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Er begeisterte die Liga - und ist mit 26 eine Enttäuschung

Absturz eines einstigen Superstars

Ja Morant zählte einst zu den größten Stars der NBA. Durch Eskapaden neben dem Feld brachte er sich selbst aufs Abstellgleis. Hat er sein letztes Spiel für sein aktuelles Team schon gemacht?
Einst galt Ja Morant als einer der vielversprechendsten Spieler der NBA. Mittlerweile ist er durch Skandale und Verletzungen ein Schatten seiner selbst. Rund um das Spektakel in Berlin steht zudem ein Wechsel des Grizzlies-Stars im Raum.
Ja Morant zählte einst zu den größten Stars der NBA. Durch Eskapaden neben dem Feld brachte er sich selbst aufs Abstellgleis. Hat er sein letztes Spiel für sein aktuelles Team schon gemacht?

Vom Hype um einen einstigen Megastar der NBA ist nahezu nichts mehr übrig.

Stattdessen gibt es um Ja Morant immer wieder negative Schlagzeilen. Schwankende Leistungen, Eskapaden abseits des Feldes und große Verletzungsprobleme. Zuletzt Trade-Gerüchte, die ins Nichts liefen.

Die Memphis Grizzlies wurden ihre einstige Hoffnung nicht los, es mangelte an vernünftigen Angeboten. Mehr denn je stellt sich die Frage, ob Morant je wieder für die Grizzlies auflaufen wird.

Vor fünf Tagen, am 19. Februar, vermeldete Memphis, dass Morant wegen einer Ellenbogenverletzung mindestens zwei weitere Wochen fehlen werde. Der Guard mache zwar Fortschritte in seiner Rehabilitation, habe aber weiterhin Beschwerden.

Morant begeisterte die Liga

Morant, der nicht spielt und den keiner will? Ein Umstand, der vor ein paar Jahren noch unvorstellbar schien. Zum Start seiner NBA-Karriere begeisterte Morant mit seinem Spielwitz und seinen spektakulären Dunks. Der zweite Pick des NBA-Drafts 2019 galt als eines der zukünftigen Gesichter der Liga.

Gleich in seiner Rookie-Saison überzeugte der Point Guard. Er erzielte 17,8 Punkte und 7,3 Assists pro Spiel und wurde zu Recht zum Rookie of the Year ausgezeichnet.

Auch in den Jahren danach steigerte er sich weiter. In der Saison 2021/22 wurde Morant dann endgültig zum absoluten Superstar. Er steigerte sein Scoring auf 27,4 Punkte im Schnitt und verteilte zudem 6,7 Assists pro Spiel.

Die Belohnung: Er wurde zum Most Improved Player (Spieler, der sich am meisten gesteigert hat) ausgezeichnet, beim MVP-Voting Siebter, erstmals All-Star und zudem ins NBA-All-Second-Team gewählt.

Dazu kam die Spielweise, die Fans begeisterte: Morant, der für NBA-Verhältnisse mit 1,88 Metern recht klein ist, nutzte seine Athletik regelmäßig für spektakuläre Dunks – teils sogar über deutlich größere Gegenspieler hinweg.

Waffen-Skandal um Morant

Die Saison 2022/23 sollte allerdings die letzte sein, in der er sportlich positive Schlagzeilen schrieb. 26,2 Punkte und 8,1 Assists pro Spiel brachten ihm Platz zwölf im MVP-Voting und seine zweite All-Star-Nominierung ein.

Im März 2023 zeigte er sich in einem Instagram-Livestream mit einer Schusswaffe in einem Stripclub. Es folgte eine Sperre von acht Spielen.

Einen Lerneffekt hatte dies für Morant aber nicht. Im Mai desselben Jahres wiederholte sich der Vorfall. Erneut zeigte er sich in einem Livestream mit einer Waffe. Die Grizzlies suspendierten ihn daraufhin und die NBA sperrte ihn für 25 Spiele.

Morant baut auch sportlich ab

Auch sportlich ging es bergab. In der Saison 2023/24 absolvierte Morant nur neun Spiele, insgesamt sind seit Saisonstart 23/24 nur 79 Partien. Zu seinen Sperren gesellten sich auch immer größere Verletzungsprobleme. In der aktuellen Spielzeit sank seine Scoring-Ausbeute auf den niedrigsten Wert seit der Saison 2020/21.

In seinen 20 Einsätzen erzielte er nur noch 19,5 Punkte pro Spiel. Speziell seine Wurfquoten gingen in den Keller. Dort steht er bei 41 Prozent aus dem Feld und bescheidenen 23,5 Prozent von hinter der Dreierlinie.

Deutlich zu wenig für einen Spieler, der noch bis 2028 unter Vertrag steht und knapp 39 Millionen pro Saison verdient. Da Morant zudem immer wieder mit Trainer Tuomas Iisalo aneinandergeraten sein soll, wollte Memphis ihn traden.

Das von den Grizzlies erhoffte große Paket aus jungen Spielern und Draft Picks wollte aber niemand bieten, weshalb Morant blieb - und aktuell weiterhin nicht spielt.

Auftritt in Berlin hinterlässt Fragezeichen

Der weiterhin erst 26-Jährige selbst war über die Gerüchte rund um seine Person übrigens verärgert. Das zeigte sich auch beim NBA-Spiel seiner Grizzlies gegen die Orlando Magic am 15. Januar in Berlin.

Auf einer Pressekonferenz wurde er von den anwesenden Journalisten mit den Trade-Gerüchten konfrontiert. Er beantworte daraufhin alle Fragen mit maximal einem Satz oder Gegenfragen.

Exemplarisch dafür das Wortgefecht mit einem US-Journalisten, der ihn auf die Berichte ansprach. „Bin ich der Einzige, mit dem du gesprochen hast?“, fragte Morant zurück. Als der Journalist antwortete, dass er mit Leuten aus dem Team und Grizzlies-Mitarbeitern gesprochen habe, sagte er nur kurz angebunden: „Ah, okay. Nächste Frage!“

Damit aber nicht genug: Als ihn ein weiterer Journalist mit den Wechselgerüchten konfrontierte, begann er nur zu lachen und antwortete kurz: „Ich sehe sie. Es ist cool. Ich finde sie lustig.“

Morant fehlt beim Spiel in Berlin

Nach nicht einmal zehn Minuten und ohne echte Aussagen war die PK wieder beendet. Im anschließenden Training ging die seltsame Morant-Show dann weiter. Zunächst schlurfte er nur herum und nahm in 15 Minuten kein einziges Mal den Ball in die Hand, um dann plötzlich komplett energiegeladen zu sein.

Denn er geriet mit seinem Teamkollegen Vince Williams Jr. aneinander. Das Wortgefecht dauerte über eine Minute und war für die Hunderten anwesenden Journalisten mehr als deutlich zu vernehmen.

Beim Spiel gegen Orlando in Berlin kam er nicht zum Einsatz. Sehr zum Ärger von NBA-Chef Adam Silver, der die Attraktion Morant bei so einem globalen Ereignis natürlich präsentieren wollte.

„Ich hätte mir gewünscht, dass er spielen kann. Vielleicht kann er in London mitwirken. Aber klar, ich bin enttäuscht. Er hat eine enorme weltweite Fangemeinde“, sagte Silver auf der Pressekonferenz vor dem Spiel überraschend deutlich.

Morant überzeugt - und fällt wieder aus

Immerhin beim zweiten internationalen Spiel der NBA in London kehrte Morant dann tatsächlich auf das Parkett zurück und überzeugte sportlich. Beim 126:109-Sieg gegen die Magic erzielte er 24 Punkte und 13 Assists und bekannte sich im Nachhinein öffentlich zu den Grizzlies.

Auch in den folgenden Partien spielte Morant gut auf und steuerte durchschnittlich 25,3 Punkte und 8,5 Assists bei. Das Problem: Bereits im vierten Einsatz verletzte er sich erneut.

Mit einer Ellenbogenverletzung fällt er seitdem aus - und spielt womöglich nie wieder für sein Team.

Denn ob die Play-ins für Memphis (21 Siege, 35 Niederlagen) wirklich ein realistisches - bei sechs Siegen Rückstand auf die zehntplatzierten Clippers - und angestrebtes Ziel sind, ist zu bezweifeln; vor allem nach dem Trade von Jaren Jackson Jr. Warum also in den verbleibenden Saisonspielen auf einen (vermeintlichen) Unruhestifter setzen, den man ohnehin traden will - und nicht auf Spieler, die man auch zukünftig im Team sieht?

Morant ist erst 26 Jahre alt

Zur Wahrheit gehört: Morant ist erst 26 Jahre alt und hat weiterhin große Qualitäten. Sollte er sich auf das besinnen, was er kann, seine Fähigkeiten dem Teamerfolg unterordnen und nur noch sportlich für Aufsehen sorgen, kann seine NBA-Geschichte noch eine erfolgreiche Wendung nehmen.

Die Wahrscheinlichkeit ist aber groß, dass dies wenn dann außerhalb von Memphis passieren müsste und die Grizzlies weniger Gegenwert bei einem Tauschgeschäft erhalten würden, als sie sich einst erhofft haben - und das bei einem 26-Jährigen mit der sportlichen Vita eigentlich angebracht wäre.

„Es ist immer noch ein bisschen schockierend zu sehen, wie sein Wert so stark gefallen ist, aber das ist jetzt einfach die Realität“, schreibt auch die Sports Illustrated.

Fragezeichen bestehen reichlich - dafür hat Morant selbst gesorgt.