht mehr Chance als Risiko und ganz sicher kein Rückschritt. Es ist der einzig sinnvolle Ausweg.

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