Die Zeichen standen auf Abschied, das war nicht zu übersehen. Als Romed Baumann bei seiner 167. und nun auch letzten Abfahrt im Weltcup in große Schwierigkeiten geriet, ging er kein Risiko mehr ein. Der 40 Jahre alte Routinier bremste ab, verließ die „Kampflinie“ und ließ es danach austrudeln.
Deutscher Ski-Alpin-Held tritt zurück!
Deutscher Alpin-Held tritt zurück!
Das Ziel der sonnenüberfluteten Kandahar in Garmisch-Partenkirchen erreichte Baumann am Samstag mit mehr als 15 Sekunden Rückstand auf den Tagesbesten Marco Odermatt, in der rechten Hand hielt er beide Stöcke, mit der linken winkte er ins Publikum. Ein letztes Mal, wie sich einen Tag später herausstellte.
Was sich am Samstag angedeutet hatte, machte Baumann dann nach der Nebel-bedingten Absage des Super-G in „Gap“ am Sonntag auch offiziell: Karriereende nach 22 Jahren und 387 Starts im Weltcup - darunter eben 167 in der alpinen Königsdisziplin, so viele wie der gebürtige Tiroler, der seit 2019 für den deutschen Verband fuhr, hat sonst keiner.
Ski Alpin: Baumann holte zwei Weltcup-Siege
„Die Entscheidung ist gereift, und es hat sich richtig angefühlt, dass ich das in Garmisch mache“, sagte Baumann. Nach der Fahrt am Samstag hatte er betont: Es gehe „nicht um die fehlende Motivation“, es gehe eher um die „Bereitschaft“, sich am Limit zu bewegen. Das, bekannte er, sei ihm nicht mehr gelungen.
Ein Siegfahrer war Baumann nie. Er fuhr im Weltcup verlässlich unter die ersten zehn, mehr als 80 Mal, nur zweimal aber stand er ganz oben auf dem Treppchen, jeweils in der Super-Kombination, in der er bei der WM 2013 Bronze gewann. Als Baumann beim österreichischen Verband nicht mehr gewünscht war, nahmen sie ihn beim DSV mit Kusshand.
Der Routinier wurde ein geschätzter Teil eines starken Abfahrtsteams mit Thomas Dreßen, Andreas Sander und Josef Ferstl. Nur zwei Jahre nach dem Wechsel gelang ihm bei der WM 2021 sein größter Erfolg: Silber im Super-G. In dieser Saison aber war Baumann nur noch zweimal unter die ersten 20 im Weltcup gekommen, für Olympia hatte er sich damit nicht qualifiziert. Jetzt will er Trainer werden.