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NFL: Ein Superstar wird zur Witzfigur

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NFL: Ein Superstar wird zur Witzfigur

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Ein Superstar wird zur Witzfigur

Die Denver Broncos investieren viel, um in Russell Wilson den erhofften fehlenden Baustein für den Angriff auf den Super Bowl zu bekommen. Aber bislang scheitert dieser Plan krachend.
Die Seattle Seahawks haben Star-Quarterback Russell Wilson zu den Denver Broncos getradet. Auch das Aus eines weiteren Stars ist besiegelt.
Manuel Habermeier
Manuel Habermeier

Diesen Absturz hatte so wohl keiner kommen sehen!

In der zwölften Woche der Regular Season setzte es für die Denver Broncos mit der 10:23-Pleite bei den Carolina Panthers bereits die achte Niederlage bei nur drei Siegen. Lediglich die Houston Texans (1-9) sind in der AFC noch schlechter als das Team von Headcoach Nathaniel Hackett. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der NFL)

Dementsprechend blank liegen die Nerven bei den Broncos.

NFL: Wilson vom Teamkollegen angeschrien

Mit 17 Punkten Rückstand im vierten Viertel ließ Defensive Tackle Mike Purcell seinem Frust freien Lauf und motzte an der Seitenlinie seinen Mitspieler an.

Vor aller Augen faltete er aber nicht irgendeinen Spieler zusammen - sondernSuperstar Russell Wilson.

Der Quarterback selbst versuchte hinterher, die Wogen zu glätten, und erklärte: „Mike und ich sind auf derselben Seite. Er kam raus, nachdem Carolina das Field Goal getreten hatte und er war sauer und sagte nur: ‚Wir müssen loslegen.‘ Da gibt es überhaupt keine Feindseligkeit.“

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Dennoch dürfte es kein Zufall sein, dass sich der Verteidiger der Broncos ausgerechnet Wilson ausgesucht hatte, um seinen Frust abzulassen.

Broncos schnüren Mega-Trade für Russell Wilson

Der Quarterback, der am 29. November seinen 34. Geburtstag feierte, wurde als fehlender Baustein geholt, um eine starke Broncos-Mannschaft zu einem ernsthaften Super-Bowl-Contender zu machen. (BERICHT: Das macht den Wilson-Trade pikant)

Dafür waren die Verantwortlichen um General Manager George Paton bereit, viel zu investieren. Drew Lock (Quarterback), Noah Fant (Tight End), Shelby Harris (Defensive End), jeweils ein Erst- und Zweitrunden-Pick 2022, ein Erst- und Zweitrunden-Pick 2023 sowie einen Fünftrunden-Pick 2022 haben die Seattle Seahawks bekommen. (BERICHT: Russell Wilson - Eine Ära geht zu Ende)

Viel Kapital für einen Quarterback, der allerdings bewiesenermaßen in den bis dato zehn Jahren seiner NFL-Karriere zu den besten Spielmachern der Liga gehörte. Zudem hatte er die Seahawks 2013 in seiner zweiten NFL-Saison zum Super-Bowl-Triumph geführt - just gegen die Denver Broncos. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur NFL)

Top-Defense - aber miese Offense um Wilson

Dies erhoffte man sich in Denver ebenfalls - und wurde in dieser Saison mehr als enttäuscht. Wie bereits in der vergangenen Spielzeit haben die Broncos eine der besten Verteidigungen der Liga. Nur 3.370 Gesamt-Yards hat Denver bislang dem Gegner erlaubt. Lediglich die San Francisco 49ers (3.099) und Philadelphia Eagles (3.348) sind noch besser. (DATEN: Alle Tabellen der NFL)

Vor allem durch die Luft ist der Broncos-Defense kaum beizukommen. Gerade einmal sechs Yards pro Wurf wurden dem Gegner bislang zugestanden. Kein Team hat nach Woche zwölf einen besseren Wert.

Allerdings liegt in der Passing Offense vieles im Argen - und genau da kommt Wilson ins Spiel. Der Mann aus Cincinnati, den die Broncos bis 2029 für rund 295 Mio. Dollar unter Vertrag genommen haben, ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Mit einem Total QB-Rating von 32,2 bei einem Maximalwert von 100 hat er den schlechtesten Wert aller Starter auf der Position des Spielmachers in dieser Saison.

Es ist der mit Abstand schlechteste Wert des Drittrunden-Picks von 2012. Noch nie hatte er einen Saisonwert unter 50. Seine bislang schwächste Spielzeit hatte er 2016, als er auf ein Rating von 57,1 kam. In den vergangenen fünf Jahren lag er permanent über 60 - ein starker Wert.

Spott für Wilson und ein frustrierender Vergleich

Der Wilson-Deal wird deshalb bereits mit dem legendären Herschel-Walker-Trade verglichen - kein Kompliment, wenn man bedenkt, dass dieser als der vielleicht schlechteste Deal der NFL-Geschichte gilt.

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In der Saison 1989 angelten sich die Minnesota Vikings den Running Back von den Dallas Cowboys samt dreier Draft Picks. Dafür schickten sie vier Spieler und acht Draft Picks nach Dallas. (NFL-Transfers - die größten Trades und heißesten Gerüchte im TICKER)

„Ein Agent sagte mir, dies sei der größte Handel in der Geschichte der NFL. Ein Besitzer sagte mir, es sei der große Zugüberfall“, kommentierte der damalige Cowboys-Coach Jimmy Johnson bei UPI dereinst den Trade.

In der Folge kamen die Vikings mit Walker nur einmal in die Playoffs, wo man im ersten Spiel ausschied. Für Dallas war der Deal der Grundstein für die drei Super-Bowl-Erfolge 1992, 1993 und 1995.

Häme von Konkurrenz und Fans

Selbst von der Konkurrenz muss Wilson nun schon Hohn und Spott einstecken.

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Ein Video mit Justin Tucker ging viral. Darin witzelte der Ravens-Kicker über die Aussagen des Broncos-QB, dass er im Flieger noch Trainingseinheiten absolvieren würde.

Hintergrund waren Berichte, wonach Wilson die Reise nach London zum Duell mit den Jaguars im Flieger mit Kniehebe-Läufen verbracht hatte.

Auch für Fans in den sozialen Medien war das natürlich ein gefundenes Fressen, sobald es bei Wilson nicht lief.

Bezeichnend: Unter dem Tweet, mit dem die Broncos ihrem Quarterback zum Geburtstag gratulierten, überschlugen sich User mit Scherzen und Spott für Wilson.

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NFL nimmt Wilson aus dem Rampenlicht

Und auch die Liga scheint den strauchelnden Superstar lieber verstecken zu wollen.

Am 11. Dezember hätte eigentlich das Duell der Superstars Patrick Mahomes (Kansas City Chiefs) gegen Wilson das Prime-Time-Spiel am Sonntagabend sein sollen.

Stattdessen bekommen die Fans nun aber die Los Angeles Chargers gegen die Miami Dolphins zu sehen.

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Wilson hat seine Stärken verloren

Ähnlich wie die Vikings beim Herschel-Walker-Trade dürften sich die Broncos momentan fühlen. In der Offense liegt das Team auf dem letzten Platz.

Gerade einmal 157 Punkte haben Wilson und Co. bislang aufs Scoreboard gebracht. Mit 14,3 Punkten pro Spiel stellen sie laut milehighreport.com die achtschlechteste Offense der Liga seit 2010.

Besonders bezeichnend dabei ist die Schwäche in der Red Zone - eigentlich genau die Stärke Wilsons in den vergangenen Jahren. 2021 - trotz Fingerverletzung - lag er mit einem Quarterback Rating von 91,9 noch ligaweit an erster Stelle. (SERVICE: NFL-Wissen - die wichtigsten Begriffe im Football)

Überhaupt war in den fünf Spielzeiten von 2017 bis 2021 kein Quarterback besser als Wilson im Bereich kurz vor der Endzone. In dieser Saison ist er auf den letzten Platz durchgereicht worden. Sein QBR zwischen er 20-Yard-Linie und der Endzone liegt laut ESPN bei indiskutablen 6,3!

Dafür verantwortlich könnte auch Wilsons mangelnde Beweglichkeit sein. In den vergangenen Jahren konnte der achtmalige Pro-Bowler durchbrechenden Verteidigern immer wieder ausweichen und trotzdem den Ball an den Mann bringen.

In den vergangenen beiden Jahren war er der siebt- (2020) bzw. zehntbeste (2021) Quarterback der NFL gegen den Blitz, also wenn er aggressiv unter Druck gesetzt wurde. In diesem Jahr steht er nur noch auf Rang 28. In rund 27 Prozent der Fälle, wenn er unter Druck gerät, gelingt der Defense auch ein Sack. Hier hat sich seine Quote um sieben Prozentpunkte verschlechtert.

In zehn Spielen der aktuellen Regular Season hat er bereits 35 Sacks hinnehmen müssen und damit schon mehr als in der kompletten vergangenen Spielzeit (33 in 14 Spielen).

Aber nicht nur seine Beweglichkeit scheint abgenommen zu haben, seine Präzision lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Seine Completion Rate unter Druck hat sich 2022 um zehn Prozent verschlechtert.

Verletzungspech der Broncos: Wo ist Wilson?

Natürlich hat Wilson auch mit enormen Verletzungspech in der Offense zu kämpfen. Mit Receiver Tim Patrick und Running Back Javonte Williams haben sich gleich zwei wichtige Spieler mit Kreuzbandriss verabschiedet, mit Jerry Jeudy fehlt gerade ein weiterer Top-Passempfänger.

Auf die Running Backs Mike Boone und Chase Edmonds muss Denver ebenfalls verzichten. Passfänger KJ Hamler fehlte zeitweise auch noch. Dazu ist Albert Okwuegbunam in Ungnade gefallen, weshalb er seit Wochen nicht mehr zum Einsatz kommt. (SERVICE: NFL-Wissen - die Positionen im Football)

Auch der O-Line fehlen mit drei Stammspielern ganz entscheidende Teile: Center Lloyd Cushenberry und die beiden Tackles Garett Bolles und Billy Turner sollten Wilson eigentlich beschützen - ihr Fehlen reißt im wahrsten Sinne des Wortes Löcher in die O-Line.

Doch auch für solche Situationen zahlen die Broncos ihrem Superstar knapp 300 Mio. Dollar. Bei den Seahawks hatte Wilson ebenfalls immer wieder mit Verletzungspech in der Offense zu kämpfen. Mit seinen außerordentlichen Fähigkeiten gelang es ihm damals aber, diesen Nachteil auszugleichen.

Doch genau diese Stärken scheinen dem Superstar nun in Denver abhandengekommen zu sein.

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