Ski Alpin>

Ski alpin: Energische Rede zu Emma Aicher im ZDF

Energische Rede zu Aicher im ZDF

Emma Aicher hat trotz eines Rückschlags Chancen auf die kleine Kristallkugel in der Abfahrt. Wolfgang Maier möchte den Druck nicht zu groß werden lassen.
Die deutschen Olympia-Athletinnen Julia Taubitz, Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann werden auf einer Pressekonferenz zu ihrem Maskottchen befragt - daraufhin bricht Gelächter aus.
Emma Aicher hat trotz eines Rückschlags Chancen auf die kleine Kristallkugel in der Abfahrt. Wolfgang Maier möchte den Druck nicht zu groß werden lassen.

Die zweite Abfahrt von Val di Fassa endete für Emma Aicher mit einer Enttäuschung. Beim Sieg der Italienerin Laura Pirovano landete die Deutsche nur auf dem zwölften Rang. Im Kampf um die kleine Kristallkugel zog Aicher zwar an Lindsey Vonn vorbei, wurde aber von Pirovano überflügelt.

Wolfgang Maier, DSV-Vorstand Sport, sah den Rückschlag im Kampf um die Abfahrts-Gesamtwertung aber als nicht so dramatisch an und verwies in einer energischen Klarstellung darauf, dass die deutsche Athletin vor kurzem noch ein unbeschriebenes Blatt in der Speed-Disziplin war.

„Man muss bei der Emma mal wieder ein bisschen die Füße auf den Boden bringen“, machte Maier deutlich. Damit meinte er aber nicht, dass Aicher die Bodenhaftung verliere, sondern kritisiert eher die inzwischen sehr hohe Erwartungshaltung an die junge Sportlerin.

Aicher hat in der Abfahrt noch jede Menge Zeit

„Letztes Jahr um die Zeit hatte sie vor der WM keinen einzigen Abfahrts-Weltcuppunkt. Jetzt ist sie die Nummer zwei auf der Welt in der Abfahrt. Diese Leistung kann man nur in höchstem Maße wertschätzen, aber man braucht keinen unnötigen Druck auf diese Läuferin auszuüben“, gab er ein klares Plädoyer ab.

Gerade im Speed-Bereich ist es nicht unüblich, dass die Sportler ihren Zenit erst mit Ende zwanzig oder in ihren Dreißigern erreichen. „Sie ist 22 Jahre alt. Die besten Zehn sind im Schnitt mindestens sechs bis acht Jahre älter“, machte Maier deutlich. Tatsächlich haben aus den Top Ten in der Abfahrtswertung abgesehen von Aicher nur Pirovano und Kajsa Vickhoff Lie die 30er-Marke noch nicht erreicht.

Dass Aicher nun nicht als Führende ins letzte Abfahrtsrennen geht, sieht Maier völlig entspannt. Vor dem finalen Showdown in Lillehammer am 21. März dürfe diese nur nicht die Lockerheit verlieren.

„Man kann die Kugel nicht erzwingen. Wir wollen sie schon gewinnen, das ist eine wertvolle Trophäe. Die Reaktionen von Emma sind gesund, weil sie einen gewissen Ehrgeiz hat. Sie will das erreichen, aber sie kann es nicht erzwingen“, verdeutlichte er.

Maier sieht Jäger-Rolle als Vorteil an

Demnach könne es auch ein Vorteil sein, dass sie eben nicht als Führende in die Entscheidung geht. „Man muss sich im Kopf darüber im Klaren werden, dass sich jetzt die Rollen tauschen. Ich bin nicht mehr die Gejagte, sondern der Jäger. Das hat viele Vorteile und setzt den anderen unter Druck“, betonte er den positiven Aspekt.

Pirovana hat mit 436 Punkten die Pole-Position inne, Aicher folgt mit 408 Zählern. Dies bedeutet, dass Pirovana im Falle eines Aicher-Sieges auf Platz zwei landen müsste, um die kleine Kugel zu holen. Kira Weidle-Winkelmann (351 Punkte) und Cornelia Hütter (344 Punkte) haben nur noch theoretische Chancen.

Maier schwärmt von Aicher: „Wird zur Kultfigur“

Unabhängig vom Ausgang steht schon jetzt fest, dass Deutschland mit Aicher wieder eine absolute Weltklasse-Fahrerin hat, die auch als mediales Zugpferd fungieren kann.

“Die Emma ist nicht nur für den deutschen Skiverband, sondern gesamt für den Skisport ein Glücksfall. Die Art und Weise, wie sie den Sport repräsentiert, trifft viele Menschen. Sie wird so langsam zu einer Kultfigur", schwärmte Maier.

„Menschen, die am Anfang ein bisschen die Nase gerümpft haben, finden jetzt cool, was sie macht“, beschrieb er die deutlich gestiegene Popularität der Athletin.