Shams Charania. Der Name dürfte Kennern im Basketball-Kosmos ein Begriff sein.
NBA: Journalist sorgt mit Zweitjob für Mega-Wirbel bei NBA-Draft
Insider sorgt für Mega-Wirbel in der NBA
Der 29-Jährige arbeitet als NBA-Insider in der US-amerikanischen Sportpresse, zu seinen Auftraggebern zählen TheAthletic oder Stadium. Schwierig wird es bloß, wenn sein Nebenengagement bei Wettanbieter FanDuel und deren Werbekanal plötzlich mit seinen journalistischen Expertisen kollidiert. Geschehen beim diesjährigen NBA-Draft.
Der Aufruhr um Charania nach der Talente-Ziehung in der besten Basketballliga der Welt war enorm – von Wettbeeinflussung war zu hören, ein unlauteres journalistisches Verhalten angeprangert, gar seine Integrität in Frage gestellt. Doch weshalb überhaupt?
Michael Jordan für Forward-Talent?
Bereits Wochen vor dem Draft stand Nr. 1-Pick Victor Wembanyama fest, die Auswahl der San Antonio Spurs war nur noch Formsache. Dahinter entbrannte jedoch ein eifriger Wettstreit um den folgenden Pick. Einzig Forward Brandon Miller und Guard Scoot Henderson kamen letztlich ernsthaft in Frage.
Die Charlotte Hornets um Noch-Teambesitzer und Liga-Legende Michael Jordan konnten zuerst wählen: ein starker Forward, dem jedoch eine Mordbeteiligung nachgesagt wird, oder ein ultra-athletischer Guard, der 2021 der jüngste Spieler in der G League wurde.
Die Hornets schienen sich auf Miller festgelegt zu haben – zumindest, wenn es nach Wettanbieter FanDuel ging. Das 2,03-Meter-Talent war der haushohe Favorit auf dem US-Wettmarkt. Bis Charania einen Tweet losließ.
Nach seiner Quellenlage trafen die Hornets zwar noch keine endgültige Entscheidung, doch „Scoot Henderson gewinnt beim NBA-Draft heute Abend bei den Charlotte Hornets als Nummer 2 ernsthaft an Fahrt“, ließ Charania die Öffentlichkeit wissen.
Der Tweet wurde eindeutig assoziiert mit den Insider-Informationen des NBA-Journalisten. Eine überraschende Information, die auch bei den Wettklienten Anklang fand. So drehte sich das Momentum um 180 Grad, plötzlich galt Henderson mit überzeugenden Quoten als Mann in der Pole Position auf den Pick nach „Wemby“.
Das Wall Street Journal machte gar einen Präzedenzfall eines Wettklienten öffentlich, der all sein Vertrauen und die entsprechenden Geldbeträge auf Charania und seine Informationen setzte. Das Problem war nur, dass der vermeintliche Insider-Tipp floppte, als NBA-Commissioner Adam Silver den Pick der Hornets verkündete: Brandon Miller.
Miller, Henderson - und dann wieder Miller
Als der Draft näher rückte, und auch der angesehenste NBA-Journalist Adrian Wojnarowski in die Personal-Debatte einstieg (tippte auf Miller als Nr. 2-Pick), war ohnehin der ursprüngliche Quotenfavorit Miller plötzlich wieder vorne bei den Buchmachern.
Verwirrung, die nicht nur bei den Fans, sondern insbesondere bei den Wettkunden für einigen Stunk sorgte. So musste gar Wettanbieter FanDuel für Beschwichtigung sorgen: „FanDuel ist nicht in die Nachrichten eingeweiht, die Shams auf seinen Plattformen verbreitet“, verkündete ein Unternehmenssprecher.
Die Fans waren dennoch alles andere als begeistert von den irreleitenden Informationen des Shams Charania. Im deutschen Pressekodex gibt es daher eine strikte Trennung der Tätigkeitsbereiche.
So ist in Artikel 6.1 festgelegt: „Übt ein Journalist oder Verleger neben seiner publizistischen Tätigkeit eine Funktion, beispielsweise in einer Regierung, einer Behörde oder in einem Wirtschaftsunternehmen aus, müssen alle Beteiligten auf strikte Trennung dieser Funktionen achten.“
In den USA gibt es bisher keine derartige Regelungen zur Trennung von Tätigkeiten. Insbesondere nicht bei Journalisten mit Einfluss auf den Wettmarkt.