Die NHL ließ sich nicht lumpen. Gleich zwei Hotels in München buchte die Eishockeyliga und fuhr ihre deutschen Stars um Leon Draisaitl zum europäischen „Media Day“ auf. Das eindeutige Zeichen: Wir nehmen Deutschland ins Visier.
Wirbel um NHL-Pläne in Deutschland: "Muss besser abgestimmt werden"
NHL-Offensive sorgt für Ärger
Sechs Ligaspiele mit Draisaitl, Tim Stützle, John-Jason Peterka und Trainer Marco Sturm sind in diesem und dem nächsten Jahr vorgesehen, sogar das erste Freiluftspiel in Europa – in der Allianz-Arena des FC Bayern – ist im Gespräch. „Wenn wir die Fanbase erweitern und die Entwicklung in Deutschland verbessern können, wird es ein vorrangiger Markt für uns werden“, sagte NHL-Vize Bill Daly.
Schweden, Finnland und Tschechien seien als Märkte nach zahlreichen NHL-Spielen in den letzten Jahren „etabliert“, nun rückt Deutschland „mit der größten Bevölkerung Europas“ in den Blick der Klubbosse.
DEL von der NHL überrumpelt
Erst zwei Spiele im Dezember in Düsseldorf mit Stützles Ottawa Senators, ein Jahr später je zwei in München mit Peterka und Sturm sowie in Köln mit Superstar Draisaitl – und „in naher Zukunft“ ein Match unter freiem Himmel, mit München als Topkandidat wegen der Kooperation mit dem FC Bayern.
Überrumpelt von der Offensive wurde die Deutsche Eishockey Liga (DEL). „Weder der DEB noch die DEL oder die Klubs sind im Vorfeld eingebunden worden“, sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke dem SID: „Die NHL kommt jetzt offenbar im Dezember 2027 zu unseren besten Spieltagen, wenn ganz Eishockey-Deutschland selbst spielt. Die Terminierung muss in Zukunft besser abgestimmt werden, damit wir eine Win-win-Situation bekommen.“
Die Haie etwa erfuhren erst wenige Tage vor der NHL-Pressekonferenz in der vergangenen Woche von den Draisaitl-Gastspielen in der Lanxess Arena. Die Terminierung der eigenen DEL-Spiele, ohnehin ein großes Problem, dürfte damit noch schwieriger werden.
NHL-Spiele in Düsseldorf waren blitzschnell ausverkauft
Tripcke würde die NHL lieber in anderen als den großen Standorten sehen. „Da brauchen wir Eishockey nicht zu erklären, das ist Eulen nach Athen tragen“, sagte er: „Sie müsste stattdessen in Regionen gehen, in denen Eishockey bislang noch nicht so präsent ist, wenn sie wirklich die Fanbase vergrößern will. Und die NHL müsste, wenn wir sie beim Wort nehmen, dass sie das deutsche Eishockey sportlich nach vorne bringen will, in Infrastruktur, Ausrüstung und Trainer in Deutschland investieren.“
Denn was die NHL unter ihrem angekündigten „Grassroots“-Programm versteht, ist bisher noch sehr vage. Genauso wie das eigentliche Ziel dieser durchaus kostspieligen Kampagne.
Zwar waren die Spiele in Düsseldorf mit Ticketpreisen von 130 bis über 500 Euro blitzschnell ausverkauft, doch die Reise nach Deutschland ist nicht nur wegen der Kosten ein millionenschweres Zuschussgeschäft, sondern auch, weil noch höhere Einnahmen daheim wegfallen. Ob dieser Invest auf Dauer durch höhere Merchandise-Einnahmen und Fernsehgelder ausgeglichen werden kann, bezweifeln Experten.
Wie kann die NHL der DEL helfen?
Die Bayern-Kooperation soll helfen, in Deutschland sichtbarer zu werden – auch dank der 45 Millionen Follower des Fußball-Rekordmeisters bei Instagram, im Vergleich zu 7,3 der NHL. Tripcke wünscht sich dagegen mehr Zusammenarbeit mit den deutschen Eishockey-Institutionen: „Die beste Promotion für die NHL und Eishockey allgemein ist, wenn die NHL-Spieler bei allen zukünftigen Turnieren in ihren Nationalmannschaften spielen, wenn sie freigestellt und die Versicherungsprämien übernommen werden. Denn die Nationalmannschaft ist unsere Lokomotive.“
Oder ein Freiluftspiel als „Doubleheader“, damit auch die DEL profitieren könnte: „Am Nachmittag München gegen Augsburg, am Abend ein NHL-Spiel. Dafür müssten sie uns aber einbinden.“ Wünschenswert wäre auch „eine Verknüpfung mit der Champions Hockey League im September mit den Meistern der sechs größten europäischen Ligen und den NHL-Finalisten“.
Man wolle mit der DEL „zusammenarbeiten“ und „ihr helfen“, sagte Daly zwar auf Nachfrage. Bisher macht die NHL aber noch ihr eigenes Ding.