Das letzte Schießen in der Mixed-Staffel steht bevor. Norwegen hat nach Strafrunden von Startläuferin Ingrid Landmark Tandrevold eigentlich keine Chance mehr auf eine Medaille - doch wenn du denkst, es geht nicht mehr, gibt es immer noch Johannes Thingnes Bö.
"Abartig": Bö schockt bei Biathlon-WM alle
„Abartig“: Bö verblüfft alle
Dieser kommt als Fünfter mit ordentlich Rückstand zum stehenden Anschlag - und legt eine Schießserie hin, die ihresgleichen sucht. 17,1 Sekunden, fünf Treffer ins Schwarze. Unglaublich.
Eurosport-Kommentator Sigi Heinrich und Ex-Biathlet Michael Rösch waren bereits während Bös Schießen völlig aus dem Häuschen und riefen danach: „Oh, war das gut. Mich haut es vom Hocker!“
Fast schon ungläubig bestätigten sie die Schießzeit.
Mit 17,1 Sekunden im stehenden Anschlag war nur der Schweizer Sebastian Stalder (16,9 Sekunden) beim WM-Auftakt noch schneller als Bö. Die Französin Julia Simon hatte ebenfalls eine Zeit von 17,1 Sekunden.
Bö landete nur knapp hinter Strelow
Nicht nur am Schießstand zeigte Bö, wieso er für viele Experten sogar der beste Biathlet der Geschichte ist.
Die Schlussrunde legte Bö in einer Zeit von 3:56 Minuten zurück und minimierte seinen Rückstand auf den Deutschen Justus Strelow auf lediglich drei Sekunden Rückstand im Ziel. Strelows Vorsprung vor der 2km-Runde hatte noch knapp 29 Sekunden betragen.
Dabei hatte Bö noch Pech, dass ein Sturz des Schweden Sebastian Samuelsson ihn kurz ein wenig aus dem Gleichgewicht brachte.
Rösch zieht Hut vor Biathlon-Dominatör Bö
„Das war abartig, was der (Bö, Anm. d. Red.) heute hier wieder hingezimmert hat“, sagte Ex-Biathlet Michael Rösch im Interview mit Eurosport.de.
Bö zeigte sich vor der WM noch in keiner sonderlich guten Verfassung, nachdem ihn zu Beginn des Jahres auch eine Krankheit geschwächt hatte.
Bis auf die Verfolgungswertung führt er keine Kategorie an - untypisch für den fünfmaligen Olympiasieger, der in den vergangenen Jahren fast alle Kategorien dominierte.
Umso beeindruckender fand Rösch, wie Bö sich beim WM-Auftakt präsentierte: „Das zeigt eben einen GOAT - die waren so weit weg, dass die noch mal so nahe rankommen an eine Medaille, hätte ich nie gedacht. Herr Bö hat uns wieder eines Besseren belehrt. Hut ab vor der Leistung.“
Bö übernahm als Siebter Norwegens Staffel
Bö hatte als Siebter(!) von Sturla Holm Laegreid übernommen. Der Superstar leistete sich keinen Fehlschuss und schrammte am Ende nur knapp an Edelmetall vorbei.
„Ich dachte, es geht um eine Medaille oder nichts“, erklärte er das Risiko, das er am Schießstand einging: „Es ging nur darum, alles zu versuchen.“
Am Ende verpasste er die Medaillenränge zwar knapp - seine herausragende Leistung muss für die Konkurrenz dennoch eine Warnung für den Sprint der Männer am Samstag (ab 15.05 im SPORT1-LIVETICKER) sein.