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NFL: So strickt ein früherer Bundesliga-Macher am deutschen Boom

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NFL: So strickt ein früherer Bundesliga-Macher am deutschen Boom

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Das steckt hinter dem deutschen NFL-Boom

Das steckt hinter dem deutschen NFL-Boom

Das historische Gastspiel von Tom Brady in München ist ein neuer Höhepunkt der NFL-Expansion nach „Good old Germany“. Im SPORT1-Interview erklärt der junge Boss der Deutschland-Filiale, wie er an dem Projekt strickt.
Tom Brady spielt mit den Tampa Bay Buccaneers in München

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Sebastian Mühlenhof
Sebastian Mühlenhof

Bereits die Meldung, dass die NFL in der kommenden Saison erstmals ein Spiel der Regular Season in Deutschland austragen wird, hat zu einer Rieseneuphorie geführt.

Aber seit klar ist, dass kein Geringerer als der auch mit 44 unverwüstliche Tom Brady am 13. November in München auflaufen wird, kennt der Hype kaum noch Grenzen. Mehr als eine halbe Million Ticketanfragen gab es bereits für das Spiel der Tampa Bay Buccaneers gegen die Seattle Seahawks im Bundesliga-Stadion des FC Bayern. Es ist ein neuer Höhepunkt des deutschen NFL-Booms - bei dem inzwischen ein früherer Fußball-Macher eine tragende organisatorische Rolle spielt. (NEWS: Alles zur NFL)

Alexander Steinforth ist seit Februar General Manager für die NFL in Deutschland, der 36 Jahre alte Sportmarketing-Spezialist war zuvor unter anderem Direktor für Strategie, Geschäftsentwicklung und Digitales bei Fortuna Düsseldorf und mischte auch in ähnlicher Funktion bei Manchester United mit.

Im SPORT1-Interview spricht der gebürtige Düsseldorfer über die Deutschland-Expansion der Liga - und was Fans sich künftig noch erwarten können.

SPORT1: Herr Steinforth, was war Ihre erste Reaktion, als das historische Gastspiel von Tom Brady und Co. in Deutschland eingefädelt war?

Alexander Steinforth: Wir haben uns extrem gefreut. Und wenn ich „wir“ sage, dann meine ich nicht nur mich, sondern die gesamte NFL-Familie inklusive der Fans. Wir haben jetzt die wunderbare Startvoraussetzung, dass wir mit Tom Brady das vielleicht bekannteste NFL-Gesicht auf Spielerseite in Deutschland begrüßen dürfen plus die Seahawks, die ja eine riesige Anhängerschaft in Deutschland haben. Deswegen fiebern wir alle dem jetzt bekannten Spieltagsdatum entgegen. (SERVICE: Alle Spiele und Ergebnisse)

Tom Brady in München: „Freuen uns umso mehr“

SPORT1: Wie sehr hilft Bradys Strahlkraft und die der Seahawks, um möglichst viele Menschen nach München zu locken?

Steinforth: Ich glaube, dass wir da in der glücklichen Position sind, dass wir wahrscheinlich auch mit einer anderen Partie erfolgreich das Spiel durchführen könnten bzw. viele Menschen einfach Lust auf NFL in Deutschland haben. Aber dass Tom Brady mit dabei ist, ist nochmal was ganz Besonderes und freut uns deswegen umso mehr. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NFL)

SPORT1: Der Andrang bei den Tickets ist enorm groß. Hätten Sie erwartet, dass Sie bereits über eine halbe Million Anfragen haben, bevor überhaupt das Spiel feststeht?

Steinforth: Also damit zu rechnen, wäre jetzt ein Stück überheblich gewesen. Wir haben es uns aber ein bisschen erhofft, weil wir ja wissen, wie viele Fans immer aus Deutschland nach England oder auch in die USA pilgern, wenn dort Spiele stattfinden. Erwartet haben wir es aber nicht und daher freuen wir uns umso mehr, dass wir nun bei über eine halben Million Ticketanfragen stehen.

Alexander Steinforth ist seit Februar 2022 Chef der NFL Deutschland

SPORT1: Es gibt das Gerücht, dass lediglich 35.000 Tickets in den freien Verkauf gehen sollen. Stimmt das? Wenn ja, wie werden die restlichen Karten vergeben?

Steinforth: Ich kenne die Zahl jetzt nicht, aber wir wollen möglichst vielen Fans die Möglichkeit geben, vor Ort dabei zu sein. Es gibt kleinere Kontingente, die an die Teams und an unsere Partner wie den FC Bayern gehen. Aber der Großteil, und zwar mit Abstand, geht in den freien Verkauf und soll dazu beitragen, dass möglichst viele Fans die Möglichkeit haben, das Spiel vor Ort live zu verfolgen. Wir wollen da keine Veranstaltung haben, die nur mit Hospitality- und Sponsoren-Karten gefüllt ist.

Jugendliche mit Flag Football heranführen

SPORT1: Was für Events wird es im Vorfeld geben, um auf das Spiel einzustimmen?

Steinforth: Das ist ein ganz zentrales Thema für uns, wo wir viel, viel Zeit investieren. Da geht es vor allem darum, was wir in München rund um das Spiel machen. Wir werden Tailgating machen am Spieltag, d.h. es wird eine große Fan-Party rund um das Stadion geben. Einmal für diejenigen, die ein Ticket haben, aber wir wollen natürlich auch schauen, dass wir Fans erreichen, die dieses Glück nicht haben. Insofern sind wir da sehr intensiv in den Planungen und in engem Austausch mit der Stadt München. Darüber hinaus gucken wir aber auch, dass wir kleinere Highlights setzen. Was für Möglichkeiten gibt es für diejenigen, die nicht in München sind, kein Ticket fürs Spiel haben oder am Wochenende keine Zeit haben? Wir sprechen da über unterschiedliche Ideen und gucken, wie wir die Teams, die hier spielen werden, darin integrieren können. Da ist momentan also viel im Gespräch, aber ich will da auch nicht zu viel verraten, da dort noch viel Work-In-Progress ist.

SPORT1: Sie sind jetzt seit rund fünf Monaten im Job - und dürften viel zu tun gehabt haben ...

Steinforth: Ja, es ist extrem viel zu tun, weil wir eben auch viele Themen gleichzeitig angehen müssen. Deswegen gibt es da momentan nicht viel Zeit zum Verschnaufen. Allein schon die Organisation eines Spiels, die wir im engen Austausch mit unseren amerikanischen und englischen Kollegen machen, ist eine Mammutaufgabe, weil es einfach so viel gibt, das sich von einem Bundesliga-Spiel unterscheidet. Drumherum versuchen wir natürlich die Organisation in Deutschland aufzubauen, mit allem, was dazu gehört. Wir kümmern uns um unsere Events, unser großes Projekt Flag Football, was wir jetzt gerade gestartet haben - also ganz, ganz viele Themen, die dort parallel angegangen werden müssen.

SPORT1: Das angesprochene Flag-Football-Programm ist ja ein Schulprojekt, das es bereits in der Vergangenheit schon mal gab. Wie groß ist denn die Nachfrage nach Football in deutschen Schulen?

Steinforth: Der erste Eindruck ist total positiv. Wir haben uns entschieden, das Programm in Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg und Berlin durchzuführen. Ziel ist es, am Ende auf insgesamt 100 Schulen zu kommen. Das werden wir glücklicherweise auch hinbekommen, denn wir haben ein großes Interesse widergespiegelt bekommen. Wir haben auch darüber hinaus Anfragen bekommen wie: Wir kommen aus Stadt xy. Können wir da vielleicht selbst was machen? Oder wann kommt ihr hierhin? Also viel positive Resonanz für ein, wie ich finde, ganz tolles und wertvolles Programm, um einfach noch mehr junge Leute den Sport nahezubringen. Das gilt für Jungs wie auch Mädels, denn wir wollen beide Geschlechter an den American Football heranführen.

Enge Zusammenarbeit mit den „deutschen“ NFL-Teams

SPORT1: Mit den Carolina Panthers, New England Patriots, Kansas City Chiefs und Tampa Bay Buccaneers haben vier Teams die Marketingrechte für Deutschland gesichert. Was haben die denn vor und welche Rolle spielen Sie dabei?

Steinforth: Wir arbeiten ganz eng mit den Teams zusammen und haben regelmäßigen Austausch mit den Teams gemeinsam, aber auch bilateral. Es ist zurzeit so, dass wir mit ihnen intensiv über ihre Einbindung in das Thema Flag Football sprechen. Wir sind also nicht nur Sparringspartner, sondern helfen den Teams auch ganz aktiv, das Land zu verstehen.

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SPORT1: Wie Sie erwähnt haben, haben die vier Teams jeweils ein Draft-Pick aus Deutschland bzw. von einem Deutschen vorlesen lassen. Wie sind die Reaktionen auf diese Idee ausgefallen?

Steinforth: Ich habe jetzt nicht mit jedem einzeln gesprochen, aber das, was wir mitbekommen haben, waren die Beteiligten sehr, sehr zufrieden. Es war ein wichtiger Punkt, um die Sichtbarkeit in Deutschland auszubauen. Wir sind mittlerweile auch in guten Gesprächen mit der Bundesliga über eine Partnerschaft.

Deutscher Nachwuchs und Marcel Dabo

SPORT1: Gibt es auch Überlegungen, Kooperationen mit Football-Teams in Deutschland einzugehen? Bzw. gibt es auch Gespräche mit dem AFVD und der European League of Football?

Steinforth: Wir haben einen guten Austausch mit den Ligen, aber auch mit allen anderen Stakeholdern im Bereich American Football in Deutschland. Wir wollen da ein gutes Miteinander leben, das sich gegenseitig befruchtet.

SPORT1: Würde eine Kooperation helfen, damit mehr deutsche Spieler in die USA ans College und/oder in die NFL kommen?

Steinforth: Das ist eines unserer großen Themen: Wie schaffen wir es, noch mehr deutsche Spieler, noch mehr internationale Spieler insgesamt in die NFL zu bekommen? Das ist etwas, worauf wir alle viel Lust haben - und überzeugt sind, dass es der NFL in Deutschland, international, aber auch in den USA behilflich sein wird. Deswegen ist bei uns ein ganz großer Fokus darauf, die Verzahnung noch besser hinzubekommen und noch weiter auszubauen.

Es gibt die NFL Academy in London. Da geht es darum, deutsche Spieler reinzubekommen - aber auch in das International Pathway Program, über das es Marcel Dabo jetzt in die NFL geschafft hat. Das sind viele, viele Themen, bei denen ganz viel tolle Grundlagenarbeit in den Verbänden und Ligen geleistet wird. Und wir haben großes Interesse, Spieler wie Dabo zu unterstützen, die diesen Weg gehen und idealerweise erfolgreich dabei sind.

SPORT1: Was trauen Sie Dabo bei den Colts zu?

Steinforth: Ich wünsche ihm das Allerbeste und bin selber sehr gespannt. Es gibt da mit Sicherheit andere, die das sportlich besser einschätzen können als ich. Aber was ich mitbekommen habe, auch vom Combine, ist, dass er einen sehr positiven Eindruck hinterlassen und alle schwer begeistert hat. Ich drücke ihm, wie alle aus der Liga, die Daumen, dass das bei den Indianapolis Colts jetzt so weitergeht und dass er sich im Idealfall einen dauerhaften Platz im Kader sichern kann. Es ist mit Sicherheit nicht nur einfach, aber er ist ein supertalentierter Junge, wie man das mitbekommt. (SERVICE: NFL-Wissen - die wichtigsten Begriffe im Football)

So steht es um die NFL im deutschen Fernsehen

SPORT1: Thema NFL im TV: In der vergangenen Saison gab es beim NFL Gamepass vereinzelte Spiele, die auch mit deutschem Kommentar gelaufen sind. Wird dieses Angebot in der kommenden Saison ausgebaut?

Steinforth: Dazu kann ich jetzt noch nichts Konkretes sagen. Da sind wir mit den Medienkollegen noch im engen Austausch. Wir merken aber, dass die Dinge, die wir in der Vergangenheit auf unserer Seite, aber auch mit unseren Medienpartnern angegangen sind - zum Beispiel die noch stärkere Lokalisierung unseres Contents in Form von der ENDZN bei DAZN - extrem positiv aufgenommen wurde. Deswegen ist das etwas, was wir auch in der Zukunft fortschreiben wollen und wo wir immer schauen wollen, wie wir den Fans in Deutschland noch mehr das Gefühl geben können, dass sie Teil des Ganzen sind. Dazu gehört es, dass wir regionalen und lokalen Content haben, um diejenigen abzuholen, deren Englisch entweder nicht so gut ist oder aber bewusst einen deutschen Kommentar hören wollen. (SERVICE: NFL-Wissen - die wichtigsten Regeln im Football)

SPORT1: Nach der Spielzeit laufen die TV-Verträge mit DAZN und ProSieben aus. Wie geht es danach weiter?

Steinforth: Wir sind mitten in den Gesprächen und haben dort sehr positives Feedback aus dem Markt bekommen. Deswegen führen wir momentan auch viele Gespräche. Ich denke, es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis wir verkünden können, wie es weitergeht. Ob es Mai, Juni oder Juli wird, werden wir noch sehen, aber allzu lange wird es nicht mehr dauern.

SPORT1: Also wird es bis Saisonbeginn Klarheit geben?

Steinforth: Genau. Ich denke, dass wir sagen können, dass bis Saisonbeginn feststehen wird, wie es dort weitergeht.

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