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Snowboard - Winter Olympics Day 3
Auch die Britin Aimee Fuller wurde Opfer der schwierigen Verhältnisse © Getty Images

Nach dem Slopestyle-Wettbewerb richten einige Athletinnen schwere Vorwürfe an die Veranstalter. Die Norwegerin Silje Norendal berichtet unter Tränen von ihrer Angst.

Trotz starken Windes und heftiger Kritik ist der olympische Slopestyle-Wettbewerb bei den Snowboarderinnen durchgezogen worden.

Die Athletinnen wurden vor allem bei den hohen Sprüngen beeinträchtigt - und bis an die Grenze der Belastbarkeit getrieben.

Medaillenanwärterin Silje Norendal war nach dem Wettbewerb mit den Nerven völlig am Ende. "Ich war sehr irritiert darüber, dass das Finale gefahren wurde", sagte sie und berichtete unter Tränen: "Ich wollte mich einfach da oben nur noch hinsetzen und weinen. Mein Körper hat zwei Stunden lang gezittert, weil ich Angst hatte zu fahren."

Norendal: "Hatte Angst um mein Leben"

Sie fuhr dann doch, wurde nach einem wackeligen Vortrag Vierte und klagte bei Eurosport Norwegen: "Ich weiß gar nicht mehr, was während des Laufs passiert ist, weil ich Angst um mein Leben hatte." Olypiasiegerin wurde die US-Amerikanerin Jamie Anderson vor der Kanadierin Laurie Blouin und Enni Rukajärvi aus Finnland. (Olympia 2018: Alle Entscheidungen im LIVETICKER)

Auch die deutsche Starterin Silvia Mittermüller wurde ein Opfer der Bedingungen. Im letzten Training erwischte sie eine Windböe, dabei verletzte sie sich am Knie und musste ihren Start kurzfristig absagen. Sie zog sich einen Meniskusriss zu. (SERVICE: Der Olympia-Zeitplan)

Die Britin Aimee Fuller sagte bei der BBC: "Wenn man Glück mit dem Wind hatte, gab es einige ruhige Zeitfenster. Aber die meiste Zeit war es unglaublich unbeständig. Ich denke, es hat nicht wirklich gezeigt, was für eine Show Frauen-Slopestyle sein kann. Das ist wirklich schade für unseren Sport."

FIS weist Kritik zurück

Bei mehr als jedem zweiten Run kam eine Snowboarderin unter den schwierigen Bedingungen zu Fall.

Die FIS wehrte sich allerdings gegen Kritik und erlaubte sich einen Seitenhieb auf die Snowboarderinnen.

"Die Jury hat die Wetterbedingungen ständig genauestens beoabachtet - inklusive Beratungen mit den Trainern. Die FIS will immer gewährleisten, dass die Athleten ihre beste Leistung abrufen können. Das konnten offensichtlich einige nach eigener Aussage heute nicht, aber Freiluftsport verlangt auch, sich den Elementen anpassen."

Kreuzbandriss bei Coady

Schon zuvor hatte Tess Coady aus Australien bei einem Trainingsunfall einen Kreuzbandriss erlitten und dafür die widrigen Verhältnisse verantwortlich gemacht. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)

Der australische Verband fordert nun eine Untersuchung des Weltverbandes FIS, ob das Training am Sonntag vor der dann abgesagten Slopestyle-Qualifikation überhaupt hätte stattfinden dürfen.

"Die Olympischen Spiele sind für mich zu einem abrupten Ende gekommen", schrieb Coady (17), Junioren-Weltmeisterin im Slopestyle und der Disziplin Big Air, bei Instagram: "Wurde beim Training (...) vom Wind erwischt, wovon mein Kreuzband kein großer Fan war."

Riesenslalom abgesagt

Die Aufregung der Snowboarderinnen war umso verständlicher, weil am Sonntag bei ähnlichen Windverhältnissen die Qualifikation gestrichen worden war. Und während der Wettbewerb dann am Montag mit 75-minütiger Verspätung gestartet wurde, war im etwas weiter östlich gelegenen Yongpyong der Riesenslalom der Frauen bereits abgesagt worden - wegen des starken Windes. 

Der Wind hatte bereits den Wettbewerb der Männer in Bokwang beeinflusst, bei dem der 17-jährige Amerikaner Redmond Gerard überraschend die Goldmedaille gewann. Der Niederländer Niek van der Velden wurde ebenfalls von einer Böe erfasst und brach sich bei seinem Sturz den rechten Oberarm. Er wurde vor Ort bereits operiert.

Ministerpräsident Mark Rutte, König Willem-Alexander und Königin Maxima waren auf dem Weg in den Snowpark, als sie von dem Unglück erfuhren. "Wir wünschen diesem großen Talent gute Genesung und hoffen, dass Niek an den nächsten Winterspielen wieder teilnimmt. Er ist noch so jung", sagte Rutte.

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