Der Juni 2024 traf die NBA hart. Zwei Wochen nach dem Tod von Bill Walton trauerte die beste Basketball-Liga der Welt auch noch um eine weitere ihrer größten Legenden: Jerry West verstarb heute vor zwei Jahren, am 12. Juni 2024, im Alter von 86 Jahren.
Auch nach seinem Tod präsent wie kein Zweiter
Seine Silhouette kennt jeder Fan
Der Guard gilt als einer der besten Basketball-Spieler aller Zeiten. Er spielte von 1960 bis 1974 für die Los Angeles Lakers und stellte mit 25.192 erzielten Punkten einen Rekord auf. Erst Kobe Bryant konnte diese Marke 2010 knacken. In jedem Jahr, in dem West aktiv war, wurde er ins All-Star-Team berufen.
West als Spieler und Verantwortlicher eine NBA-Legende
Trotz dieser außergewöhnlichen Leistungen holte „The Logo“, dessen Silhouette im Logo der NBA verewigt ist (wobei die Liga dies nie offiziell bestätigt hat), nie den MVP-Titel und konnte auch nur eine von neun Finalserien gewinnen. Grund dafür waren die starken Boston Celtics, bei denen der 2022 verstorbene Ausnahmespieler Bill Russell nicht zu stoppen war.
Und dennoch war der Basketballer schon während der aktiven Karriere eine der großen Ikonen – sogar bei den Rivalen. 1971 bei der Jerry-West-Night in Los Angeles fand ausgerechnet Russell als Redner Worte, die direkt ins Herz gingen.
„Jerry, Erfolg ist eine lange Reise, doch das größte Kompliment, das ein Mann bekommen kann, ist der Respekt seiner Kollegen. Respekt hast du mehr als genug. Du bist ein wahrer Champion. Mein Wunsch ist, dass du für immer glücklich bist“, sagte der Erfolgstrainer über seinen Gegner. Zu dem Zeitpunkt hatte West noch keine Meisterschaft gewonnen. Das änderte sich erst rund ein Jahr später – und löschte die großen Selbstzweifel aus.
„Es tat weh, dass ich sie nie besiegen konnte. Egal, wie gut ich spielte, es schien nie genug zu sein“, blickte West später zurück. Seine Anfänge waren da schon für viele Beobachter, Fans und Experten vergessen.
West entwickelte unbändigen Willen
Denn zum Basketball kam West eigentlich nur, weil er als Jugendlicher in West Virginia als zu schlecht für Auswahlteams im Baseball oder Football befunden wurde. West war ein kleiner und schmächtiger Junge und fiel alles andere als positiv auf.
Aus Frust über die Missachtung griff sich die spätere Legende laut Überlieferungen einen Basketball und warf in jeglicher Wetterlage auf einen Korb. Sogar im Winter soll er sich mit Handschuhen nicht vom Werfen abhalten lassen haben. Bei der Übung seines Dribblings soll West sogar ständig der Ball ins Gesicht geflogen sein. Auch dies hielt den heranwachsenden Teenager aber nicht auf.
Der große Biss erwies sich schnell als große Stärke und so wurde West ein College-Star. Seine Uni, die West Virginia University, führte er 1960 in das NCAA-Championship-Finale. Natürlich verlor West auch dort trotz überragender Leistungen. Es war wie ein Vorgeschmack auf die späteren Jahre.
Danach überschlugen sich die Ereignisse. Bei den Olympischen Spielen in Rom gewann West die Goldmedaille und das Team wurde im Nachgang als das erste „Dream Team“ gefeiert. Kurz nach der Rückkehr aus Italien, wir sind immer noch im Jahr 1960, stand der Draft für die NBA an. An zweiter Stelle schlugen die Lakers zu, die gerade erst aus Minneapolis nach Los Angeles umzogen und noch nicht wirklich den Glanz heutiger Tage versprühten.
West ebnete den Weg für Johnson, Bryant und O’Neal
West jedoch bugsierte die Franchise über 14 Jahre an die Spitze. Bis 1974 blieb er dem Team treu und spielte nie für eine andere Mannschaft. Satte 27,0 Zähler pro Partie standen über seine Karriere hinweg als Wert. Und auch in der Defense hatte kaum ein Spieler so großen Einfluss in der Liga wie die Legende. „Seine Hände waren so schnell wie die Zunge einer Schlange“, schwärmte unter anderem sein langjähriger Gegner Lenny Wilkens.
Als West als Spieler abtrat, hatte er den Lakers den roten Teppich für eine große Zukunft ausgelegt. Und diesen konnten folgende Stars wie Magic Johnson, Kobe Bryant oder Shaquille O’Neal ebenso wie LeBron James oder Luka Doncic in den Jahrzehnten im Trikot der Lakers für große Leistungen nutzen.
Zu Wests legendären Teamkollegen gehörten der große Wilt Chamberlain, Elgin Baylor und die spätere Liga-Eminenz Pat Riley.
Auch West blieb der NBA nach der aktiven Karriere treu. Er arbeitete zunächst als Trainer für die Lakers, ehe er nach drei eher mäßigen Jahren auf den Posten des General Managers wechselte. In dieser Rolle war er der Architekt der „Showtime Lakers“ um Magic Johnson und formierte später eine weitere Erfolgsgeneration um Kobe Bryant und Shaquille O‘Neal. Zuletzt arbeitete West als Berater für den Lokalrivalen L.A. Clippers.
Die Clippers bestätigten schließlich auch am 12. Juni 2024 Wests Tod, er sei im Beisein seiner Frau Karen verstorben. West sei „die personifizierte Basketball-Exzellenz und für alle Menschen, die er kannte, ein Freund“ gewesen, hieß es in dem Statement.
Nach dem Tod würdigten zahlreiche Ex-Rivalen seine Leistungen und seinen Charakter – wie es bereits Russell oder Wilkens zu Lebzeiten bereits taten. Dank der Silhouette auf dem NBA-Logo ist West auch zwei Jahre nach seinem Tod noch jedem Fan an jedem Tag präsent wie kein Zweiter.