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Biathlon-Guru: Deutschland "auf der Suche nach sich selbst"

Biathlon-Guru: DSV „auf der Suche“

Johannes Thingnes Bös Schießtrainer Siegfried Mazet erklärt das Erfolgsrezept des norwegischen Überfliegers - und sieht ihn vom Tief bei den deutschen Herren begünstigt.
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Johannes Thingnes Bös Schießtrainer Siegfried Mazet erklärt das Erfolgsrezept des norwegischen Überfliegers - und sieht ihn vom Tief bei den deutschen Herren begünstigt.

Als aktiver Biathlet war Siegfried Mazet nicht sonderlich erfolgreich - als Trainer umso mehr.

Als Schießtrainer seines Heimatlands Frankreich entwickelte er Martin Fourcade zum Superstar, nun wirkt er in gleicher Funktion in Norwegen und ist damit auch eine Schlüsselfigur hinter der beispiellosen Dominanz von Johannes Thingnes Bö, der im vergangenen Winter unfassbare 17 Einzel-Siege hinlegte und bei der WM fünf Goldmedaillen einsackte.

In einem Interview mit dem Nordic Magazine hat Mazet nun Bös Erfolgsgeheimnis erklärt und verdeutlicht, dass dabei auch das Tief der deutschen Männer eine Rolle gespielt hätte.

Bös Trainer: „Die Deutschen waren auf der Suche nach sich selbst“

Bö habe „letztes Jahr viel besser trainiert und war den ganzen Sommer und Herbst über sehr konstant“, sagte Mazet und ergänzte: „Johannes ist also gleich zu Beginn der Saison auf sein bestes Niveau gekommen und hat das Beste produziert, was es heute im Biathlon gibt.“

Im Schatten des 29-Jährigen, der die internationale Konkurrenz teilweise vorführte, konnten auch die norwegischen Teamkollegen überzeugen und dem Männer-Team zu einem Fabel-Winter verhelfen. Hinter Bö belegten Sturla Holm Laegreid und Vetle Sjastad Christiansen die Plätze zwei und drei des Gesamtweltcups, zudem gingen alle Kristallkugeln an die Skandinavier.

Einen weiteren Faktor für die Dominanz fand Mazet mit Blick auf die anderen Nationen. „Die Russen und Weißrussen fehlten, die Deutschen waren auf der Suche nach sich selbst und die Franzosen waren nicht auf dem Niveau der Vorjahre. All das war günstig für uns. Wir haben die Gelegenheit genutzt und eine herausragende Saison gehabt“, so der 45-Jährige.

Die deutschen Männer blieben in Oberhof erstmals seit 1976 ohne WM-Medaille, dem besten deutschen Skijäger Benedikt Doll gelang zwar ein Weltcupsieg und Platz 4 in der Gesamtwertung, eine Gefahr für Norwegen war aber auch er nicht.

Dass die Norweger in der kommenden Saison der Maßstab sein werden, ist Mazet klar. „Wir werden die Gejagten sein“, sagte der Schießtrainer, der aber davon überzeugt ist, dass seine Truppe das Niveau halten werde, auch wenn „im Biathlon nichts selbstverständlich“ sei.