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Der Tag, an dem eine außergewöhnliche Freundschaft zerbrach

Als aus Freundschaft Feindschaft wurde

Maria Höfl-Riesch und Lindsey Vonn gehörten zu den besten Freundinnen - bis die eine vor genau 15 Jahren eine weitreichende Entscheidung traf.
Maria Höfl-Riesch schildert bei Deep Dive ihr Verhältnis zu Lindsey Vonn im Verlauf ihrer Karriere bis hin zu einer zerbrochenen Freundschaft.
Maria Höfl-Riesch und Lindsey Vonn gehörten zu den besten Freundinnen - bis die eine vor genau 15 Jahren eine weitreichende Entscheidung traf.

Die einzigartige Karriere von Lindsey Vonn erfuhr vor wenigen Wochen mit ihrem folgenschweren Sturz bei Olympia möglicherweise ein bitteres Ende.

Noch hat sie sich nicht zu einem endgültigen Rücktritt durchringen können. Wenn die 41-Jährige ihre Ski aber tatsächlich einmal in die Ecke stellt, wird man sich rückblickend an die vielen Triumphe und Dramen der US-amerikanischen Ski-Queen erinnern. Aber vor allem in Deutschland bleibt die Geschichte von Lindsey Vonn für immer mit dem schwierigen Verhältnis zu Maria Höfl-Riesch verbunden.

Die beiden Superstars, die sich im Alter von 15 Jahren kennengelernt hatten, waren lange Jahre trotz ihrer Rivalität praktisch unzertrennlich – bis der Ehrgeiz und die zunehmenden Egoismen die Freundschaft immer mehr zerstörten und es zum Bruch zwischen den beiden kam.

Vonn: Höfl-Riesch hat „schlecht über mich geredet“

Wann genau aus den Freundinnen endgültig Feindinnen wurden, ist im Nachhinein schwer nachzuvollziehen. Ein Datum aber wird in dem Zusammenhang immer wieder genannt – nicht zuletzt von Vonn selbst.

Sie habe nach dem ersten Slalom-Durchgang im tschechischen Spindlermühle aufgehört, mit ihrer deutschen Konkurrentin zu sprechen, schrieb Vonn einmal bei Facebook über den 12. März 2011.

Höfl-Riesch, die damals noch nicht verheiratet war, habe „eine Reihe von negativen Interviews“ gegeben und fortwährend „schlecht über mich geredet“ habe, betonte Vonn.

„Ich bin wegen ihres Handelns sehr verletzt und weiß ehrlich gesagt nicht, wie es derzeit um unsere Freundschaft steht“, fuhr Vonn fort, die damals noch mit ihrem Teamkollegen Thomas Vonn verheiratet war.

Riesch heiratete im April 2011 den Sport-Manager Marcus Höfl und lud auch Vonn zur Feier ein. Da war das Tischtuch zwischen den beiden Olympiasiegerinnen aber schon zerschnitten.

Vonn sagte ab und gab auch dafür Höfl-Riesch die Schuld. „Ohne hier alle Details zu nennen: Ich habe mich entschieden, nicht hinzugehen, weil Maria und ihr Lager mir gegenüber immer feindlicher aufgetreten sind - persönlich und öffentlich. Die Wahrheit ist: Mein Mann und ich fühlten uns nicht willkommen“, erklärte Vonn.

Höfl-Riesch: „Ich will nicht sagen, dass sie daran schuld war“

Fragt man bei Höfl-Riesch nach, hört sich das etwas anders an. Die Partenkirchenerin macht den extremen Ehrgeiz ihrer ehemaligen Rivalin für das Ende ihrer Freundschaft verantwortlich.

„Ich will jetzt auch nicht sagen, dass sie daran schuld war, dass wir uns entzweit haben, da hat sicher jede ihren Anteil daran gehabt”, sagte die ehemalige Weltklasse-Athletin bei SPORT1 DEEP DIVE: „Aber … sie konnte auf jeden Fall nicht so gut damit umgehen, wenn ich sie geschlagen habe, als andersrum."

Für die heute ebenfalls 41-Jährige war es demnach auch kein Zufall, dass die Freundschaft am Ende der Saison 2010/11 zerbrach.

Höfl-Riesch hatte damals den Gesamtweltcup mit nur drei Punkten Vorsprung vor Vonn gewonnen, die sich wegen eines ausgefallenen Rennens beim Saisonfinale betrogen fühlte.

„Als sich dann das Duell auch um den Gesamtweltcup zugespitzt hat, gab es dann auch Knatsch. Das war so“, sagte die Deutsche.

Vonn verteidigt sich gegen Vorwürfe

Das wiederum hatte Vonn anders gesehen. „Ich habe Maria persönlich zu all ihren Erfolgen ihrer Karriere gratuliert und der Gesamtweltcup bildet da keine Ausnahme. Ich habe ihr gratuliert, als ich sie auf dem Podium in Lenzerheide umarmt habe“, betonte sie in ihrem Facebook-Post.

Sie habe niemals den Eindruck erweckt, dass Riesch den Titel nicht verdient gehabt habe, so Vonn weiter. Sie habe lediglich anregen wollen, die Regularien zu ändern, wonach ein beim Saisonfinale ausgefallenes Rennen nicht nachgeholt werden kann.

Heute, exakt 15 Jahre später, ist die Feindschaft zwischen beiden nicht mehr so groß wie einst. Man hat sich ausgesprochen, 2025 traten beide bei den Laureus Awards auf.

Dennoch: „So wie es vorher zwischen uns war“, sagte Höfl-Riesch, „ist es nicht mehr“.