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Vierschanzentournee: Worüber auch ausgefuchste Experten bei ihm staunen

Worüber auch Experten staunen

Weltmeister, Weltrekordler - und nun Tourneesieger. Domen Prevc steht nach turbulenten Jahren auf dem Skisprung-Gipfel.
Domen Prevc ist weiter nicht zu stoppen. Beim letzten Springen der Vierschanzentournee in Bischofshofen bringt der Slowene seinen Gesamtsieg souverän über die Ziellinie und sorgt für ein Novum.
Weltmeister, Weltrekordler - und nun Tourneesieger. Domen Prevc steht nach turbulenten Jahren auf dem Skisprung-Gipfel.

Ob „Flugalchemist“ oder „Pfeifdirnix“, ob „Domenator“ oder schlicht „Domci“: Domen Prevc hat viele Spitznamen, allen gemein ist der große Respekt vor dem kleinen Slowenen.

Den hat sich der Mann aus dem 500-Einwohner-Dorf Dolenja Vas in der Oberkrain auch redlich verdient: Seit Dienstag ist Prevc nicht nur Skisprung-Weltmeister und Weltrekordhalter, sondern zehn Jahre nach seinem Bruder Peter auch Gewinner der Vierschanzentournee.

Bis auf den Gipfel war es ein langer Kampf. „Domen ist nicht immer den geraden Weg gegangen“, sagte Peter Prevc einmal über den sieben Jahre jüngeren Bruder. Wohl wahr: Ende 2016 war Domen mit 17 Jahren und einem Kamikaze-Stil zu vier Weltcupsiegen in vier Wochen geflogen. Bis Februar 2024 kam nur ein weiterer hinzu. „Er hat nicht das richtige Maß gefunden“, so Peter.

Skispringen: Prevc ist erwachsen geworden

Im Winter 2021/22 belegte Domen sogar nur den 44. Platz im Gesamtweltcup, holte ganze 60 Punkte in einer ganzen Saison. Doch seither ist alles anders. Zwar liegt seine Nase im Flug ab und an noch immer zwischen den Skispitzen wie einst als Teenager.

Doch der kleine Domci, der mit den Geschwistern Peter (WM-Zweiter 2013), Cene (Olympia-Silber mit dem Team 2022), Nika (WM-Gold 2025) und Ema (lieber Ballett) eher dörflich aufwuchs, ist erwachsen geworden. Auch in der Luft.

Olympiasieger Toni Innauer hob unlängst hervor, was er als spektakulären Clou in der Kunst von Prevc empfindet: die „geheimnisvoll verwaltete Energie“, die „erst ganz unten in der Fallphase freigelassen und wirksam“ werde. Ein „Flugalchemist“ sei dieser Prevc daher: „Domen hat - nach jahrelangem spektakulären Versuch und Irrtum – den Stein der Weisen für das Unmögliche, für eine sichere Verknüpfung von wirkungsvollem Absprung und schnellem Tiefflug gefunden.“

Hannawald: „Mir war klar, dass Domen Prevc das schaffen kann“

Auch Sven Hannawald geriet im SPORT1-Interview ins Schwärmen, als er auf den 26-Jährigen angesprochen wurde. „Mir war klar, dass Domen Prevc das schaffen kann. Den erschüttert, auch wegen seines Charakters, nichts. Das ist keiner, der Nervenflattern bekommt.“ Nach den ersten beiden Springen glaubte der Tournee-Rekordsieger sogar, Prevc könne als erst vierter Athlet neben ihm selbst, Kamil Stoch und Ryoyu Kobayashi den Grand Slam perfekt machen.

Prevc stehe „schon, seitdem er 2016 erstmals in den Weltcup gekommen ist, für „Furiosität“. Sein Flugsystem war schon immer speziell und sehr spektakulär“, fügte Hannawald hinzu: „Er kam schon immer viel über den Ski und hat speziell im Fußgelenk immer diese gewisse Beweglichkeit gehabt, die es ihm ermöglicht, den Ski nah an sich heranzuholen und davon profitiert er noch immer.“ 

Skispringen: Prevs hält den Skiflug-Weltrekord

Im März 2025 führte das zum WM-Titel - vor Marius Lindvik, dem auch die Schnippelei am Anzug nicht half. Drei Wochen später schraubte Prevc den Weltrekord im Skifliegen auf 254,5 m - in Planica, nur eine Stunde von Dolenja Vas entfernt. „Von seinem Fluggefühl kann ich nur träumen“, sagte DSV-Adler Philipp Raimund während der Tournee.

In seiner Freizeit mag Domen schnelle Autos und ist Pate eines Lipizzaner-Fohlens - noch so eine Spezialität aus Slowenien. Und er trinkt gerne einen Kaffee, vorzugsweise im Café Homan in Skofja Loka, das sein Bruder Cene seit seinem Rücktritt im Jahr 2022 betreibt.

Direkt neben dem Eingang hat dort ein Künstler die Gesichter von Domen und Nika auf die Fensterscheibe gepinselt, zudem die Kugeln für den Gesamtweltcup und die Weite ihrer Weltrekorde. Platz für den goldenen Tournee-Adler wäre noch reichlich vorhanden.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)