"Wahnhaft und eifersüchtig": Poker-Star Negreanu attackiert Rivalen
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Paradise Island - Poker-Legende Daniel Negreanu attackiert im exklusiven SPORT1-Interview seinen langjährigen Rivalen Phil Hellmuth. Der hatte zuvor die deutschen Top-Profis kritisiert.

Niemand hat bei Poker-Turnieren so viel Geld gewonnen wie Daniel Negreanu. Der 43 Jahre alte Kanadier kassierte bereits rund 36 Millionen Dollar an Preisgeldern, damit führt er die weltweite Geldrangliste an. Zudem konnte sich "Kid Poker" sechs Siegerarmbänder bei der Poker-WM in seinem Wohnort Las Vegas sichern.

Negreanu gehört seit 20 Jahren zu den besten Profi-Spielern und ist heute einer der wenigen Poker-Stars, die in den USA auch außerhalb der Szene bekannt sind.

Er hatte einen Auftritt in einem X-Men-Blockbuster und spielte in einem Musikvideo von Katy Perry mit. Wenn er als Fan beim Eishockey-Team Vegas Golden Knights auf der Tribüne sitzt, wird er auf dem Videowürfel gezeigt und bejubelt. Negreanu ist ein echtes Poker-Aushängeschild.

Im SPORT1-Interview spricht er über sein persönliches Poker-Training und private Runden mit Hollywood-Stars. Zudem schießt er gegen seinen langjährigen Rivalen Phil Hellmuth, der bei SPORT1 die deutschen Top-Profis kritisiert hatte.

SPORT1: Herr Negreanu, Poker verändert sich. Was tun Sie, um an der Weltspitze zu bleiben?

Daniel Negreanu: Das Spiel entwickelt sich immer weiter. Ich bin seit 20 Jahren dabei. Alle paar Jahre schaue ich mir an: Was machen die jungen Spieler im Moment? Was lernen sie und wie lernen sie es? Wenn du nicht verstehst, was sie tun, bleibst du nicht relevant und wettbewerbsfähig. Ich habe vergangenen Oktober, November und Dezember hart mit Trainern gearbeitet, um mein Spiel zu verbessern. Zum Beispiel mit einem Softwareentwickler aus Kalifornien. Es ist sehr wichtig, das zu tun. Ich glaube in den letzten eineinhalb, zwei Jahren hat sich das Spiel dramatischer verändert als in den zehn Jahren zuvor, größtenteils wegen der immer besseren Analyse und Trainings-Software.

SPORT1: Wie sind Sie bei ihrem Trainingslager vorgegangen?

Negreanu: Meine Trainer sind zu mir nach Hause gekommen, wir haben jeden Tag vier bis sechs Stunden zusammen gearbeitet. Manchmal haben wir uns nur eine einzige Hand angeschaut und sie vier Stunden lang analysiert. Früher habe ich immer gedacht: Was denkt der Gegner über mich? Dann habe ich versucht, mein Spiel dementsprechend anzupassen. Heute denke ich: Was wäre die richtige Strategie, würde ich in dieser Situation gegen einen Computer spielen? Wir haben viel an Formeln gearbeitet, die man aber in Spielgeschwindigkeit anwenden kann - denn in den High-Roller-Turnieren gibt es eine 30-Sekunden-Shot-Clock.

SPORT1: Die teuren High-Roller-Turniere mit Buy-Ins von 50.000, 100.000 oder sogar einer Million Dollar werden in letzter Zeit dominiert von jungen deutschen Spielern. Ihr langjähriger Gegenspieler Phil Hellmuth sagte zuletzt in einem SPORT1-Interview, dass die Deutschen für ihn trotzdem nicht die besten Spieler der Welt seien. Was sagen Sie dazu?

Negreanu: Phil Hellmuth ist - in einem Wort - dumm! Die Wahrheit ist: Tief im Inneren weiß er, dass er die Deutschen nicht schlagen kann. Er ist eifersüchtig. Er könnte einfach sagen: Okay, sie sind sehr gut, sie arbeiten hart, sind die besten der Welt und spielen die High-Roller-Turniere, weil sie es können. Stattdessen muss er sie beleidigen und kritisieren. Ich fordere ihn öfter heraus, weil ich weiß, dass das Blödsinn ist. Es stimmt einfach nicht.

SPORT1: Hellmuth kritisiert, dass die Deutschen nur die teuren Turniere gegen die immer gleiche, kleine Gruppe von Gegnern spielen. Darunter auch oft reiche Geschäftsmänner. Er dagegen messe sich in günstigeren Turnieren mit viel größeren Teilnehmerfeldern. Trotzdem hat er mehr als 20 Millionen Dollar an Preisgeldern eingespielt.

Negreanu: Die Deutschen könnten genauso die günstigeren Turniere spielen und wären auch dort die besten Spieler. Sie sind die Creme de la Creme. Phil hätte keine Chance in ihren Turnieren. Er ist einfach wahnhaft und eifersüchtig. Die Wahrheit ist: Er würde die teuren Turniere spielen, wenn er glauben würde, dass er eine Chance hat. Oder wenn er das Geld dafür zusammen bekäme. Diese Turniere sind sehr, sehr teuer. Also findet man entweder Leute, die in einen investieren. Oder man steckt ausschließlich sein eigenes Geld rein – so wie ich es tue. Ich glaube, dass Phil beides nicht möchte. Es ist für ihn also einfacher, abzulenken und Leute zu beleidigen. Wenn ich sage: Hey, ich wette gegen dich, redet er immer groß daher. Aber er steigt nie ein. Weil er ein Feigling ist! Er kennt ja eigentlich die Wahrheit, aber er will es öffentlich nicht zugeben. Ich glaube, das würde sein Ego beschädigen.

SPORT1-Reporter Sebastian Mittag (r.) sprach beim PokerStars Caribbean Adventure auf den Bahamas mit Daniel Negreanu
SPORT1-Reporter Sebastian Mittag (r.) sprach beim PokerStars Caribbean Adventure auf den Bahamas mit Daniel Negreanu © SPORT1

SPORT1: Er ist immerhin Rekordweltmeister mit 13 Siegerarmbändern der World Series of Poker (exklusiv im TV auf SPORT1). Er sagt: Die Bracelets sind am wichtigsten.

Negreanu: Warum glauben Sie, sagt er das? (lacht) Er hat sogar seinen eigenen "Spieler des Jahres"-Award erfunden. Wissen Sie wie die Liste dafür aussieht? Nur die Turniere, die er gespielt hat - nichts anderes zählt! Natürlich sind WSOP-Bracelets wichtig. Er hat mehr als alle anderen, weil er in Zeiten gespielt hat, in denen es einfacher war, zu gewinnen. Aber zu sagen, dass die High-Roller-Turniere nicht wichtig seien - und der größte Leistungstest - ist einfach nicht wahr. Ich meine: Das sind heute die besten Spieler der Welt. Das ist einfach ein Fakt.

SPORT1: Apropos Leistungstest - SPORT1 zeigt ab 26. Januar die Highlights der European Poker Tour exklusiv im TV. Was ist das Besondere an dieser Turnierserie?

Negreanu: Die EPT ist im Moment die erfolgreichste Tour der Welt, was die Zahl und die Qualität der Spieler angeht. Die Turniere sind sehr hart und sehr prestigeträchtig. Ein EPT-Turnier zu gewinnen, ist extrem schwierig.

Lustig! Legende Negreanu singt am SPORT1-Mikro

SPORT1: Im neuen Hollywood-Film "Molly's Game", der im März in die Kinos kommt, geht es um ganz andere Spiele, nämlich geheime Prominenten-Pokerrunden. Haben Sie auch mal an solchen Spielen teilgenommen?

Negreanu: Ich habe vor einigen Jahren an so einem Promi-Spiel teilgenommen. Im Haus von Schauspieler Tobey Maguire. Leonardo DiCaprio, Jack Black, ein paar Hollywood-Produzenten und solche Leute waren auch da. Es hat Spaß gemacht. Es waren auch relativ hohe Einsätze. Um nett zu sein, habe ich meine Karten vor dem Flop nicht angesehen. Dann macht es auch mehr Spaß! (lacht) Ich war auch im Casino Bellagio in Las Vegas dabei. Es war eigentlich ein privates Spiel, sie haben es eben dort ausgetragen. Das waren sehr gute Runden, sehr lukrativ. Aber das war nie meine Szene.

SPORT1: Wer war der beste Spieler unter den Stars?

Negreanu: Also, als ich gespielt habe, sicherlich mit Abstand Tobey Maguire. Er war gut. Er hätte Profi werden können.

SPORT1: Immer wieder treten Prominente aus anderen Branchen in hochdotierten Pokerturnieren an, in Deutschland zum Beispiel Boris Becker. Was halten Sie davon?

Negreanu: Es macht doch Sinn: Nehmen wir Sportler. Wenn ihre Karriere vorbei ist, sind sie weiterhin Wettbewerbs-Menschen. Viele spielen später Poker, weil sie da den gleichen Rausch erleben, nur eben ohne ihren Körper weiter kaputt zu machen. Schauspieler zieht es auch oft zum Pokern, weil es viele Ähnlichkeiten gibt. Man blufft und macht dazu ein bestimmtes Gesicht. Ich glaube, es ist nur natürlich, dass diese Leute gerne Poker spielen. Das ist doch die coole Sache an Poker. Ich hätte auch gerne Basketball gegen Michael Jordan oder Golf gegen Tiger Woods gespielt. Das geht aber nicht. Beim Pokern kann man auf Augenhöhe gegen die besten Spieler der Welt antreten. Man braucht einfach nur das Geld.

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