Der ewige Zweite. Gut, aber nie im Finale. Und wenn, dann garantiert der Verlierer. Diese Art von Team möchte niemand sein - und doch gibt es sie im Sport. Mannschaften, denen ein Titel nie vergönnt zu sein scheint.
Das Vizekusen der NFL?
Holt dieses Team nie den Super Bowl?
In der Bundesliga handelte sich Bayer Leverkusen über Jahrzehnte dadurch die Bezeichnung „Vizekusen“ ein. Für die Werkself endete der Fluch erst am 14. April 2024, als die Mannschaft nach einer elf Jahre andauernden Dominanz des FC Bayern den Meistertitel holte. Doch nicht jeder Mannschaft ist dieses Glück vergönnt.
In der besten Football-Liga der Welt gibt es derzeit ein Team, welches erstaunlich an das Vizekusen von einst erinnert: Die Buffalo Bills. Eine Franchise, die schon seit Jahrzehnten ein gewisses Image mit sich herumschleppt.
NFL: Buffalo Bills noch ohne Super-Bowl-Sieg
Von 1990 bis 1993 standen die Bills viermal in Folge im Super Bowl – und verloren jeden einzelnen. Ein Trauma für die Bills Mafia, die leidenschaftliche Anhängerschaft. Mehr als 30 Jahre sind seither vergangen, der Einzug in das NFL-Endspiel gelang nicht mehr.
An sich schon eine traurige Statistik, die noch trauriger wird durch die Tatsache, dass die Bills seit Jahren eines der talentiertesten Teams sind und regelmäßig als Super-Bowl-Kandidat gehandelt werden. In der laufenden Saison hat die Enttäuschung aber noch einmal eine andere Qualität.
Denn eigentlich schien endlich alles bereit für den großen Triumph, was weniger an den Bills selbst lag, als an den anderen Playoff-Teams.
Mahomes, Burrow und Jackson nicht in den Playoffs
2018 startete MVP-Quarterback Josh Allen in Buffalo seine Karriere. Nach einer Rookie-Saison ohne Playoffs zog das Team in der Folge jedes Jahr in die Postseason ein – und scheiterte wieder und wieder.
Unfassbare viermal war gegen die Kansas City Chiefs um Patrick Mahomes Endstation, zudem einmal gegen die Houston Texans und einmal gegen die Cincinnati Bengals. In der Divisional Round der aktuell laufenden Postseason scheiterte das Team dramatisch mit 30:33 in der Overtime gegen die Denver Broncos.
Dabei sah gerade diese Saison alles wie gemalt für die Bills aus: Mahomes hatte mit den Chiefs die Playoffs verpasst – genau wie Joe Burrow mit den Cincinnati Bengals und Lamar Jackson mit den Baltimore Ravens. Die anderen Star-Quarterbacks der AFC waren frühzeitig eliminiert, der Weg für Allen schien frei.
Doch Youngster Bo Nix, erst in seinem zweiten Jahr in der NFL, war mit den Denver Broncos zu stark. Dass sich Nix kurz vor Ende des Spiels, in dem er Allen und Co. eliminierte, das Sprunggelenk brach und für den Rest der Saison ausfällt, lässt das Aus der Bills nur noch grotesker erscheinen.
Owner und GM mit seltsamen Auftritt
In Abwesenheit der anderen Top-Signal-Caller reichte es wieder einmal nicht für den Super Bowl. Es reichte sogar nicht einmal für das Championship Game. Eine Tatsache, die für den eigentlich so erfolgreichen Head Coach Sean McDermott Konsequenzen hatte.
Nach neun Jahren, einer Bilanz von 98-50 und acht Playoff-Teilnahmen ist Schluss. Team-Owner Terry Pegula nahm dazu in der Saisonabschluss-Pressekonferenz Stellung. Eine Veranstaltung, die durchaus seltsam anmutete.
Gemeinsam mit dem zuvor umstrittenen General Manager Brandon Beane, der inzwischen zum President of Football Operations befördert wurde, stellte er sich den Fragen der Journalisten – und fiel Beane dabei wieder und wieder ins Wort.
Coach McDermott muss gehen
„Meine Entscheidung, einen neuen Trainer einzustellen, basierte auf dem Ergebnis unseres Spiels in Denver“, stellte der Owner klar. Die kontroverse Interception in der Overtime im Spiel gegen Denver soll derweil nicht ausschlaggebend gewesen sein.
„Ich habe Coach McDermott nicht wegen einer Fehlentscheidung der Schiedsrichter entlassen. Wenn ich Sie mit in diese Kabine nehmen könnte - ich hatte das Gefühl, dass wir Jahr für Jahr gegen die sprichwörtliche Wand in den Playoffs gerannt sind.“
Und weiter: „13 Sekunden, ein verpasstes Field Goal, ‚The Catch‘. Ich habe in dieser Kabine einfach gespürt: Wie soll es von hier aus mit dem, was wir haben, noch weitergehen? Und das war die Grundlage für meine Entscheidung."
Josh Allen nach Pleite verzweifelt
Die traurige Stimmung in der Kabine, verzweifelte Spieler, ein weinender Josh Allen, der gegen die Broncos vier Turnover verursachte: Die Bills sind am Tiefpunkt angekommen – und haben noch weitere Baustellen.
Der beförderte General Manager Beane, der auch weiterhin als GM arbeiten wird, hat alles andere als einen guten Ruf. Seine Draft-Entscheidungen sorgen schon seit geraumer Zeit für Stirnrunzeln, speziell die Wide-Receiver-Position irritiert wiederholt.
Zuletzt suggerierten US-Medienberichte, die Kritik von Ex-Cheftrainer McDermott an der Kaderzusammenstellung von Beane sei ein Grund für die Entlassung des Übungsleiters gewesen.
Keon Coleman als leidiges Thema
Davon wollte Owner Pegula aber nichts wissen. So nannte er die zuletzt errungenen sieben Playoff-Teilnahmen in Folge einen Beweis der Kaderstärke.
In diesem Zusammenhang äußerte sich der Milliardär auch zum leidigen Thema Keon Coleman. Der Passempfänger wurde im Draft 2024 ausgewählt und kann seither die Erwartungen sportlich nicht erfüllen. Dazu kommen disziplinarische Probleme, mehrfach wurde er zuletzt an Spieltagen nicht für den Kader berücksichtigt.
Die Verpflichtung des Youngsters, das versuchte Pegula nun klar zu machen, ging einst auf die Kappe von McDermott und seiner Assistenten. GM Beane habe sich derweil nur wie ein „Teamplayer“ verhalten und ihn auf Wunsch der Coaches gedraftet.
Das Problem: Unzählige Videos von hinter den Kulissen zeigen, wie begeistert Beane einst von Coleman war – was Pegula freilich nicht erwähnte.
Ein Erfolgscoach muss her
Nach der wohl größten Playoff-Enttäuschung der jüngeren Vergangenheit müssen sich die Verantwortlichen rund um das Highmark Stadium nun sammeln. Das Wichtigste: Für die kommenden Aufgaben braucht es den richtigen Cheftrainer.
Josh Allen wird bei der Suche nach diesem in jedem Fall mit einbezogen, das stellte Pegula bereits klar. Damit der bald 30-jährige Quarterback und sein Team nicht zum ewigen Vizekusen der NFL mutieren, braucht es einen Durchbruch – und das so schnell wie möglich.