Stephen Curry ist der neue Dreier-König der NBA. 2977 Mal hat er in der Regular Season aus der Distanz getroffen - und doch ist jeder seiner Dreier wieder ein Spektakel, bei dem ein Raunen durch die Arenen der NBA geht.
NBA: Stephen Curry knackt Dreier-Rekord - und revolutioniert Basketball | Kommentar
Curry hat die Grenzen verschoben
Dass der lange Zeit verpönte Distanzwurf im Basketball heutzutage eine der bedeutendsten Offensivoptionen darstellt, ist nicht alleine Currys Verdienst. Es ist auch das Verdienst von Experten und Statistikern, die mathematisch belegt haben, warum der Dreier ein probateres Mittel ist als der Wurf aus der Mitteldistanz.
Aber Statistik ist abstrakt - was Curry aufs Parkett zaubert, ist für jeden greifbar. Er ist die personifizierte Basketball-Revolution. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NBA)
NBA: Curry-Rekord für die Ewigkeit?
Currys Distanzwurf ist das, was Jan Boklövs V-Stil für das Skispringen war. Oder der von Dick Fosbury eingeführte Fosbury-Flop im Hochsprung.
Im Gegensatz zu Boklöv und Fosbury, deren Neuerungen ihnen selbst nur kurzzeitig zu sportlichem Erfolg verhalfen und deren Bestmarken längst Geschichte sind, hat Curry mit den Golden State Warriors obendrein schon drei NBA-Meisterschaften gewonnen, weitere nicht ausgeschlossen. (DATEN: Alle Tabellen der NBA)
Ob sein Dreier-Rekord für die Ewigkeit sein wird? Teamkollege Draymond Green glaubt das nicht.
Currys Pionierarbeit könnte ihm selbst zum Verhängnis werden, schließlich nehmen Spieler wie Trae Young oder Luka Doncic schon in jungen Jahren eine Anzahl an Dreiern, die sich Curry zu Beginn seiner NBA-Karriere erst einmal hart erarbeiten musste.
NBA-Legende Shaquille O‘Neal huldigt Stephen Curry
Aber ob irgendjemand die Grenzen dessen, was ein guter Wurf ist, noch einmal derart verschieben wird?
Von zwei Gegnern umzingelt? Im Rückwärtsfallen zwei Meter hinter der Dreierlinie? Die Füße gerade so in der gegnerischen Hälfte? Für Curry gibt es (fast) keine schlechte Wurfposition.
Während NBA-Legende und TV-Experte Charles Barkley noch vor einigen Jahren behauptete, Jump-Shooting-Teams würden nie einen Titel gewinnen, sagte sein Experten-Kollege Shaquille O‘Neal vor einigen Tagen, er schaue sich keine Spiele „seiner“ Los Angeles Lakers mehr an, die trotz des spektakulären Super-Trios aus LeBron James, Anthony Davis und Russell Westbrook nicht in Fahrt kommen. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NBA)
„Wer will die denn spielen sehen?“, fragte Shaq und meinte: „Ich feiere bestimmt keinen siebten Platz. Ich feiere Steph Curry. Ich kann zu Spielen von Golden State gehen und ihm zusehen.“
Hat Curry LeBron James den Rang abgelaufen?
Hat Curry dem drei Jahre älteren LeBron den Rang abgelaufen? Ist er sogar mehr als LeBron das Gesicht der heutigen NBA?
Der aktuellen Krise bei den Lakers zum Trotz: LeBron James hat die übergroßen Erwartungen erfüllt, die schon zu Highschool-Zeiten an ihn gestellt wurden. Er hat die NBA individuell dominiert und als erster Spieler seit Michael Jordan eine ernstzunehmende Debatte angestoßen, ob MJ noch der beste Spieler der NBA-Geschichte ist. Das ist nicht hoch genug einzuschätzen.
Stephen Curry, dieser einst schmächtige Junge, den kein Top-College haben wollte und der wegen seines Knöchels schon beinahe als nicht NBA-tauglich eingestuft wurde, hat alle Erwartungen meilenweit übertroffen. Er hat eine ganze Sportart revolutioniert.
Auch das ist nicht hoch genug einzuschätzen - selbst, wenn er den Rekord irgendwann wieder verlieren sollte.