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Vierschanzentournee: Anzüge-Wirbel - so wird kontrolliert

So wird bei der Tournee kontrolliert

Bei der Vierschanzentournee rücken einmal mehr die Anzüge der Springer in den Fokus. Chefkontrolleur Mathias Hafele erklärt den Ablauf der strengen Kontrollen.
Domen Prevc gewinnt auch das Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Die deutschen Felix Hoffmann und Philipp Raimund liefern erneut gute Leistungen.
Bei der Vierschanzentournee rücken einmal mehr die Anzüge der Springer in den Fokus. Chefkontrolleur Mathias Hafele erklärt den Ablauf der strengen Kontrollen.

Spätestens seit der erneuten Disqualifikation von Timi Zajc bei der Vierschanzentournee ist das Anzug-Thema im Skispringen wieder allgegenwärtig. Der Slowene erhielt nach seiner zweiten Verwarnung in Garmisch-Partenkirchen eine Rote Karte und ist für den kommenden Wettkampf am Sonntag in Innsbruck gesperrt.

Beim Tournee-Auftakt in Oberstdorf war Zajcs Anzug um drei Millimeter zu groß gewesen, am Neujahrstag waren es sogar vier Millimeter. In beiden Fällen griff das Team der Materialkontrolleure um Mathias Hafele durch. Der ehemalige österreichische Skispringer wurde infolge des Skandals um die norwegischen Athleten zu dieser Saison von der FIS als Chefkontrolleur installiert.

Hafele, der viele Jahre als Materialchef für Österreich und Polen arbeitete, gab der Sport Bild einen Einblick in die strengen Kontrollen bei der Vierschanzentournee. Diese finden in einem kleinen Container im Auslauf der jeweiligen Schanze statt.

Vierschanzentournee: So läuft die Materialkontrolle ab

Zunächst werden die Springer von Hafele abgetastet. Dabei wird geprüft, ob der Anzug eng anliegt und keine stabilisierenden Bänder oder unerlaubten Nähte enthält.

Anschließend wird auf einem Gestell die Schrittlänge gemessen: Das Anzugbein muss drei Zentimeter länger sein als das Bein des Athleten. Andernfalls wäre der Anzug im Schrittbereich zu groß und würde eine zusätzliche Tragfläche bieten.

Die Ärmel dürften maximal fünf Zentimeter kürzer als die Arme sein, um eine zu große Stoffmasse im Schulterbereich zu verhindern.

Als Grundregel gilt zudem, dass der Anzug an jeder Stelle vom Umfang her zwei bis vier Zentimeter größer sein muss als der Körper des Springers.

Klare Vorgaben für die Anzüge der Skispringer

Hafele führt diese Überprüfung zunächst nach Augenmaß durch, bei Verdachtsfällen kommt ein Maßband zum Einsatz. Zur Vergleichbarkeit werden mit einem Stift Markierungen auf Körper und Anzug angebracht.

Im nächsten Schritt zieht sich der Athlet bis auf die Unterwäsche aus. Der Anzug wird dann minutiös geprüft, indem daran gezupft und gezerrt wird, um mögliche unerlaubte eingenähte Elemente aufzuspüren.

Mit dem sogenannten „Top of the leg“ führte Hafele ein neues Kontrollmaß ein. Dabei wird das Anzugbein im rechten Winkel nach oben gebogen und der Umfang im Übergang zum Schritt gemessen. Dann wird der Oberschenkel des Springers gemessen. Auch hier darf die Abweichung maximal vier Zentimeter betragen.

Zusätzlich wird die Luftdurchlässigkeit des Anzugs überprüft. Der vorgeschriebene Mindestwert liegt bei 40 Litern pro Quadratmeter pro Sekunde, da der Anzug sonst zu stark tragen würde. Gemessen wird an drei Stellen: Rücken, Bauch und Bein.

Auch die Schuhe und Ski werden genau kontrolliert

Hafele und sein Team sind aber nicht nur für den Anzug verantwortlich: Auch die Schuhe und Ski werden genau unter die Lupe genommen. Die Schuhe dürfen maximal zwei Zentimeter länger als der Fuß sein, die Standhöhe darf vier Zentimeter nicht überschreiten.

Ebenso werden die Keile überprüft, die im hinteren Schuhbereich eingesetzt werden, um eine bessere Vorlage und einen schnellen Kontakt zum Ski nach dem Absprung zu gewährleisten.

Die Skilänge ist auf maximal 145 Prozent der Körpergröße begrenzt. Maßgeblich ist dabei der Body-Mass-Index: Die maximale Länge darf nur genutzt werden, wenn der BMI bei 21 liegt.

Auch die Vorderskilänge ist reglementiert und darf höchstens 57 Prozent der gesamten Skilänge betragen. Die maximale Skibreite liegt bei 10,5 Zentimetern.

Des Weiteren kommt ein elektronisches Messgerät zum Einsatz, mit dem überprüft wird, ob das verwendete Skiwachs Fluor enthält. Das Mittel steigert die Gleitfähigkeit bei der Anfahrt, gilt jedoch als umweltschädlich und ist daher verboten.