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Biathlon-Olympiasieger vor Weltcup-Pause? "Verrücktes Projekt" geht auf

Keine Biathlon-Rückkehr von Jacquelin?

Émilien Jacquelin zeigt bei seinem Radsport-Experiment ansprechende Leistungen. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Biathlon-Star im kommenden Winter die Langlaufski und das Gewehr im Keller lässt.
Beim M4Energy City Biathlon Dresden sorgten rund 4.050 Zuschauer im Heinz-Steyer-Stadion für beste Stimmung. Lokalmatador Justus Strelow krönte den Heimauftritt mit einem fehlerfreien Schießen und seinem ersten Sieg beim City Biathlon Dresden.
Émilien Jacquelin zeigt bei seinem Radsport-Experiment ansprechende Leistungen. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass der Biathlon-Star im kommenden Winter die Langlaufski und das Gewehr im Keller lässt.

Eigentlich sind die Biathlon-Stars dieser Welt in den Sommermonaten hauptsächlich auf Skirollern unterwegs. Olympiasieger Émilien Jacquelin ist derzeit hingegen auf dem Rad zu Hause. Der 31-Jährige hat sich nach dem letzten Winter auf ein Abenteuer im Radsport eingelassen und fährt seit Mai für das Team Decathlon CMA-CGM.

Dabei läuft es für den Franzosen so gut, dass es womöglich nicht nur bei einem kleinen Abstecher bleibt. Gewehr und Langlaufski könnten für eine längere Zeit im Keller bleiben. „Ich bin mir nicht sicher, ob wir ihn dieses Jahr noch einmal im Biathlon sehen werden. Sein Testlauf im Radsport war erfolgreich. Er macht großartige Fortschritte und blüht richtig auf“, verriet Frankreichs Biathlon-Coach Simon Fourcade der Agentur AFP.

Fourcade unterstützt die ungewöhnliche Mission seines Schützlings, hofft aber auch auf dessen Rückkehr. „Ich wünsche ihm, dass er seine Ziele erreicht. Wenn er also noch eine Saison im Radsport fahren möchte, soll er das tun. Aber danach sollte er zurückkommen“, machte er deutlich.

Sollte Jacquelin Biathlon-Starts im Winter 2026/27 planen, müsste er sich bald dazu bekennen. Wie die L’Équipe berichtete, erhofft sich der Verband eine Entscheidung bis Ende August oder Anfang September. Der französischen Sportzeitung zufolge werde Jacquelin den kommenden Winter wohl auslassen.

Jacquelin: „Es war ein verrücktes Projekt“

Der Athlet selbst hatte sich zuletzt im Gespräch mit der Zeitschrift Nordic Magazin eher bedeckt gehalten. „Ich glaube, ich weiß, was ich in den nächsten Wochen will, aber wir werden sehen, wie sich die Dinge im September entwickeln. Ich denke, ich werde noch einen Monat lang Rad fahren“, kündigte er an.

Jacquelin brennt für seine neue Sportart und hat sich in den letzten Wochen selbst überrascht. „Vor ein paar Monaten glaubten vielleicht fünf Leute an dieses Projekt, mich eingeschlossen. Es war ein sehr ambitioniertes und verrücktes Projekt, aber ich habe nie aufgegeben, selbst als ich mir das Schlüsselbein gebrochen habe. Ich habe alles getan, um hier zu sein“, machte er deutlich.

Zwar läuft sein Kurz-Vertrag bei Decathlon CMA-CGM Anfang November aus, jedoch hat er mit seinen Leistungen bei der Tour de Limousin und bei den Jeux Méditerranéens französischen Medien zufolge das Interesse mehrerer Teams auf sich gezogen.

Jacquelin denkt an Olympia 2030 – und stellt Bedingungen für Comeback auf

Jacquelin ist kein Typ, der halbe Sachen macht, weshalb eine Rückkehr zum Biathlon in diesem Winter mit jeder Woche unrealistischer wird. Langfristig werden aber auch die Winterspiele 2030, die in seiner französischen Heimat stattfinden werden, eine Rolle spielen.

„Ich kann heute noch nichts mit Sicherheit sagen. Natürlich habe ich die Olympischen Spiele 2030 im Hinterkopf“, erklärte er der Zeitung Libération. Der Weg dorthin sei jedoch „ungewiss“. Ein Comeback soll nur unter einer klaren Bedingung stattfinden. „Wenn ich zurückkomme, dann mit 100-prozentiger Leistung, dem unbedingten Willen, Titel zu gewinnen, und der Motivation eines 20-Jährigen“, machte er deutlich.

„Wenn ich das nicht spüre, möchte ich nicht einfach nur zum Biathlon zurückkehren. Ansonsten überlasse ich die Chance lieber einem jüngeren Athleten, der alles geben wird“, gab er zu verstehen. Nachlassende Motivation nach vielen Jahren im Biathlon-Weltcup hat schließlich dazu geführt, dass sich Jacquelin überhaupt auf das Radsport-Experiment eingelassen hat.

Jacquelin hat in seiner Biathlon-Laufbahn fünf WM-Goldmedaillen – davon drei in Staffeln – gefeiert. Nach zwei olympischen Staffel-Silbermedaillen im Jahr 2022 konnte er sich im letzten Winter in der Verfolgung seine erste olympische Einzelmedaille (in Bronze) sichern. In der Staffel reichte es gar für Gold.