Besser hätte es der Fan in der ersten Reihe die Gemütslage der New England Patriots nicht zusammenfassen können. Auf dem weißen Schild stand in dunkelblauer Schrift: „Die guten alten Tage sind zurück.“ Das 28:16 der Patriots gegen die Houston Texans in den NFL-Playoffs war ein weiterer Beleg für die Aussage des Anhängers. Denn: Nun trennt die Franchise nur noch ein Sieg gegen die Denver Broncos vom nächsten Super Bowl.
NFL: Die unerwartete Auferstehung eines Giganten
Unerwartete Auferstehung eines Giganten
Dabei hatte vor der Spielzeit wohl niemand auf die Patriots gewettet. Der ehemalige Serienmeister verschwand in den vergangenen Jahren in der Versenkung. Zuletzt zog das Team 2021 in die Playoffs ein. Zwischen 2022 und 2024 steht eine Bilanz von 16:35 zu Buche.
Zudem schaffte die Organisation den Generationswechsel auf vielen Ebenen nicht. Nach dem Abschied von Tom Brady im Jahr 2020 fand man keinen Quarterback-Nachfolger mit der nötigen Qualität. Coach Bill Belichick fand keine modernen Lösungen mehr und ging 2023 nach 23 Spielzeiten.
Doch auch sein Nachfolger Jerod Mayo ging schnell unter und musste nach nur einer Saison gehen. Doch als beim Champion von 2001, 2003, 2004, 2014, 2016 und 2018 alles nach weiteren Spielzeiten am Tabellenende aussah, wendete sich das Blatt plötzlich.
Vrabel erweckt die Patriots
Besitzer Robert Kraft holte mit Mike Vrabel einen neuen Coach und landete einen Glücksgriff. Einst lief Vrabel 14 Jahre lang als Linebacker in der NFL auf. Von 2001 bis 2008 spielte er für die Patriots und feierte drei Super-Bowl-Erfolge.
Als Trainer sorgte er von 2018 bis 2023 bei den Tennessee Titans für erste Ausrufezeichen und fiel schon damals vor allem mit seiner spielernahen Art auf. Diese besondere Eigenschaft hat er nun auch zu den Patriots mitgebracht.
Im Training und sogar vor den Partien ist sich Vrabel nicht zu schade, seine Spieler aufzuwärmen und teilweise bei den Tackles umzuhauen. Im Playoff-Spiel gegen die Los Angeles Chargers freute sich der Coach so sehr mit Defensive Tackle Milton Williams, dass er sich am Helm seines Spielers eine blutige Lippe holte. Und Vrabel? Der lachte herzlich.
In nicht einmal einem Jahr änderte der Trainer alles. Mit einem Team ohne echten Star schaffte er eine Bilanz von 14:3. Denn der große Glamour-Faktor der Brady-Tage ist nicht mehr zu finden. Am ehesten sorgt Receiver Stefon Diggs durch seine Beziehung zu Rapperin Cardi B noch für Schlagzeilen.
Maye führte die Offensive an
In der Offensive führt Quarterback Drake Maye ganz unspektakulär sein Team an. In seiner zweiten Spielzeit stieg er dennoch zu den Superstars auf und überzeugte mit 4.394 Yards, 31 Touchdowns und nur acht Interceptions.
Zur Wahrheit des Erfolgs gehört aber auch: Die Patriots hatten einen der leichtesten Spielpläne. Von den Topteams ging es nur zwei Mal gegen die Buffalo Bills. Mit den Pittsburgh Steelers und den Carolina Panthers erreichten nur zwei weitere Gegner die Playoffs.
Und von den drei Niederlagen für die Patriots gab es ein Mal gegen die Bills sowie die Steelers Niederlagen. Auch die Siege in den Playoffs gegen die schwachen Chargers und die überforderten Texans ließen Fragen offen.
Nun ist aber auch der nächste Gegner arg geschwächt. Bei den Broncos hat sich Quarterback Bo Nix den Knöchel gebrochen. Es sieht also so aus, als könnte der Fan wieder sein Schild hochhalten und von den guten alten Erfolgszeiten weiterträumen.