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NFL-Drama sorgt für Entsetzen: "Wir sehen zu, wie unsere Helden jung sterben"

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NFL-Drama sorgt für Entsetzen: "Wir sehen zu, wie unsere Helden jung sterben"

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NFL-Drama: „Sehen zu, wie sie sterben“

NFL-Drama: „Sehen zu, wie sie sterben“

Dolphins-QB Tua Tagovailoa muss gegen die Cincinnati Bengals nach einem harten Hit vom Platz. Nun macht ein Experte für Gehirnerschütterungen Miami schwere Vorwürfe, die das Team zurückweist.
Die NFL geht in ihre 103. Saison. Mit dabei sind die Superstars Tom Brady, Patrick Mahomes und viele mehr.
Manuel Habermeier
Manuel Habermeier

Gegen Ende des zweiten Viertels musste Dolphins-Quarterback Tua Tagovailoa nach einem harten Hit von Bengals-Tackle Josh Tupou auf der Trage das Feld verlassen. Zuvor wurde der 24-Jährige minutenlang auf dem Spielfeld behandelt. Unmittelbar nach dem Aufprall auf den Boden schien er auch die Kontrolle über seine krampfenden Arme verloren zu haben. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NFL)

Für Dr. Chris Nowinski, ein ehemaliger WWE-Star und nun Neurowissenschaftler und Experte für Gehirnerschütterungen, ist das ein eindeutiges Anzeichen für eine Gehirnerschütterung. Dass Dolphins-Headcoach Mike McDaniel nach dem Spiel auf der Pressekonferenz angab, dass „Tua nichts Schlimmeres als eine Gehirnerschütterung“ davongetragen habe, brachte den 44-Jährigen komplett in Rage. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NFL)

„Der Typ hat es einfach nicht kapiert“, postete der Gründer der Concussion Legacy Foundation im Anschuss via Twitter und fügte als Arzt hinzu: „Eine Gehirnerschütterung ist eine traumatische Hirnverletzung und die Körperhaltung deutet auf eine Hirnstammverletzung hin. Sie steht ziemlich weit oben auf der Liste der ernsten medizinischen Folgen des Footballs.“ (SERVICE: NFL-Wissen - die Positionen im Football)

Wut über Dolphins-Aussagen

Noch mehr als diese Aussage brachte den Experten jedoch die Tatsache auf die Palme, dass es nicht der erste Vorfall mit Tagovailoa in dieser Saison war. Erst am vergangenen Sonntag gegen die Buffalo Bills war der Fins-Spielmacher ebenfalls nach einem harten Hit zu Boden gegangen. Damals kehrte er jedoch wieder ins Spiel zurück.

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„Es war sehr wahrscheinlich, dass er nochmal eine Gehirnerschütterung erleidet“, benannte Nowinski das Risiko bei dessen schnellen Rückkehr in der Jason Smith Show auf Fox Sports. Dabei habe niemand über die möglichen Folgen nachgedacht. „Zwei Gehirnerschütterungen in fünf Tagen können einen umbringen. Und selbst, wenn sie einen nicht umbringen, kann es ein lebensveränderndes Ereignis sein.“

Er selbst wisse nicht nur als Arzt, sondern auch aus eigener Erfahrung um die Gefahren: „Ich hatte zwei Gehirnerschütterungen in einem Monat bei WWE. Es hat meine Karriere beendet und ich musste noch lange mit den Folgen leben.“ Nowinski sprach noch eine weitere drastische Warnung aus: „Wir sehen zu, wie unsere Helden viel zu jung sterben und das ist eine Schande.“ Nowinski weiß, wovon er spricht: Er hat sich intensiv befasst mit Fällen wie dem von Junior Seau, der 2012 mit 43 Suizid beging - oder auch dem seines früheren WWE-Kollegen Chris Benoit, der infolge seiner physischen und psychischen Deformation sogar zum Mörder wurde.

Nowinski fordert nun wegen Tagovailoa auch: „Feuert den Medizinstab und die Trainer.“

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Unter der Woche war Tagovailoa im offiziellen Verletzungsprotokoll der NFL als „questionable“ (fraglich) gelistet, jedoch wegen einer Verletzung im unteren Rückenbereich, nicht wegen der Kopfverletzung.

Spielergewerkschaft fordert Untersuchung

Die Spielergewerkschaft NFLPA zeigte sich darüber in einem Statement verwundert und verlangte Einblick in das Protokoll. „Die Gesundheit und Sicherheit der Spieler ist ein Kern unserer Mission“, schrieb sie: „Heute sind unsere Gedanken bei Tua und wir wünschen ihm schnelle und vollständige Genesung. Unsere Untersuchung einer potenziellen Protokoll-Verletzung läuft.“ (NEWS: Böser Verdacht nach NFL-Schock)

Dass der Mann aus Hawaii nach dem Vorfall in der Vorwoche überhaupt wieder eingesetzt wurde, konnte Dr. Nowinski kaum fassen: „Das ist absurd“, bewertete er diesen Umstand und stellte eine klare Forderung an die Liga: „Die NFL muss aus diesem Vorfall lernen. Sie muss da einschreiten und sagen: Er kann nicht spielen.“

„Sie haben sein Leben aufs Spiel gesetzt“

Die Dolphins jedoch spielten mit dieser Entscheidung nach Nowinskis Meinung mit dem Leben ihres Star-Quarterbacks. „Die Dolphins haben so viele Experten. Aber sie haben sein Leben aufs Spiel gesetzt“, machte er der Franchise schwere Vorwürfe.

Diese Vorwürfe lässt McDaniel nicht auf sich sitzen. Auf einer Pressekonferenz am Freitag sagte er: „Wir sind eine Spieler-freundliche Organisation und ich mache es seit Beginn sehr deutlich, dass ich meinen Job für die Spieler mache. Ich nehme das sehr ernst. Niemand in dieser Organisation weicht davon ab.“

Deswegen machte er auch klar: „Ich hätte ihn nicht eingesetzt, wenn mir irgendein Hinweis gegeben worden wäre, dass er sich selbst durch das vorherige Spiel wieder in Gefahr bringen würde.“ Der Miami-Trainer habe zudem während der Vorbereitung auf die Partie nicht den Eindruck gehabt, dass Tagovailoa sich anders verhalten hätte als sonst und wirkt bei der Gegner-Analyse so präzise wie zuvor.

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Tagovailoa hat sich derweil auf Twitter für die Genesungswünsche bedankt und explizit die „Unterstützung und Fürsorge der Dolphins“ hervorgehoben. „Ich fühle mich bereits viel besser und fokussiere mich nun auf den Heilungsprozess, damit ich wieder mit meinem Teamkollegen auf dem Feld spielen kann“, schrieb er.

Dennoch hatte Nowinski einen gutgemeinten Rat an den Dolphins-Quarterback: „Wenn Tua jetzt nicht kapiert, dass sich die Dolphins nicht im Geringsten um seine Zukunft sorgen, dann muss er endlich aufwachen. Ich an seiner Stelle, mit meinem Wissen, würde das Dolphins-Trikot nicht mehr anziehen.“ (SERVICE: NFL-Wissen - die wichtigsten Begriffe im Football)

Generell zeigte sich der Wissenschaftler ziemlich desillusioniert ob dieser Thematik. „Wie viele Menschen müssen auf dem Feld oder 20 Jahre nach ihrer Karriere wegen dieser Kopfverletzungen sterben? Ich bin dieser Diskussion so überdrüssig.“

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