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Skurriles Biathlon-Rennen in Oberhof: "Das ist peinlich"

Skurriles Rennen: „Das ist peinlich“

Bei der Biathlon-Verfolgung der Männer in Oberhof leisten sich auch die Top-Teilnehmer unzählige Schießfehler. Über die Gründe können die Beteiligten nur rätseln.
Giacomel hat beim Biathlon-Weltcup in Oberhof in der Verfolgung seinen Sieg gefeiert. Philipp Nawrath verpasste es dagegen, trotz zwischenzeitlicher Führung, auf das Podium springen.
Bei der Biathlon-Verfolgung der Männer in Oberhof leisten sich auch die Top-Teilnehmer unzählige Schießfehler. Über die Gründe können die Beteiligten nur rätseln.

Biathlet Philipp Nawrath hat in einer bizarren Schießlotterie beim Weltcup-Heimspiel in Oberhof seinen zweiten Podestplatz klar verpasst.

In einer auf ihre Weise denkwürdigen Verfolgung, in dem fast alle Beteiligten enorme Probleme hatten, kam es am Ende zu einem Kuriosum: Erstmals seit über 24 Jahren gab es einen Sieger, der sechsmal in die Strafrunde musste: Wie bereits im Sprint siegte der Italiener Tommaso Giacomel (6 Strafrunden) vor dem Norweger Martin Uldal (4/+4,5) und Sebastian Samuelsson aus Schweden (6/8,8).

Biathlon in Oberhof: Nawrath verschießt Siegchance

Nach Platz zwei im Sprint fiel der 32 Jahre alte Nawrath am Samstag mit sogar sieben Strafrunden (+45,5 Sekunden) auf den 14. Platz zurück.

Nawrath war mit 13 Sekunden Rückstand auf Giacomel in das Rennen gegangen - und lag lange Zeit sogar in Führung. Doch fünf Fehler beim Stehendschießen ließen alle Träume vom ersten deutschen Einzelsieg bei den Männern nach Benedikt Doll am 5. Januar 2024 in Oberhof platzen.

„Ich habe zwei, drei Runden vorne ziemlich Druck gemacht. Vielleicht war es zu viel. Heute hat es einfach nicht funktioniert, da ist auch viel Kopf dabei“, sagte Nawrath in der ARD: „Es hat nicht sein sollen.“

Warum so viele Fehler? Athleten rätseln

Auch viele andere Beteiligte rätselten darüber, warum am Schießstand so viel schieflief. „Ein Sieger mit sechs Strafrunden: Das ist peinlich“, sagte der zweitplatzierte Uldal seinem Heimatsender NRK - nicht auf Giacomel, sondern auf das Gesamtniveau bezogen: „Das muss anders laufen.“

Der drittplatzierte Rivale Samuelsson sah es ähnlich: „Das Niveau war sehr schwach. Aber wenn die Weltbesten hier sind und alle patzen, muss irgendwas schwierig gewesen sein. Ich habe keine wirklich gute Antwort auf die Frage, was genau.“

Der Norweger Johannes Dale-Skjevdal mochte auch die widrigen Wetterbedingungen nicht als Ausrede gelten lassen: „Die Bedingungen waren nicht so schwierig. Es ist kalt, ein bisschen Schnee und Wind.“ Landsmann Isak Leknes Frey stimmte zu: „Es war nicht so anspruchsvoll, dass man so viele Fehlschüsse erwarten würde.“

Nawrath äußerte sich ähnlich - während dem Franzosen Eric Perrot nur eine einfache Antwort einfiel: „Wir müssen uns beim nächsten Mal einfach etwas mehr anstrengen.“

Giacomel erobert das Gelbe Trikot

Der Italiener Giacomel, wie die meisten Biathleten noch immer in Gedanken bei seinem verstorbenen Freund Sivert Bakken, übernahm mit seinem Sieg das Gelbe Trikot des Gesamtführenden vom Norweger Johan-Olav Botn, der beim Weltcup in Thüringen krank fehlt.

Die DSV-Starter konnten die Probleme der Konkurrenz nicht ausnutzen, sondern passten sich dem allgemeinen Niveau an: Hinter Nawrath wurde David Zobel als nächster Deutscher 22. (6/+1:32,6 Minuten), Lucas Fratzscher erreichte Platz 27 (4/+2:00,0). Justus Strelow belegte den 35. Rang (3/2:26,1), Johannes Kühn (4/+2:29,7) Platz 37. Philipp Horn, im Sprint noch starker Siebter, fehlte krankheitsbedingt.

Nach der Staffel der Frauen am Samstagnachmittag mit einem dritten Platz für das deutsche Team stehen am Sonntag noch die Staffel der Männer (11 Uhr) und die Verfolgung der Frauen (14.30 Uhr) an.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)