Der Aufschrei der Empörung, vor allem dessen Lautstärke und die Qualität der Absender, sagt eigentlich schon alles darüber aus, was für ein Skandal diese Entscheidung ist.
NFL-Tiefschlag für Belichick - hinterhältig und peinlich
Meinung: Ein absoluter Skandal
Bill Belichick nicht bei erster Gelegenheit in die Hall of Fame der NFL aufzunehmen, ist eine Farce, ein absoluter Skandal. Zumindest Teile des 50-köpfigen Wahlkomitees sorgen dafür, dass die Hall of Fame ein peinliches Bild abgibt.
NFL: Warum wird Belichick von der Hall of Fame abgewatscht?
Wenn aktuelle NFL-Superstars wie Patrick Mahomes deine Entscheidung „irre“ nennen, Legenden vom Status eines JJ Watt entgeistert sind und sich selbst NBA-Ikone LeBron James zu Wort meldet, um dein Vorgehen als „unverschämt und respektlos“ abzuwatschen - ja dann hast du offensichtlich richtig Mist gebaut.
Eigentlich sollte man Belichicks sportliche Verdienste nicht erwähnen müssen, um klarzustellen, was für ein No-Brainer seine Aufnahme in die Hall of Fame ist, aber aus gegebenem Anlass ganz kurz: Insgesamt acht Super Bowls hat dieser Mann gewonnen, die ersten zwei als Assistent und Defensiv-Guru bei den New York Giants, sechs weitere als Headcoach der New England Patriots. Kein anderer Trainer hat mehr als viermal den Super Bowl geholt. Dazu hat Belichick zusammen mit Tom Brady bei den Patriots die größte Dynastie der NFL - mindestens der Neuzeit - begründet.
Kurz: Wenn Belichick kein First-Ballot Hall-of-Famer ist - dann ist es niemand. Trotzdem erhielt er nicht die erforderlichen 40 von 50 Stimmen aus dem Komitee der Medienvertreter, die für diese Wahl zuständig sind. Was soll das?
Spy-Gate und Deflate-Gate reichen als Gegenargument nicht
Natürlich kann man Belichick zur Last legen, dass seine Karriere nicht frei von (sportlichen) Skandalen ist. Spy-Gate (dem unerlaubten Abfilmen gegnerischer Trainings) und Deflate-Gate (zu lasch aufgepumpte Bälle in einer Halbzeit des Championship Games 2015 gegen die Indianapolis Colts) werfen selbstverständlich einen Schatten auf seine Karriere. Gegner mögen sagen: Das sind nur die Skandale, bei denen Belichick erwischt wurde.
Klar ist: Belichick war und ist streitbar, dehnte und testete die Regeln, wo es ging, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Nur: Wer glaubt, dass er damit in der NFL-Geschichte der Einzige wäre und dass dies nicht an vielen anderen Stellen ähnlich passiert, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.
Votum eine Beleidigung für eine absolute NFL-Legende
Sportlich gibt es schlicht kein valides Argument gegen Belichick in der Hall of Fame, auch wenn seine letzten Jahre bei den Patriots grausam waren und die aktuelle Episode des mittlerweile 73-Jährigen als College-Headcoach bei den North Carolina Tar Heels samt seiner erst 24 Jahre alten Freundin Jordon Hudson im Schlepptau eher für Kopfschütteln sorgt.
Warum diese absolute NFL-Legende von der Hall of Fame so abgewatscht wurde, darüber kann man nur spekulieren, bis sich womöglich einige der Abstimmenden öffentlich äußern und erklären. Dass der extrem kauzige Coach alles andere als ein Medienliebling war, mag dabei durchaus eine Rolle gespielt haben. Ebenso wie die Möglichkeit, dass ihm hier aus persönlichen Animositäten ein Denkzettel verpasst werden sollte. Es wirkt aber wie ein peinlicher Tiefschlag, Belichick so zu blamieren, ist hinterhältig und peinlich.
Ex-Coach Jimmy Johnson, selbst zweimaliger Super-Bowl-Sieger und 2020 in die Hall of Fame aufgenommen, mag Recht haben, wenn er gegen die „kleinen, neidischen Wähler“ schießt, die Belichick so bloßgestellt haben. Für den erfolgreichsten Coach der NFL-Geschichte ist dieses Votum eine Beleidigung.