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Vonn weist Kritiker zurecht: "Haben keine Ahnung, wer ich bin"

„Sie haben keine Ahnung, wer ich bin“

Lindsey Vonn zeigt seit ihrem Comeback atemberaubende Leistungen. Damit lässt sie sämtliche Kritiker verstummen. Enttäuscht zeigt sich die US-Amerikanerin über die fiesen Attacken aus der Alpin-Familie dennoch.
Ski-Legende Lindsey Vonn spricht über ihr mögliches Comeback bei den Olympischen Winterspielen 2026. Nach einer langen Leidenszeit fühlt sich die 41-Jährige schmerzfrei und will es vor allem ihren Kritikern noch einmal zeigen.
Lindsey Vonn zeigt seit ihrem Comeback atemberaubende Leistungen. Damit lässt sie sämtliche Kritiker verstummen. Enttäuscht zeigt sich die US-Amerikanerin über die fiesen Attacken aus der Alpin-Familie dennoch.

Selbst Athleten, die über viele Jahre hinweg absolute Weltklasse verkörpert haben, scheitern häufig beim Versuch eines erfolgreichen Comebacks. Die 41 Jahre alte Lindsey Vonn ist diesbezüglich eine Ausnahme. So führt die US-Amerikanerin die Abfahrts-Wertung im alpinen Ski-Weltcup souverän an und durfte schon zwei Siege feiern.

Damit hätte niemand rechnen können, als Vonn ihre Laufbahn im Jahr 2019 unter großen Schmerzen beenden musste. Inzwischen blickt sie mit gemischten Gefühlen auf das zwischenzeitliche Ende ihrer Karriere zurück.

„Es verlief nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte, aber es war trotzdem verdammt gut, wenn man bedenkt, dass ich kein Außenband im linken Knie hatte, mit zwei Bandagen Ski fuhr und eigentlich kaum noch laufen konnte“, sagte Vonn, die in ihrem letzten Rennen WM-Bronze gewinnen konnte, der Süddeutschen Zeitung.

Vonn durchlebt schwierige Zeit: „Meine Sonne ist erloschen“

Was folgte, war der schwierige Start ins normale Leben. „Beim Skifahren ist alles eindeutig: Entweder du bist schnell oder nicht. Du gewinnst oder nicht. Leuchtet deine Zeit grün, warst du gut - oder rot, dann warst du schlecht. Im Leben ist das anders“, führte sie aus.

„Es gibt Phasen, die kann man mit der Trauer nach einem Todesfall vergleichen. Ich hatte aber immer ein anderes Bild. Skifahren war meine Sonne – alles in meinem Leben kreiste darum, wie die Planeten", gab sie metaphorische Einblicke in ihre Gefühlswelt.

„Meine Sonne war erloschen. Ich kenne viele Sportler, die daran gescheitert sind, eine neue Sonne zu finden“, erklärte Vonn. Man erlebe beim Skifahren „Adrenalin, Herausforderung und Kick“ - jedoch sei „alles weg“, wenn man aufhöre.

Vonn fand für sich schnell heraus, dass sie sich Hilfe suchen muss. „Manche Menschen suchen dieses Gefühl dann in anderen Dingen, manche auf ungesunde Weise. Ich wusste, dass ich den gesunden Weg wählen muss. Deshalb ging ich zur Therapie“, erklärte sie.

Teilprothese im Kniegelenk bringt den Wendepunkt

Während Vonn daran arbeitete, ihr Leben nach dem Sport neu zu gestalten, brachte die operative Einsetzung einer Teilprothese im Kniegelenk eine unerwartete Wende.

„Ich konnte im Kraftraum plötzlich Übungen machen, die ich mit 20 (Jahren) gemacht hatte“, war sie selbst überrascht von der positiven Entwicklung. „Irgendwann dachte ich: Wenn alles geht, warum nicht Skifahren“, erinnert sie sich.

Dabei habe sie in der Zeit nach ihrem Karriereende privat kaum noch ihren Lieblingssport ausführen können: „Es wurde Jahr für Jahr schlimmer. Am Ende fuhr ich praktisch nur noch auf einem Bein.“

Vonn wehrt sich gegen Kritiker: „Respektlos“

Als Vonn den Entschluss fasste, als erste Ski-Rennfahrerin mit Teilprothese in den Weltcup zurückzukehren, fiel das Echo aber eher negativ aus.

„Ich war darauf vorbereitet, dass Menschen fragen, ob das klug ist. Was ich respektlos fand, waren die persönlichen Angriffe“, zeigte sie sich enttäuscht. Unter anderem diagnostizierte Franz Klammer ihr „einen Vollschuss“, während Pirmin Zurbriggen mutmaßte, dass Vonn darunter leide, „kein Champion mehr zu sein“.

Besonders verletzt zeigt sich Vonn darüber, dass ausgerechnet Menschen aus der Ski-Familie so reagierten. „Das sind meine Leute. Die haben die gleichen Dinge durchlebt wie ich, Siege, Niederlagen, Stürze. Wenn die so etwas sagen, tut das sehr weh“, gab sie zu.

Sie sei aber nicht zurückgekommen, weil ihr „Leben leer gewesen“ wäre. „Diese Leute haben letztlich keine Ahnung, wer ich bin“, kritisierte sie.

Weniger Kritik für Hirscher - das sagt Vonn dazu

Dass die Reaktionen auf die Comeback-Pläne von Marcel Hirscher viel positiver ausgefallen seien, stört sie heute wenig.

„Vielleicht nur, weil ich etwas älter bin als er. Aber egal. Es sagt viel aus, dass seit meinem zweiten Platz beim Weltcup-Finale vorige Saison niemand mehr etwas gesagt hat“, führte sie mit Genugtuung aus.

Letztlich habe sie die gesamte Karriere über mit Kritik klarkommen müssen. „Ich kenne das. Und ich bin nicht diejenige, die ihre Worte bereuen muss“, machte sie deutlich.

Vonn verspürt keinen Druck mehr

Vonn wird bei den Olympischen Winterspielen ein letztes Mal auf Medaillenjagd gehen, ehe sie ihre Laufbahn am Ende der Saison endgültig beenden möchte. Druck verspürt die Olympiasiegerin aus dem Jahr 2010 nicht mehr.

„Ich habe schon gezeigt, wie schnell ich sein kann. Aber ich habe diesem Sport noch etwas zu geben und möchte meine zweite Karriere zu meinen Bedingungen beenden, an einem Ort, den ich liebe. Ich habe das Gefühl, dass ich bereits gewonnen habe“, geht sie mit einem guten Gefühl ins Schluss-Kapitel ihrer Laufbahn.