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Vom Helden zum Heuchler? Brisanter Wirbel um WWE-Superstar

Bitterböse Kritik an WWE-Superstar

Verrat an den eigenen Prinzipien? CM Punk entschuldigt sich vor dem WWE-Großevent in Saudi-Arabien für kritische Kommentare am eigenen Land - und handelt sich dafür viel Kritik ein.
CM Punk bei seinem Auftritt bei SmackDown am Freitag
CM Punk bei seinem Auftritt bei SmackDown am Freitag
© WWE
Verrat an den eigenen Prinzipien? CM Punk entschuldigt sich vor dem WWE-Großevent in Saudi-Arabien für kritische Kommentare am eigenen Land - und handelt sich dafür viel Kritik ein.

Kaum jemand bewegt die Wrestling-Welt so wie er: mit seinen Fähigkeiten im Ring, am Mikrofon - und als überaus kontroverse Persönlichkeit.

CM Punk zählt seit über 20 Jahren zu den markantesten CharaktereN der Showkampf-Branche. Sein unwahrscheinlicher Aufstieg vom Chicagoer Arbeitersohn aus schwierigen Familienverhältnissen zum weltweit populären WWE-Idol faszinierte viele. Seine hässlichen Zerwürfnisse mit WWE 2014 und Konkurrent AEW 2023 sorgten allerdings auch für viele Negativschlagzeilen und böses Blut.

In der sehr diskussions- und meinungsfreudigen Wrestling-Fanszene gibt es wenige Stars, an denen sich die Geister so sehr scheiden wie an dem mittlerweile wieder bei WWE aktiven Punk – weniger in Bezug auf seine Qualitäten, mehr aus menschlicher Sicht: Während die meisten ihn als authentischen Typen verehren, gibt es auch andere, die das genaue Gegenteil empfinden.

Vor Punks bislang größten Match seit seinem Comeback heute in Saudi-Arabien gegen WWE-Champion John Cena kochen die Emotionen nun einmal mehr hoch. Brisanter Anlass: sein Verhältnis zum Schauplatz der heutigen Großveranstaltung Night of Champions, der Golfmonarchie Saudi-Arabien.

CM Punk wollte eigentlich nie in Saudi-Arabien antreten

Der autoritäre Staat investiert zur Imageaufbesserung bekanntermaßen seit einigen Jahren viel Geld in den Weltsport, eine milliardenschwere Partnerschaft mit WWE gehört zu den Projekten.

Punk tritt heute zum ersten Mal in dem Land an, in dem die Liga seit 2018 regelmäßig große Veranstaltungen promotet – obwohl er eigentlich geschworen hatte, das nie zu tun.

„Wie viele Saudi-Arabien-Shows müssen sie machen, um CM Punk zurückzubringen?“, wurde Punk im März 2020 bei einem Auftritt in dem Podcast Pardon my Take gefragt – als er nach seinem Bruch mit WWE 2014 noch im Ruhestand gewesen war.

Punks Antwort, die in den vergangenen Tagen in einem viral gegangenen Videoausschnitt verbreitet wurde, war deutlich: „Nicht eine einzige von denen würde ich mitmachen.“ Der WWE-Deal mit den Saudis mute „schäbig“ an, ergänzte Punk – und stimmte auch lachend zu, als das Moderatorenteam spottete, die WWE-Gastspiele am Golf seien wie „Hinterhof-Wrestling für Mohammed bin Salman“, den Kronprinzen und De-facto-Regenten des Regimes.

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Der „Straight Edge Superstar“ wirkte klar und bestimmt in seiner Aversion gegen die moralisch umstrittene Geschäftspartnerschaft. Noch drastischer formulierte er sie im selben Jahr in einem öffentlichen Streit mit dem damals ehemaligen WWE-Kollegen The Miz, den er via Twitter beschimpfte: „Geh doch und lutsch einen mit Blutgeld besudelten Sch**** in Saudi-Arabien, you f*cking dork“.

Ein Fall wie Jordan Henderson

Dass Punk nun selbst bei den Saudi-Shows mitmischt, hat ihm im Vorfeld der Show einiges an Unmut und Enttäuschung eingebracht – vergleichbar mit Fußballer Jordan Henderson nach dessen Wechsel in die Saudi Pro League.

Das Thema wurde von WWE sogar in die Story eingeflochten: Dem Drehbuch zufolge hat Cena absichtlich Saudi-Arabien als Ort des Geschehens für das Match gewählt – um vor dem Hintergrund seiner vergangenen Aussagen Punks Charakter zu entlarven. Tenor: Punk sei ein angepasster Heuchler und nicht der kritische Rebell, als der er sich inszeniere.

Aus der realen Diskussion hat das nur bedingt Schärfe genommen – und sie wurde eher noch angeheizt dadurch, wie Punk nach seiner Ankunft in Riad damit umging.

Bei einem Promo-Event, bei dem Punk teils mit Buhrufen empfangen wurde – ein Teil der saudi-arabischen Fans hat seine frühere Kritik am Land offensichtlich persönlich genommen - leistete Punk Abbitte.

„Ich entschuldige mich bei ganz Saudi-Arabien“

„Der Mann hier wünscht sich, dass ich mich für einen sechs Jahre alten Tweet entschuldige“, erklärte Punk, als er von einem Fan im Publikum auf das Thema angesprochen wurde: „Hey, hört mir zu: Was da war, hatte nichts mit Saudi-Arabien zu tun. Ich war an dem Tag schlecht gelaunt aufgewacht und habe einen gemeinen Tweet an Miz gerichtet. Ich habe mich bei The Miz entschuldigt – und ich möchte mich ehrlich bei dir und ganz Saudi-Arabien entschuldigen.“

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Er sei „nicht perfekt“, sagte Punk zu einem anderen Zeitpunkt: „Menschen machen Fehler, aber das Schöne ist: Wir lernen draus. Jetzt habt ihr mich in euer Land eingeladen und ich bin dankbar dafür.“

Punks Entschuldigung spaltet die Fangemeinde nun erneut: Während ihm ein Teil der Anhänger menschliche Größe attestiert, werfen ihm andere Verrat an seinen eigenen moralischen Prinzipien vor.

„Punks Entschuldigung in Saudi-Arabien lässt ihn als genau als den Opportunisten wirken, als den John Cena ihn darstellt“, schreibt das zum Blognetzwerk SB Nation gehörende Fanportal Cageside Seats: Es habe Punks Image entsprochen, „als er 2020 ein Regime kritisiert hat, das glaubwürdig beschuldigt wird, einen Journalisten ermordet zu haben“ (eine Anspielung auf den Fall Jamal Khashoggi, d. Red.) – nun mache er klaglos beim „Sportswashing“ desselben Regimes mit: „Punk ist nicht mehr Anti-Establishment. Diese Person ist gestorben, als er ins WWE-Hauptquartier zurückgekehrt ist.“

Bitterböse Häme in den sozialen Medien

Einen ähnlichen Tenor haben viele Kommentare in den sozialen Medien, wo zahlreiche vernichtende Kommentare und oft bitterböse Häme für Punk kursieren.

„Die Maske ist gefallen, ein massiver Scheinheiliger“, wettert ein Fan bei X. Bei Konkurrent Bluesky entstand ein spöttisches Meme, welche Entschuldigungen von Punk künftig wohl noch zu erwarten seien: „Punk entschuldigt sich bei WWE, am Tag seiner Hochzeit beschäftigt gewesen zu sein“, lautet eine Idee - Punk hatte 2014 am Tag seiner Heirat mit Kollegin AJ Lee seine offiziellen Entlassungspapiere von WWE bekommen.

Andere Fans wiederum verteidigen Punk und kritisieren die Kritiker: Diese sollten doch bitte bedenken, dass fast alle Promis im Wrestling und anderswo ihre Schattenseiten und Widersprüche hätten - und dass ihre eigenen Autos womöglich auch mit Öl aus Saudi-Arabien angetrieben seien.

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Punk selbst wirkt von der Aufregung ungerührt: Bei seinem ersten TV-Auftritt in Saudi-Arabien am Freitag bei SmackDown, wo er seine Fehde mit Cena durch einen parodistischen Battle-Rap vorantrieb. Im Netz sorgte auch dieser Auftritt für gespaltene Reaktionen - vor Ort passierte das, was immer passiert, wenn Punk den Ring betritt: Es gelang ihm, die anfänglichen Buhrufe aus dem Publikum in Jubel zu verwandeln.