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NFL-Trainer empört mit Skandal-Aussagen - mit teuren Folgen für sein Team

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NFL-Trainer empört mit Skandal-Aussagen - mit teuren Folgen für sein Team

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Kostet ein Co-Trainer sein Team 300 Millionen?

Kostet ein Co-Trainer sein Team 300 Millionen?

Der Defensivkoordinator der Washington Commanders verharmlost den gewalttätigen Kapitolsturm nach der Trump-Abwahl - mit offenbar kostspieligen Folgen für sein Team.
Jack Del Rio ist seit 2020 als Defensive Coordinator bei den Washington Commanders im Dienst
Jack Del Rio ist seit 2020 als Defensive Coordinator bei den Washington Commanders im Dienst
© Imago
Martin Hoffmann
Martin Hoffmann
Johannes Vehren
Johannes Vehren

Einen größeren Fauxpas hätte ein Vertreter genau dieses NFL-Teams kaum begehen können.

Jack Del Rio, Mitglied des Trainerstabs bei den Washington Commanders, hat sich mit indiskutablen Äußerungen Riesen-Ärger eingebrockt - der auch für seine Franchise zu einem größeren Problem zu entwickeln droht. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NFL)

Der 59 Jahre alte Del Rio hat den Kapitolsturm nach der Abwahl von Ex-Präsident Donald Trump am 6. Januar 2021 als „Streitigkeit“ (“dust-up“) verharmlost, bei der „nichts niedergebrannt worden“ sei - und mit schiefen Vergleichen zu den Black-Lives-Matter-Protesten für Empörung gesorgt.

Jack Del Rio verharmlost Kapitol-Sturm von Trump-Anhängern

Der ehemalige Pro-Bowl-Linebacker der Minnesota Vikings hatte unter der Woche zunächst mit einem Tweet für Aufsehen gesorgt, in dem er den Kapitolsturm als Ereignis hinstellte, um das es zu viel Aufregung gebe.

„Würde gern ‚die ganze Geschichte‘ verstehen, warum der Sommer der Ausschreitungen, Plünderungen, Brandstiftung und Zerstörung persönlichen Eigentums nie diskutiert wird, das aber schon???“, schrieb Del Rio im Kontext der aktuellen Bewertung der Ereignisse durch einen offiziellen Untersuchungsausschuss. Mit dem „Sommer der Ausschreitungen“ meinte Del Rio die mehrfach von Gewalt überschatteten Proteste gegen rassistische Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd.

Mit einem Versuch, sich vor lokalen Reportern zu erklären, machte es Del Rio dann noch schlimmer: „Die Wohngegenden von Menschen wurden zerstört, Läden sind niedergebrannt, kein Problem. Aber dann gibt es eine Streitigkeit am Kapitol, nichts wird niedergebrannt, und daraus machen wir eine Staatsangelegenheit.“

Del Rio ignorierte damit nicht nur den demokratiefeindlichen Charakter des Kapitolsturms, mit dem Trump-Anhänger die Vereidigung von Nachfolger Joe Biden verhindern wollten - sondern auch ihre keinesfalls harmlosen Folgen: Es gab fünf Todesfälle, über 100 Polizistinnen und Polizisten wurden verletzt, auch der Suizid von insgesamt vier der eingesetzten Polizeikräften hat das Land seitdem aufgewühlt.

Washington Commanders verhängen Strafe - und distanzieren sich

Del Rios Äußerung ist in Amerika bei weitem keine Einzelmeinung, sie spiegelt die Haltung vieler Anhänger und Mitglieder der republikanischen Partei wider, die den Angriff ebenfalls aus Überzeugung oder politischen Kalkül kleinreden.

Nichtsdestotrotz sahen sich die Commanders veranlasst, Konsequenzen zu ziehen und sich klar zu distanzieren.

„Er hat als US-amerikanischer Bürger das Recht, seine Meinung zu äußern und es ist sein verfassungsmäßiges Recht, dies zu tun“, schrieb das Team in einer Mitteilung: „Nichtsdestotrotz haben Worte Konsequenzen und seine Aussagen haben viele Leute unserer Community verletzt.“ Es sei nicht tolerierbar, „die Menschen, die nach dem Mord an George Floyd Gerechtigkeit verlangt haben, in irgendeiner Weise zu vergleichen mit denen, die am 6. Januar unsere Regierung stürzen wollten“.

Die Commanders verhängten auch eine 100.000-Dollar-Strafe gegen den Assistenten von Head Coach Ron Rivera.

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Del Rio kostet Commanders Unterstützung im Kampf um Stadion-Geld

Die Commanders sahen sich wohl auch deswegen zu einer klaren Reaktion genötigt, weil Del Rios Aussagen nicht nur ein moralisches, sondern auch ein (geschäfts-)politisches Problem zu werden drohen.

Die Commanders wollen bis 2027 ein neues Stadion bauen und bemühen sich darum, dieses im angrenzenden Bundesstaat Virginia errichten zu können, möglichst mit Hilfe von Steuergeldern, über die der Staatssenat abstimmen muss - wo aktuell die Demokraten knapp in der Mehrheit sind.

Infolge der Aussagen von Del Rio hat der demokratische Senator Jeremy McPike inzwischen angekündigt, dass er seine Unterstützung für das entsprechende Gesetzesvorhaben aus Protest zurückziehen wird. Ähnlich äußerte sich Senatorenkollege Scott Surovell. (NFL-Transfers - die größten Trades und heißesten Gerüchte im TICKER)

Berichten zufolge hätten die Commanders zuletzt noch mit 300 Millionen Dollar Zuschuss für das 3-Milliarden-Projekt rechnen können, ohnehin weniger als gehofft. Aber nun legen die demokratischen Senatoren nahe, dass die „stadium bill“ wohl ganz durchfällt: „Das war der Sargnagel“ äußerte McPike.

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Del Rio rudert zurück und löscht Twitter-Account

Der Ärger um Del Rio vergrößert die Reizstimmung, die im Umfeld der Commanders ohnehin seit Jahren herrscht: Die Franchise und ihr Besitzer Daniel Snyder haben sich in den vergangenen Jahren mit diversen Skandalen unbeliebt gemacht.

Im vergangenen Jahr etwa kassierten die Commanders eine 10-Millionen-Strafe der NFL, als eine unabhängige Untersuchung ihnen eine toxische Arbeitskultur mit Bullying und sexueller Belästigung attestierte. Auch gegen Snyder persönlich richtet sich ein Vorwurf, 2009 eine Frau in einem Privatjet belästigt zu haben. Hinzu kommt, dass der Unternehmer auch im jahrelangen Streit um die Umbenennung der früheren „Redskins“ oft keine gute Figur abgegeben hat. Zuletzt geriet er auch noch wegen des Verdachts der Bilanzfälschung unter Druck.

Dass die irrlichternden Aussagen von Del Rio da gerade das Letzte waren, was die Commanders brauchen konnten, haben sie inzwischen offensichlich auch ihrem Defensivcoach deutlich vermittelt.

Del Rio - früher selbst auch Head Coach in Jacksonville und Oakland - hat mittlerweile kleinlaut um Entschuldigung gebeten: „Diese Situation als ‚dust-up‘ zu bezeichnen, war unverantwortlich und fahrlässig, und es tut mir leid. Ich stehe zu meiner Aussage, die Gewalt in Gemeinden im ganzen Land zu verurteilen. Ich sage das, während ich gleichzeitig meine Unterstützung als amerikanischer Bürger für friedliche Proteste in unserem Land zum Ausdruck bringe.“

Seinen Twitter-Account hat Del Rio inzwischen gelöscht.

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