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WWE trauert um eine schillernde und nicht nur im Wrestling revolutionäre Ikone

Tod einer schillernden Ikone

„Ein Popstar im wahrsten Wortsinn, eine bahnbrechende und bis heute einflussreiche Figur“: Der revolutionäre, auch von WWE oft kopierte Wrestling-Star „Exotic“ Adrian Street ist tot.
"Exotic" Asrian Street war eine sehr einflussreiche Figur der Wrestling-Historie
"Exotic" Asrian Street war eine sehr einflussreiche Figur der Wrestling-Historie
© WWE
„Ein Popstar im wahrsten Wortsinn, eine bahnbrechende und bis heute einflussreiche Figur“: Der revolutionäre, auch von WWE oft kopierte Wrestling-Star „Exotic“ Adrian Street ist tot.

In der Branche, in der er berühmt wurde, wird er gefeiert als Pionier, der auch bei WWE tiefe Spuren hinterlassen hat.

Aber auch außerhalb der Wrestling-Welt wird seine Geschichte als faszinierend und wegweisend betrachtet. (NEWS: Alle Neuigkeiten zum Thema WWE)

„'Exotic‘ Adrian Street war ein Popstar im wahrsten Wortsinn, eine bahnbrechende und bis heute einflussreiche Figur“, schrieb 2016 das Kunst- und Kulturportal Wales Art Review in einem hymnischen Essay: Der revolutionäre Wrestling-Star sei eine „in kriminellem Ausmaß übersehene Kulturikone“ seiner Heimatnation.

Nun ist der oft kopierte, selten erreichte Kultstar verstorben.

„Exotic“ Adrian Street revolutionierte das Wrestling

Street wurde am 5. Dezember 1940 im walisischen Bergbaustädtchen mit dem schönen Namen Brynmawr geboren, als Minenarbeiterkind aus einfachen Verhältnissen.

Er flüchtete mit 16 Jahren aus ihnen, um eine damals nicht nur für seine Familie undenkbare Karriere einzuschlagen: Er zog in die englische Hauptstadt London, um Wrestling-Star zu werden. Und nicht nur irgendeiner, sondern einer, der das Gewerbe, das er vorfand, auf den Kopf stellte.

„Ich fand Wrestling toll, aber die Charaktere waren so langweilig“, blickte er später zurück: „Alle haben dieselben Sachen getragen: schwarze Hose, schwarze oder braune Stiefel. Ich war die Charaktere aus Amerika gewohnt.“

Street wollte mehr Glamour. Und kreierte ihn.

Wie ein Showkampf-Spiegelbild David Bowies

Der passionierte Bodybuilder mischte nach einigen Jahren des Suchens die Erfolgsformel des schillernden US-Stars Gorgeous George - der unter anderem auch einen gewissen Muhammad Ali inspirierte - mit den heraufziehenden Trends aus der Popkultur der Swinging Sixties: „Exotic“ Adrian Street war geboren.

Street schuf eine androgyne Figur mit platinblonden, langen Haaren, mädchenhaften Zöpfen und bunter Gesichts- und Körperbemalung. Street war eine Art wrestlendes Spiegelbild von Ziggy Stardust, dem Alter Ego von David Bowie. Auch die Einflüsse anderer Glamrock- und Pop-Art-Ikonen wie Lou Reed, Marc Bolan und Andy Warhol sog Street auf.

Wie Gorgeous George reizte auch Street das männliche Publikum gezielt mit femininen Spielchen. Doch während das US-Vorbild die homoerotischen Untertöne dabei nur andeutete, ging Street in die Vollen: Zu seiner Routine zählte unter anderem, die Gegner zu küssen und einen dicken Abdruck roten Lippenstifts auf ihnen zu hinterlassen.

In cleverer Art und Weise sorgte der Kontrast zu Streets Härte im Ring und die Präsenz von Begleiterin Miss Linda zugleich für die spannungsfördernde Mystik, was es mit Street denn nun wirklich auf sich haben mochte.

Street löste viele Kulturschocks aus

Street war im echten Leben stock-hetero: Miss Linda war über Jahrzehnte seine Lebensgefährtin und später seine Ehefrau. In der heutigen Welt würde sein Spiel mit schwulen Klischees vor diesem Hintergrund sehr kritisch betrachtet werden.

Damals allerdings war es höchst wagemutig, in mit Männerschweiß getränkten britischen Turnhallen der sechziger und siebziger Jahre auch nur ein queeres Schauspiel aufzuführen. Eine gewisse Türöffner-Funktion auch für die „gay culture“ Britanniens wird dem vielbeschäftigten Schaukämpfer aus heutiger Sicht zugeschrieben.

An der Art und Weise, wie seine Figur Kulturschocks auslöste, Homophobie und sexuelle Unsicherheiten hervorkehrte, hatte Street erklärtermaßen auch persönlich Spaß.

„Die anderen Wrestler in der Kabine waren auch verwirrt und nicht sicher, wie ernst ich es meinte“, erinnerte er sich einmal: „Das habe ich ausgenutzt. Ich habe gewartet, bis alle unter der Dusche waren, bin mit dem Handtuch unterm Arm hineinstolziert und habe gerufen: ‚Mmh, ein leckeres Büffet.‘ Schon hatte ich die Dusche für mich.“

WWE kopierte das Erfolgsrezept mehrfach

Zu Beginn der Achtziger wanderte Street nach Amerika aus und wäre dort heute wohl auch als größerer Star in Erinnerung, wären die Vorzeichen günstiger gewesen.

Die regionalen Ligen, in denen Street damals antrat, waren jedoch dabei auszusterben und für den damals nach nationaler und internationaler Größe strebenden WWE-Boss Vince McMahon war der schon über 40-jährige Street zu alt und mit 1,70 Metern wohl vor allem auch rein körperlich nicht imposant genug.

Dass der Boss der damaligen WWF von Streets Erfolgsrezept allerdings Notiz genommen hatte, erkannte man daran, dass er mit der Figur des Hulk-Hogan-Rivalen „Adorable“ Adrian Adonis einen sehr ähnlichen, wenngleich platteren Charakter schuf - der ebenfalls aus Großbritannien stammende Adonis starb 1988 unter tragischen Umständen bei einem Verkehrsunfall.

Qualitativ näher am Original war die in den Neunzigern ersonnene, doppelbödigere und subversivere Figur Goldust - verkörpert von Cody Rhodes‘ älterem Bruder Dustin.

Triple H verneigt sich

Street, der nach eigener Schätzung zwischen 13.000 und 16.000 Matches bestritt, stieg bis ins hohe Alter gelegentlich in den Ring. Ein neues berufliches Standbein fanden er und Frau Linda im Alter als Schöpfer für Wrestling-Mode. Unter anderem entwarfen sie für WWE Hall of Famer Mick Foley das Outfit seines Alter Egos Dude Love.

Street und seine Frau lebten zuletzt wieder in der walisischen Heimat, wo Street im vergangenen Jahr Ehrengast der WWE-Megashow Clash at the Castle war.

WWE-Vorstand „Triple H“ Paul Levesque würdigte Street nun als „die Genres verschiebender Pionier, dessen überlebensgroße Präsenz und Härte die Wrestling-Welt für immer verändert haben. Es war mir eine Ehre, Adrian Street einen Freund nennen zu können.“

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Todesursache: Sepsis nach Schlaganfall

Bei der populären Legende häuften sich zuletzt allerdings die gesundheitlichen Probleme.

Nach Angaben seiner Frau überstand Street jüngst einen Herzinfarkt, erlitt dann aber noch einen Schlaganfall.

Als er sich von diesem erholt hätte, hätte ihn eine Infektion und - bereits am 24. Juli - eine tödliche Sepsis ereilt. „Es ging alles sehr schnell, ich habe noch nicht meinen Frieden damit gemacht“, schildert Witwe Linda der BBC.

„Exotic“ Adrian Street – der seine Lebensgeschichte in mehreren, im Selbstverlag veröffentlichten Autobiografien für die Nachwelt aufschrieb – wurde 82 Jahre alt.