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Deutsches Ex-Talent schonungslos offen: „Hatte Angst zu essen"

Biathletin „hatte Angst zu essen“

Das 22 Jahre alte Biathlon-Talent Iva Moric spricht schonungslos offen über ihre überwundene Magersucht und die Krebserkrankung ihrer Mutter. Und erklärt ihren Wechsel vom DSV zum kroatischen Ski-Verband.
Iva Moric spricht im Interview über ihre Magersucht und die Krebserkrankung ihrer Mutter
Iva Moric spricht im Interview über ihre Magersucht und die Krebserkrankung ihrer Mutter
© IMAGO/Oryk HAIST
Celine Kreimer
Das 22 Jahre alte Biathlon-Talent Iva Moric spricht schonungslos offen über ihre überwundene Magersucht und die Krebserkrankung ihrer Mutter. Und erklärt ihren Wechsel vom DSV zum kroatischen Ski-Verband.

Biathletin Iva Moric hat in einem emotionalen Interview mit der Welt über die Schattenseiten in ihrer noch jungen Karriere gesprochen. Die gebürtige Deutsche, die mittlerweile für Kroatien startet, sprach über ihre Anorexie-Vergangenheit und die Krebserkrankung ihrer Mutter. Auf dem Tiefpunkt wog die 1,75 Meter große Athletin nur noch 43 Kilogramm – ein körperlicher Extremzustand, dessen Folgen sie bis heute spürt.

Moric galt als eines der größten Nachwuchs-Talente des DSV. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2022 in Soldier Hollow räumte sie gleich drei Medaillen ab. Ende 2025 kam dann der überraschende Wechsel zum kroatischen Ski-Verband.

Beim DSV stand die junge Biathletin unter dem permanenten Druck, den Anschluss nicht zu verlieren. Der Verbandswechsel minderte den immensen Leistungsanspruch und ermöglichte Moric zugleich ihr Weltcup-Debüt.

Nur noch 43 Kilogramm bei einer Körpergröße von 1,75 Metern

„Mein Traum ist damit in Erfüllung gegangen. Dabei habe ich selbst zwischendrin nicht mehr meine volle Leistung gebracht“, sagte Moric. Als Jugendliche entwickelte sie eine schwere Essstörung: „Mit etwa 16 bis 18 Jahren war ich wirklich absolut durch.“

Was als der harmlose Wunsch begann, sich gesünder zu ernähren, entwickelte sich rasant zu einer zwanghaften Störung. Moric fixierte sich penibel auf exakte Uhrzeiten und grammgenaue Mengenangaben, bis sie letztendlich regelrechte Angst vor dem Essen entwickelte und nur noch minimale Einheiten zu sich nahm.

„Ich habe nur noch 43 Kilo gewogen – und das bei einer Größe von 1,75 Metern“, offenbarte Moric. Obwohl sie sich ohne professionelle Hilfe aus der akuten Sucht herauskämpfen konnte und sich seit 2024 „voll befreit“ fühlt, leidet sie bis heute unter Durchblutungsstörungen.

„Ich habe immer kalte Hände, die Adern in den Händen sind verengt. Wenn es kalt ist – und das ist es in unserem Sport ja oft – spüre ich nicht alles richtig. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen“, erklärte Moric. Ihr aktuelles Ziel sei es, ihre Leistungen zu stabilisieren und bei der WM 2028 in Hochfilzen an den Start zu gehen.

Moric über ihren Wechsel zum kroatischen Ski-Verband

Und das im kroatischen Trikot. „Meine beiden Eltern stammen aus Kroatien, ich habe eine besondere Beziehung zum Land. Ich hatte auch beim DSV Chancen. Ich stand aber immer unter Druck, Leistung bringen zu müssen, um nicht hinten abzufallen. Durch die Erkrankung meiner Mutter habe ich den Sport zur Seite geschoben“, erklärte Moric.

Ihre Mutter litt an Krebs – um die Athletin zu schonen, verheimlichten die Eltern die Diagnose jahrelang. Erst nach ihrem 18. Geburtstag erfuhr sie davon. Die Schocknachricht ließ alles Sportliche zunächst in den Hintergrund rücken: „Die Familie ist für mich die Nummer eins. Jetzt bin ich viel mehr bei meiner Mutter.“ Inzwischen sei diese tumorfrei, so Moric.

Die 22-Jährige ist nicht die erste Biathletin, die offen über ihre Essstörung spricht. Die Schweizer Weltcup-Athletin Elisa Gasparin sprach bereits vor zwei Jahren über ihre langjährige Magersucht im Vorfeld der Olympischen Spiele. Auch Top-Biathletin Lena Häcki-Gross ging bereits 2022 mit ihren Essattacken (Binge-Eating) an die Öffentlichkeit und gab erst Anfang 2026 zu, dass die Erfahrungen aus dieser überwundenen Krise sie vor einem mentalen Burnout im Sommer 2025 retteten.